Wasserstand deutlich unter Mittelwert

Niedrigwasser am Bodensee: Was das für Vögel, Schiffe und Badegäste bedeutet

Im Moment ist wenig Wasser im Bodensee. Warum das so ist und was der niedrige Wasserstand für brütende Vögel, Ausflugsschiffe und Badegäste bedeutet.

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Stand

Der Bodensee führt Ende Mai so wenig Wasser wie selten um diese Jahreszeit: Der Bodenseepegel in Konstanz liegt aktuell bei gut drei Metern (3,10 Meter, Stand Donnerstag) - zu niedrig für diese Jahreszeit. Das sind zwar drei Zentimeter mehr als am Tag zuvor, aber 77 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel für diesen Tag. Bis zum historischen Minimalwert von 301 Zentimetern für diesen Tag sind es laut Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) nur noch wenige Zentimeter. 

Das Niedrigwasser hat Auswirkungen auf viele Wasservögel. Badende müssen weit laufen, um ins Wasser zu kommen. Und die Schifffahrt sorgt sich, manche Anlegestellen bald nicht mehr anfahren zu können. Welche Ursachen hat das Niedrigwasser - und wie könnte sich der Pegel in den nächsten Wochen entwickeln?

Das Strandbad Hörnle in Konstanz. Der niedrige Wasserstand sorgt für ein breites Ufer und flaches Wasser.
Das Strandbad Hörnle in Konstanz: Der niedrige Wasserstand sorgt für ein breites Ufer und flaches Wasser. Friederike Fiehler

Am Konstanzer Hörnle, einem großen Strandbad, sieht man den niedrigen Wasserstand besonders deutlich. Der Steg, der normalerweise unter Wasser in den See führt, liegt trocken. Bis zu 50 Meter weit müsse man laufen, um wenigstens bis zum Bauchnabel im Wasser zu stehen, so eine Besucherin am Dienstagmittag. Sie und andere haben die Abkühlung trotzdem genossen. Das Wasser hat aktuell eine Temperatur zwischen 18 und 20 Grad.

Brutplätze liegen trocken: Was das Niedrigwasser für Wasservögel bedeutet

Viele Wasservögel haben aufgrund des niedrigen Wasserstandes derzeit Schwierigkeiten, zum Beispiel Blässhühner und Haubentaucher. Normalerweise brüten sie im aufgestauten Wasser im Schilf - doch diese Bereiche liegen jetzt häufig trocken. Der Effekt: Die Tiere warten mit der Paarung ab, bis der Wasserstand wieder steigt. So kommen zum Beispiel Haubentaucher vielleicht am Ende nur auf eine Brut pro Jahr statt zwei.

Schwäne und Stockenten hingegen profitieren vom Niedrigwasser, so Lisa Maier von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee. Denn ihre Nester werden jetzt nicht überschwemmt. Das passiert häufig in Jahren, in denen der Bodenseepegel im Frühjahr stark steigt. Die Landesanstalt für Umwelt bewertet die aktuellen Pegelstände aber nicht als Gefahr für das Ökosystem. Pflanzen und Tiere am Bodensee seien an natürliche Schwankungen des Wasserstandes angepasst.

Schifffahrt in Sorge, ob Bodenseepegel weiter sinkt

Die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) spürt auch schon die Folgen des Niedrigwassers: Wegen des niedrigen Rheinpegels muss sie den Schiffsverkehr einschränken. Bis auf weiteres sei die Strecke zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein unterbrochen, heißt es auf der Homepage der URh. Auf dem Untersee, zwischen Stein am Rhein und Kreuzlingen/Konstanz, fahren die Schiffe dagegen weiterhin nach Fahrplan.

Auf dem Obersee fahren noch alle Schiffe der Weißen Flotte nach Plan. Aber der Wasserstand bereitet auch den Bodensee-Schiffsbetrieben Sorge. Man beobachte den Pegel sehr genau, da in den nächsten Tagen nicht mit nennenswerten Niederschlägen zu rechnen sei, so eine Sprecherin.

Das private Schiffsunternehmen Frey Meersburger Bootsbetriebe, das auch die Mainau anfährt, berichtete dem SWR, es habe seine Anlegestelle auf der Insel wegen des Niedrigwassers bereits verlegen und den Steg zum Ausstieg anpassen müssen.

