Es könnte ein Fall wie dieser sein, schreibt der Klinikverbund Oberschwabenklinik (OSK) mit Sitz in Ravensburg in einer Mitteilung: Ein junger Mann wird nach einem schweren Motorradunfall in die Klinik gebracht, Familie und Freunde sind in größter Sorge, eine absolute Ausnahmesituation. Auch Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte bekommen die Sorge mit, müssen aber gleichzeitig unter höchstem Druck den Patienten versorgen.
Dann kommt das sogenannte Klinische Kriseninterventionsteam (KKIT) zum Einsatz: Neun speziell geschulte Beschäftigte der OSK. Sie stehen Angehörigen, aber auch Kollegen zur Seite, hören zu oder vermitteln weiterführende Hilfen. Seit November vergangenen Jahres gibt es das Angebot, es hat etwa drei Einsätze im Monat, schreibt die Klinik.
Neben OSK nur wenige Kriseninterventionsteams bundesweit
Das Konzept wurde in der Oberschwabenklinik entwickelt und will bei "schweren psychosozialen Belastungen und Notfällen gezielte psychische Akuthilfe bieten - professionell, vertraulich und menschlich". Solche Angebote gibt es in Deutschland nur sehr wenige, so die OSK. Gerade einmal 15 Kliniken bundesweit hätten vergleichbar aufgebaute Kriseninterventionsteams. Bei Feuerwehren und Rettungsdiensten sei eine psychosoziale Notfallversorgung dagegen längst etabliert.
Es war uns ein Herzensanliegen, diese Lücke in der emotionalen Notfallversorgung zu schließen.
Das Personal der OSK kann auch noch nach belastenden Einsätzen auf das Kriseninterventionsteam zugehen. Eine Nachbereitung könne helfen, psychische Belastungen abzubauen und wieder Kraft für den Berufsalltag zu schöpfen, so die OSK.
Kriseninterventionsteam kommt aus der Freizeit zu Hilfe
Nach Angaben der OSK ist das Team aus den neun speziell geschulten Mitarbeitenden 24 Stunden an sieben Tagen rund um die Uhr erreichbar. Innerhalb des Teams werde dann koordiniert, wer zum Einsatz komme. Aktuell bestehe das Team aus sechs Intensivpflegekräften, einer Palliativpflegefachkraft und zwei Ärztinnen und Ärzten.
Preis von Klinikverbund für OSK-Konzept
Das Konzept des Kriseninterventionsteams wurde jetzt vom QuMiK-Verbund (Qualität und Management im Krankenhaus), einem Zusammenschluss von 15 kommunalen Krankenhausträgern in Baden-Württemberg, ausgezeichnet. Es erreichte den 1. Platz beim Qualitätspreis.
Finanziert wird das Kriseninterventionsteam nach Angaben der Klinik durch Spenden. Eine Regelversorgung durch die Krankenkassen existiere bislang nicht, berichtet die OSK.