"Die Situation ist völlig unberechenbar", sagt Horst Müller dem SWR. Er betreibt das "Boutiquehotel Zur Winzerstube" in Hagnau und ist 1. Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) im Bodenseekreis. Müller und seine Kolleginnen und Kollegen stellen inzwischen fest, dass es immer "ruhiger" wird und die Gäste die Restaurants früher verlassen. Weil den Menschen das Geld fehle, verzichteten sie zum Beispiel auf ein zweites Glas Wein oder den Espresso nach dem Essen.
Der Mittagstisch ist im Prinzip tot.
Auf eine Mahlzeit am Mittag verzichteten viele Menschen inzwischen ganz, sagt Müller. Und auch Firmenveranstaltungen würden reduziert. So gebe es weniger Tagungen und bei denen, die stattfinden, werde am Essen und bei Getränken gespart.
Hotels, Pensionen und Vermieter von Ferienwohnungen müssen flexibel reagieren
Laut der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH lagen die Buchungszahlen im Mai und Juni etwa auf Vorjahresniveau. Im Juli könnten sie allerdings etwas geringer sein als noch vor einem Jahr. Das habe aber vor allem am schlechten Wetter gelegen, sagte die Geschäftsführerin des Verbandes, Ute Stegmann, dem SWR. Jetzt hoffe man auf einen besseren August. Die Betriebe müssten inzwischen aber sehr viel flexibler reagieren und auch ihre Preise auf den Buchungsplattformen oft anpassen.
Ausgaben für die Betriebe am Bodensee steigen
Der DEHOGA-Vorsitzende Müller beklagt vor allem, dass die Kosten für viele Restaurants und Hotels immer weiter stiegen. Das liege zum einen an immer teureren Materialien und Lebensmitteln, zum anderen an den steigenden Personalkosten. Vor allem der steigende Mindestlohn belaste die Betriebe.
Ab 1. Januar 2026 steigt der Mindestlohn von jetzt 12,41 Euro auf dann 13,90 Euro. Ein Jahr später dann noch einmal um weitere 70 Cent.
Konsumforschung: Verbraucher sparen immer mehr
Konsumforscher haben ermittelt, dass sich die Verbraucherstimmung in Deutschland überraschend weiter eingetrübt hat. Rolf Bürkl, Konsumexperte am Institut für Marktentscheidungen (NIM) in Nürnberg sagte, die Verbraucher hielten es mehrheitlich nach wie vor für ratsam, das Geld eher zurückzuhalten und nicht für größere Anschaffungen zu verwenden. Die Menschen blickten zwar zuversichtlicher auf ihre künftigen Finanzen, aber skeptischer auf die Konjunktur und ihren Konsum.