"Damit wir den niedrigen Wasserstand ausgleichen können, damit man gut aussteigen kann, haben wir eine Holzstufe am Schiff installiert."

Das Unternehmen verleiht normalerweise auch Tret- und Ruderboote - doch das geht wegen des geringen Wasserstands und der Verschlammung im Hafen jetzt nicht.

Niedrigwasser: Probleme auch an Segel- und Yachthäfen

Der niedrige Pegelstand des Bodensees macht auch einigen Segel- und Yachthäfen zu schaffen. Betroffen sind vor allem Häfen in sogenannten Flachwasserzonen. Viele von ihnen liegen am Untersee – darunter etwa auch der Hafen Horn auf der Höri im Kreis Konstanz. Nach Angaben des Hafenmeisters sind aktuell nur etwa fünf von insgesamt 120 Wasserliegeplätzen belegt.

Ähnlich sieht es beim Flachwasserhafen in Fischbach bei Friedrichshafen aus. Der Hafen ist wegen des niedrigen Wasserstandes aktuell nur zu weniger als einem Drittel ausgelastet, heißt es vom Hafenmeister.

Auch in anderen Häfen macht sich der niedrige Pegel teilweise bemerkbar, etwa in den Gemeinden Bodman und Ludwigshafen am Überlinger See. Häfen an tieferen Stellen des Bodensee-Ufers sind dagegen nicht betroffen vom aktuell niedrigen Wasserstand.

Zuflüsse und Abflüsse: Warum der Pegel diesmal so niedrig ist

Normalerweise müsste der Bodenseepegel um diese Jahreszeit steigen. Aber im Winter 2025/26 fiel weniger Schnee als üblich. Zudem hat es im Einzugsgebiet des Bodensees weniger geregnet als üblich. Beides zusammen führt laut LUBW dazu, dass der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees, derzeit unterdurchschnittlich viel Wasser führt.

Aktuell fließen insgesamt mehr als 450 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über die zwölf Hauptzuflüsse in den Bodensee (Stand Dienstag). Der Löwenanteil - rund 390 Kubikmeter pro Sekunde - kommt über den Alpenrhein aus den Bergen. Flüsse wie die Argen im Bodenseekreis oder die Stockacher Aach liefern derzeit nur sehr wenig Wasser für den Bodensee.

Die Messlatte für den Bodenseepegel im Konstanzer Hafen. Derzeit ist der Wasserstand niedrig.
Die Messlatte für den Bodenseepegel im Konstanzer Hafen. Friederike Fiehler

Wie geht es weiter - und welche Rolle spielt der Klimawandel?

Nur rund die Hälfte des neu zufließenden Wassers im Bodensee fließt zur Zeit über den Seerhein bei Konstanz wieder ab. Was das für den Pegel bedeutet? Voraussichtlich steigt der Wasserstand erstmal leicht an. Doch am Wochenende könnte sich das laut Hochwasservorhersagezentrale schon wieder ändern: Bleibt der Regen in den nächsten Tagen aus, kann der Pegel unter drei Meter sinken.

Niedrigwasser oder Hochwasser - für die Experten der LUBW gilt der Klimawandel als ein wesentlicher Faktor für zunehmende Extreme. "Langfristige Beobachtungen zeigen, dass sich veränderte Niederschlagsmuster und steigende Temperaturen auch auf den Bodensee auswirken können", so eine Sprecherin der Landesanstalt für Umwelt. Im Sommer würden die mittleren Wasserstände tendenziell abnehmen, im Winter tendenziell zunehmen. Wie sich der Bodensee in diesem Sommer entwickelt, hängt davon ab, ob in den kommenden Wochen genügend Regen fällt. Aktuelle Pegelstände und Vorhersagen veröffentlicht die LUBW online.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Verena Katschker
SWR-Redakteurin Verena Katschker Autorin Bild
Jan Niklas Bauscher
SWR-Redakteur Jan Niklas Bauscher Autor Bild
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SWR-Redakteurin Friederike Fiehler Autorin Bild
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SWR-Redakteurin Stefanie Baumann Autorin Bild

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