Der Volkstrauertag gehört in Deutschland zu den sogenannten stillen Tagen. Er dient dem Innehalten und Gedenken an die Opfer von Gewalt und Krieg. Die Menschen sollen an ihre Verantwortung für Frieden erinnert werden. Der Volksbund sieht den Tag auch als Mahnung zu Versöhnung und Verständigung.
Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag in der Region Bodensee-Oberschwaben
In vielen Gemeinden fanden traditionell Gottesdienste, Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen statt. In Ravensburg und Konstanz zum Beispiel gab es auf mehreren Friedhöfen Gedenkveranstaltungen mit Chorbegleitung. In Friedrichshafen stand außerdem Johannes Brahms' "Deutsches Requiem" in der Stadtkirche auf dem Programm. Dieses soll mit seinen biblischen Texten Trost und Hoffnung spenden. Die Chorgemeinschaften St. Nikolaus und St. Petrus Canisius betonen, das Requiem sei keine Totenmesse. Stattdessen solle das Stück ein "tröstendes Werk für die Lebenden" sein.
Geschichte des Volkstrauertages
Die Idee des Volkstrauertages reicht zurück bis 1919. Damals wurde erstmals der Vorschlag vom Volksbund gebracht, gefallener Soldaten an diesem Tag würdig zu gedenken. Die erste offizielle Gedenkstunde im Reichstag 1922 sollte der Wahrung und Pflege des Gedenkens an die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs dienen.
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde der Tag zum "Heldentag" umbenannt, bevor er in der jungen Bundesrepublik wieder zum Volkstrauertag wurde. Zu dieser Zeit fanden auch erstmals Veranstaltungen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge statt. Bundesbehörden und andere öffentliche Einrichtungen hissen Flaggen auf halbmast.
Zentrale Gedenkveranstaltungen des Volkstrauertages
Traditionell wurde die zentrale Gedenkveranstaltung vom Volksbund im Plenarsaal des Bundestags organisiert. Dort wurde mit Ansprachen und musikalischer Untermalung des Kriegsendes vor 80 Jahren gedacht. Als zentrale Gedenkstätte des Volkstrauertages wurde die Neue Wache in Berlin ernannt. Außerdem organisierte der Volksbund im Neuen Schloss in Stuttgart eine Gedenkfeier. Dort hielt unter anderem der französische Generalkonsul Gael de Maisonneuve eine Ansprache.
Wie der Volksbund die Erinnerung an Krieg und Gewalt aufrechterhält
Unter dem Motto "Gemeinsam für den Frieden" übernimmt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. mehrere Aufgaben. Mit etwa 230.000 Förderern und Mitgliedern sowie Unterstützung von Bund und Ländern betreut er fast drei Millionen Kriegsgräber in 46 Staaten. Ziel dieser Fürsorge ist laut Volksbund das Wachhalten von Erinnerungen an Gewaltherrschaft und Krieg.
Zu den Aufgaben gehört nicht nur die Pflege der Kriegsgräber, sondern auch die internationale Suche, Bergung und würdige Bestattung von Opfern des Kriegs. Zum Volkstrauertag waren auch am Bodensee immer wieder freiwillige Unterstützer unterwegs, die Spenden für den Volksbund sammeln.
Wenn man sich umschaut, wie die Krisen in der Welt sich gestalten, ist es wichtig, dass wir für den Frieden arbeiten.
Arbeit des Volksbundes in Osteuropa eingeschränkt
Die Situation in Russland und der Ukraine zeigt, wie wichtig das Wertschätzen des Friedens ist. Nach Angaben des Volksbundes in Baden-Württemberg musste das Büro in der Ukraine vorübergehend geschlossen werden.
In Russland besteht die Pflege der Gräber über die Vertragsfirmen weiterhin. Außerdem sei das Büro in Moskau besetzt, jedoch ohne diplomatische Beteiligung, betont Oliver Wasem, der Landesgeschäftsführer in Baden-Württemberg. Sehr bedauerlich findet er den ausfallenden Jugendaustausch aus Russland. Dieser sei ein Beitrag zum Frieden. Auch Versöhnungsprojekte ehemaliger Kriegsteilnehmer mussten gestoppt werden.
Jugendarbeit des Volksbundes rund um den Volkstrauertag
Ein großer Bereich des Volksbund sind die Jugend- und Bildungsprojekte. Mit Jugendbegegnungen und Workshops wird ein interkultureller Austausch zwischen jungen Menschen gefördert, die Interesse an politischen und geschichtlichen Themen teilen. Die Projekte thematisieren die Erinnerungskultur, Flucht, Vertreibung und Rassismus.
Die Jugendprojekte reichen von der gemeinsamen Kriegsgräberfürsorge über Exkursionen zu Gedenkstätten bis hin zu Freizeitaktivitäten. Aus Bad Saulgau heraus reisen Jugendgruppen beispielsweise in die Niederlande, wo sie Kriegsgräberstätten besuchen und betreuen, Biografien erarbeiten und Schicksale nachvollziehen.
Außerdem ermöglichte der Volksbund einigen Schulen die Mitgestaltung des Volkstrauertages durch ihre Schülerinnen und Schüler. In einigen Gemeinden beteiligten sie sich an den Spendensammlungen für den Verein Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge. In Sigmaringen äußerten Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken zum Volkstrauertag auf dem Marktplatz.