Sie waren fast ausgestorben: Vor 20 Jahren lebten in Baden-Württemberg gerade mal 650 Biber. Im Zuge von Wiederansiedlungsprojekten wurden sie wieder heimisch und haben sich seither rasant vermehrt. Heute gibt es in Baden-Württemberg rund 11.500 Biber, die mancherorts für Probleme sorgen. Überflutete Felder und Straßen oder untergrabene Wege können die Folge ihrer Dammbauten sein. Da stellt sich die Frage, ob man einen Teil der Nager gezielt töten soll, um Schäden in Feld und Flur zu verhindern. Bei der Antwort sind das baden-württembergische Umwelt- und Landwirtschaftsministerium uneins.
BW-Agrarministerium für gezielten Abschuss von Bibern
Weil die Population der Biber stark zunimmt, plant die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg eine neue, landesweite Biberverordnung. Sie soll unter anderem den Abschuss regeln. Die Verordnung befindet sich derzeit "noch in Abstimmung zwischen den Ressorts", heißt es in der Antwort des Umweltministeriums auf eine Landtagsanfrage der FDP. "Derzeit kann keine Aussage zum Inkrafttreten der Biberverordnung getätigt werden." Mit anderen Worten: Die Verordnung liegt auf Eis, weil es keine gemeinsame Linie gibt.
Wie unterschiedlich Grüne und CDU die Frage der Abschussregelungen bewerten, geht ebenfalls aus den Antworten auf die Anfrage hervor. Für das von Peter Hauk (CDU) geführte Landwirtschaftsministerium ist klar: Der Abschuss von jährlich zehn Prozent aller Biber könne dazu führen, dass Schäden ausbleiben oder dauerhaft verhindert werden - "sofern eine Wiederbesiedlung durch den Biber mittels Vergrämungsmaßnahmen verhindert werden kann." Das Landwirtschaftsministerium gibt sich damit als klarer Befürworter einer kontrollierten Biberentnahme zu erkennen. Auf Nachfrage teilt Agrarminister Hauk gegenüber dem SWR mit: "Der Biber kann mit seinen Dämmen zu Wasserrückhalt beitragen, aber er verringert leider auch an vielen Gewässern wichtigen und notwendigen Retentionsraum. Daher gilt es vor Ort ganz genau hinzuschauen und die geeigneten Maßnahmen auch beherzt umzusetzen".
Grün geführtes Umweltministerium für Einzelfallprüfungen
So beherzt möchte Umweltministerin Thekla Walker von den Grünen Problem-Bibern nicht den Garaus machen. Eine pauschale Abschussquote lehnt sie ab und bezeichnet dies "als nicht sachdienlich". Walker verweist auf den Artenschutz: "Der Abschuss von Bibern erfordert artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen, die nur erfolgen können, wenn Ausnahmegründe vorliegen, zumutbare Alternativen nicht gegeben sind und sich der Erhaltungszustand der Biberpopulation nicht verschlechtert". Obwohl sich die Tiere deutlich vermehrt haben und heute in Baden-Württemberg nach letzten Schätzungen rund 11.500 Biber in 3.500 Revieren leben, sind sie streng geschützt.
Konflikte mit der Landwirtschaft wegen überfluteter Felder oder unterhöhlter Wege will das Umweltministerium mit Hilfe des Bibermanagements lösen. Es sehe "einen breiten Katalog an Lösungsmöglichkeiten für die jeweilige Konfliktsituation vor - von technischen Sicherungsmaßnahmen über Flächentausch bis hin zur letalen Entnahme". In Ausnahmefällen kann laut Umweltministerium ein Biber mit einer letalen Entnahme also auch jetzt schon abgeschossen werden, wenn bei den Einzelfallprüfungen keine der anderen Lösungsmöglichkeiten greift. Daneben hat das Land in den letzten acht Jahren insgesamt 38 Grundstücke zum Preis von 440.000 Euro erworben, um Lebensraum für die Biber zu sichern und Konflikte zu entschärfen.
Naturschützer lehnen Abschuss von Bibern ab
Während Landwirte Schäden auf den Feldern beklagen, verweisen Naturschützer auf die positiven Effekte der Biber fürs Ökosystem und die Wasserqualität. So schaffen die Nagetiere Lebensräume für Libellen, Amphibien, Reptilien, Fische und Vögel. "Den Abschuss von Bibern lehnen wir ab", sagt Alexandra Ickes, Referentin für Artenschutz beim NABU. Sobald irgendwo ein Tier abgeschossen werde, tauchten sofort neue Biber auf und besetzten das Revier. Die Bejagung müsse nachvollziehbar sein, und es gebe andere Wege, um Konflikte mit Problem-Bibern zu lösen. Die Artenschützerin verweist gegenüber dem SWR darauf, dass einzelne Biber in bestimmten Fällen bereits jetzt abgeschossen werden dürften: "Ausnahmegenehmigungen gibt es bereits, wenn andere Lösungen nicht greifen."