Verstopfte Wasserrohre und abgefressene Felder

Biber-Population wächst stark: Naturschutz und Landwirte im Konflikt

In Baden-Württemberg leben bis zu 13.000 Biber - und es werden mehr. Das Land hat mit einem "Biber-Management" reagiert. Doch Fachleute bezweifeln, dass die Maßnahmen funktionieren.

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Von Autor/in Gerald Pinkenburg

Das Land Baden-Württemberg hat ein sogenanntes "Biber-Management" eingeführt, das die deutlich ansteigende Population regulieren soll. Ehrenamtliche Biber-Beauftragte aus der Region Bodensee-Oberschwaben halten die Maßnahmen für schwer umsetzbar.

Biber stehen auf 'Roter Liste' der bedrohten Arten

Biber galten zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland als fast ausgerottet. Inzwischen hat ihre Population aber wieder deutlich zugenommen. Trotzdem stehen die Tiere weiterhin auf der "Roten Liste" der bedrohten Arten.

Allein in Baden-Württemberg leben inzwischen schon wieder bis zu 13.000 Biber. Zur Freude von Naturschützern und zum Leidwesen der Land- und Forstwirtschaft. Denn vor allem in der Nähe von Seen, Bächen und Flüssen fressen sie Bäume an, die dann umstürzen oder gefällt werden müssen. Zudem sorgen sie für Schäden an der Infrastruktur. Zum Beispiel verstopfen von Bibern gebaute Dämme mitunter Wasserrohre, die in Seen oder Bäche führen.

Außerdem können die Dämme zu Überschwemmungen auf angrenzenden Nutzflächen führen. Darüber hinaus stehen Mais und Zuckerrüben auf dem Speiseplan der Tiere - sehr zum Ärger der Landwirte.

BW will mit "Biber-Management" gegensteuern

Um den Konflikt zu entschärfen, hat das Umweltministerium in Baden-Württemberg ein "Biber-Management" auf den Weg gebracht. Oberstes Ziel sei es, Konflikte um die Biberreviere von vornherein zu verhindern oder langfristige Lösungen für alle Betroffenen zu finden, heißt es vom Umweltministerium.

Eine Konfliktlösung könne beispielsweise sein, dass sogenannte Dammdrainagen in die von Bibern gebauten Dämme eingefügt würden. Dadurch werde der Wasserpegel gesenkt, was wiederum Schäden auf Wiesen und Äckern durch Überflutungen gar nicht erst entstehen lasse, heißt es. Sollte das nicht gelingen, sei auch eine "Entnahme", also der Abschuss der streng geschützten Tiere möglich.

Fachleute halten die Maßnahmen für schwer umsetzbar

"Allein in dem Gebiet, für das ich zuständig bin, leben geschätzt bis zu 2.500 Biber", sagte Erhard Bolender, ehrenamtlicher Biber-Beauftragter aus Isny im Allgäu (Kreis Ravensburg), dem SWR. Bolender hält es für unmöglich, dass er und seine Kolleginnen und Kollegen die vorgesehenen Maßnahmen überwachen und durchführen können. Dazu seien sie zeitlich, personell und finanziell nicht in der Lage.

Ich frage mich, wo die Erleichterung für uns bestehen soll, wenn wir jetzt auch noch entscheiden sollen, welche Biber wir entnehmen sollen.

Auch von einem Abschuss der Tiere hält Bolender nichts. Die Population sei inzwischen so groß, dass es nicht genüge, vier oder fünf Tiere zu töten. Das gleiche der Nachwuchs schnell wieder aus. Zudem würden die Tiere auch durch die Landwirtschaft in der Nähe von Bächen und Flüssen dazu animiert, Schäden anzurichten. "Wenn man dem Biber etwas Gutes tun will, muss man nur ein Maisfeld anlegen". Das liebten die Tiere, so Bolender.

Natürliche Lebensräume als Lösung

Der Biber-Beauftrage Bolender hat eine andere Idee: Er schlägt vor, eine etwa 20 Meter breite "Pufferzone" an Ufern von Flüssen, Seen und Bächen anzulegen. Diese sollte weder land- noch forstwirtschaftlich genutzt werden. So bleibe dem Biber ein natürlicher Lebensraum und er würde deutlich weniger Schäden anrichten, meint Bolender. Schließlich sei der Biber extrem wichtig für den Naturschutz und ein "Gewinn für die Landschaft".

Der Biber gilt als "Ökosystem-Ingenieur"

Auch wenn der Biber vielen Landwirten ein Dorn im Auge ist, ist er doch in der Natur unerlässlich und wird auch als "Ökosystem-Ingenieur" gesehen. Er gestaltet die Landschaft, schafft Lebensräume und fördert die Biodiversität. Durch seine Bauten entsteht eine vielfältige Umgebung, die auch das Wasser in Bächen zum Beispiel auf natürliche Weise zurückhält und so bei Trockenheit und Hochwasser hilft. 

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Autor/in
Gerald Pinkenburg
SWR-Redakteur Gerald Pinkenburg

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