Die Glocken am Konstanzer Münster sind am Dienstag für Forschungszwecke erklungen. Dabei ging es um die Frage: Wie stark wirken sich die Schwingungen auf die Bausubstanz aus? Denn am Konstanzer Münster sind neue Schäden entdeckt worden. Bereits 2024 wurde festgestellt, dass Teile des Münsterturms saniert werden müssen. Seit Ende 2024 ist das Gebäude deshalb eingerüstet.
Bei weiteren Untersuchungen wurde jetzt entdeckt, dass sich einzelne Steine an den Fialen, also den Turmspitzen, verschoben haben. Das teilte die Konstanzer Abteilung des Amts Vermögen und Bau Baden-Württemberg mit. Die Ursachen dafür seien bislang unklar. Genau das soll nun näher untersucht werden.
Die Verschiebungen seien mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Sie liegen nach Angaben des Amtes im Zentimeterbereich oder sogar darunter, sind bautechnisch aber dennoch bedeutsam.
Messtechnik am Münsterturm: Industriekletterer im Einsatz
Am Montag haben die Vorbereitungen für die Messungen begonnen. Industriekletterer montierten Messtechnik am Turm. Die Technik wurde laut Mitteilung am Turmhelm, am Oktogon und an den Fialen angebracht.
Die Messgeräte wurden dabei in Höhen zwischen etwa 42 und bis zu 70 Metern installiert, heißt es, also deutlich über der Plattform des Münsterturms. Der Turm des Konstanzer Münsters ist insgesamt 78 Meter hoch.
Die Geräte sollen kleinste Bewegungen des Bauwerks erfassen. Die Montage ist Voraussetzung für die anschließenden Messungen.
Glockengeläut Konstanz: Schwingungen im Fokus der Untersuchungen
Am Dienstag begannen die eigentlichen Messungen. Hierfür wurden die 16 Glocken einzeln und anschließend gemeinsam geläutet. Dabei wurde gemessen, wie sich der Turm durch die Schwingungen bewegt. Die Untersuchungen sollen klären, ob das Glockengeläut zu den Verschiebungen der Steine beigetragen haben könnte.
Die Messungen sind langfristig angelegt. Die Messtechnik bleibt etwa ein Jahr am Turm installiert, heißt es. In dieser Zeit werden kontinuierlich Daten erfasst. Neben den Schwingungen durch das Glockengeläut werden auch Einflüsse wie Wind, Temperatur und Luftfeuchtigkeit gemessen. "Die Sanierung des Konstanzer Münsters ist ein komplexes und langfristiges Vorhaben, das sorgfältige Planung und Durchführung erfordert", so die Konstanzer Amtsleiterin Sieglinde Neyer-Bedenk.
Sanierung Konstanzer Münster: Weitere Schritte geplant
Die Ergebnisse der Messungen sind wichtig für die weiteren Arbeiten am Münster. Ein interdisziplinäres Team aus verschiedenen Fachbereichen arbeitet an einem Konzept für die Sanierung. Ziel ist es, die Schäden am Turm zu beheben und das Bauwerk langfristig zu sichern.