Am "Schmotzigen Dunschtig", dem 12. Februar, steht CSU-Chef Markus Söder vor dem traditionsreichen "Hohen Grobgünstigen Narrengericht zu Stocken". Das wurde am Dienstagabend bei der traditionellen Dreikönigssitzung der Stockacher Narren (Kreis Konstanz) bekannt. Söder sei seit Franz Josef Strauß erst der zweite bayerische Ministerpräsident, der vor dem Stockacher Narrengericht angeklagt werde, heißt es in einer Mitteilung. 1979 sei Strauß zu einer "überaus milden Strafe von zehn Tonnen Bier verurteilt worden".
Wenn aber einer ähnlich wie Strauß alle Facetten der politischen Maskerade beherrscht, dann ist es er – der 'Maggus aus Nürnberg', der Franke mit Alpenblick, der Mann, der sich selbst schon so oft neu erfunden hat.
Ministerpräsident Söder hat eine Anklage vor dem Narrengericht "verdient"
Der "Schutzpatron der Leberkäswecken und bayrische König aus Franken" sei ein Mann, der sich selbst schon so oft neu erfunden habe. Dabei sei die Entscheidung des diesjährigen Beklagten dem Stockacher Narrengericht nicht gerade leicht gefallen. Der Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg habe eine uneingeschränkte und unparteiische Auswahl verhindert. So sei Söder der "neutralst mögliche Kandidat". Endlich werde einer angeklagt, der es verdient habe, heißt es in der Begründung aus Stockach.
Der Löwe von Franken, der 'Kreuzritter', der das Abendland in bayerischen Klassenzimmern mit Kruzifixen verteidigt, der plötzliche Umweltfreund, der die Bienen liebt und Bäume umarmt und die Welt mit Selfies von seinem Mittagessen beglückt. Ein Typ, der so wandlungsfähig ist, dass wahrscheinlich sogar Chamäleons nervös werden, wenn er den Raum betritt.
Die ersten Reaktionen der närrischen Teilnehmer der Stockacher Dreikönigssitzung fielen begeistert aus:
Närrische Gerichtsverhandlung am 12. Februar in Stockach und im SWR
Markus Söder werde kein einfacher Beklagter. Witzig, schlagfertig und nie verlegen um ein Bonmot – auf Kosten der anderen. Wer wie Markus Söder so viel Gestaltwandel, so viel Pathos, so viel schauspielerisches Talent in sich vereine, und es wie kein anderer verstehe zu polarisieren, der rufe nach einem furchtlosen, närrischen Tribunal, das ihm grobgünstig die Leviten liest, so die Begründung für die Anklage.
Das Stockacher Narrengericht besteht aus bis zu 21 Gerichtsnarren. Es ist das älteste Narrengericht seiner Art und zählt zu den Höhepunkten der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. In diesem Jahr feiern die Stockacher mit allerlei Veranstaltungen das 675. Jubiläum ihres Narrengerichts. Zu sehen ist die Verhandlung am Donnerstag, den 12. Februar 2026, um 20:15 Uhr, im SWR Fernsehen.
Zuletzt angeklagt vor dem Stockacher Narrengericht waren:
- 2025 Julia Klöckner, Schatzmeisterin der CDU
- 2024 Dr. Karl Lauterbach, SPD, Bundesgesundheitsminister
- 2023 Wolfgang Kubicki, Stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP
- 2022 und 2021 gab es wegen der Corona-Pandemie keine Verhandlung.