Was brauchen wir wirklich, um glücklich zu sein? Diese Frage wird im Alltag oft verdrängt. Doch wer sich auf den Ulrikaweg begibt, spürt schnell: Es sind nicht die großen Dinge, die zählen, sondern die kleinen. Der 126 Kilometer lange Pilgerweg in Oberschwaben führt von Mittelbiberach (Kreis Biberach) bis zum Kloster Hegne am Bodensee (Kreis Konstanz) – und mitten hinein in die Werte der seligen Ulrika Nisch.
Eine Ordensschwester lebt und lehrt Einfachheit
Ulrika Nisch, 1882 in einfachen Verhältnissen geboren und 1987 selig gesprochen, lebte ein Leben in Bescheidenheit und Liebe. Als Franziskanerin im Kloster Hegne war sie keine große Predigerin oder Missionarin, sondern eine Haushälterin, die im Kleinen Großes bewirkte. Ihre Botschaft: Es braucht nicht viel, um ein erfülltes Leben zu führen.
"Das ist nicht einfach nur Wandern, sondern es geht um die innere Mitte", erklärt eine Pilgerin. Und tatsächlich: Der Ulrikaweg ist mehr als eine Wanderroute. Er ist eine Einladung, sich auf das Wesentliche zu besinnen – und dabei die Natur, die Gemeinschaft und sich selbst neu zu entdecken.
Die Pilgerinnen und Pilger stoßen auch auf Überraschungen
Andacht halten an den zahlreichen Feldkreuzen auf dem Ulrikaweg ist für die Pilgernden ein spirituelles Bedürfnis. Doch die 126 Kilometer von Oberschwaben an den Bodensee sind nicht nur eine geistige Herausforderung, sondern auch eine körperliche. Deshalb sollte ein hinter einem der Wegkreuze versteckter Korb mit geistigem Muntermacher für neue Kräfte sorgen. Doch der Korb ist weg. Im Scherz sagt einer der Pilger, vielleicht könne der SWR irgendwie einen neuen organisieren...
Am nächsten Pilgertag: Betenbrunn bei Heiligenberg ist schon allein des Namens wegen der ideale Ort für eine Überraschung.
Auf den Spuren von Ulrika: Was uns der Weg heute noch gibt
Wer auf dem Ulrikaweg unterwegs ist, trägt bewusst wenig mit sich. Ein T-förmiges Taukreuz, eine Perle für den Tagesgedanken und ein Pilgerstab mit dem Bildnis von Schwester Ulrika begleiten die Pilgernden. Diese Symbole erinnern an die Werte, die Ulrika vorgelebt hat: Bescheidenheit, Liebe und eine tiefe Spiritualität im Alltag. "Vielleicht ist das auch das Pilgern: das Einfache; das 'einfach mehr'", sagt eine Teilnehmerin.
Es muss nicht immer ein riesiges Werk sein. Wenn im Alltag das ganz Kleine gelingt, dann ist es gut.
Ulrika Nisch hat gezeigt, dass ein einfaches Leben voller Liebe und Hingabe tiefe Erfüllung bringen kann. "Sie hat aus der Armut, wo sie herkam, ihren Weg gelebt und im Alltag das Reich Gottes sichtbar gemacht", erklärt Franziskanerbruder Christoph Maria Hörtner.