Am Mittwochmittag hat sich über dem Bodensee bei Friedrichshafen eine Wasserhose gebildet. Rund 15 Minuten war das Naturereignis auch vom Ufer aus gut zu sehen. Tornados über dem Bodensee kommen immer wieder vor - zuletzt vor rund drei Wochen. Der Bodensee zählt sogar zu den Tornado-Hotspots in Deutschland. Aber normalerweise bilden sie sich vor allem im September, so der Deutsche Wetterdienst (DWD). Viele Tornados am Bodensee werden jedoch kaum bemerkt, weil sie sich weit draußen auf dem See bilden oder rasch wieder auflösen.
Wasserhosen sind nichts anderes als Tornados, die sich auf See bilden. Dafür braucht es bestimmte Wetterbedingungen, die aufeinandertreffen. Höhere Wassertemperaturen in Verbindung mit kalter Luft begünstigten ihre Entstehung, denn dadurch entsteht Instabilität in der Atmosphäre. Windströme fachen eine Querzirkulation an und so kann laut DWD ein rotierender Aufwindschlauch entstehen. Am Mittwoch war der Auslöser eine Gewitterzelle, die sich am Abend allerdings schon wieder aufgelöst hat.
Wasserhosen können im Extremfall bis zu 300 Stundenkilometer erreichen
"In der Atmosphäre haben wir in den untersten Niveaus Rotation, und diese Rotation hat jetzt im Zusammenhang mit der Gewitterzelle, wo es dann eben auch Aufwinde gibt, dafür gesorgt, dass wir die Bildung von einem Tornado hatten", erklärt DWD-Meteorologe Kai-Uwe Nerding das Wetterphänomen. Physikalisch gesehen sei das Ganze sehr komplex, sagt Roland Roth von der Wetterwarte Süd. Doch lange hält sich Naturereignis meist nicht - meist dauert es weniger als 20 Minuten.
In extremen Fällen können Wasserhosen Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde erreichen und einen Durchmesser von bis zu 300 Metern. DWD-Experte Nerding schätzt die Windgeschwindigkeit des Tornados über dem Bodensee auf 100 bis 150 Kilometer pro Stunde.
Tornado über dem Bodensee fasziniert viele Menschen: Wie gefährlich kann er werden?
Am Ufer tummelten sich einige Schaulustige, um die Wasserhose zu beobachten. Aber wie gefährlich ist das? Auf dem Wasser selbst "sollte man sicherlich nicht direkt darauf zufahren", sagt DWD-Wetterexperte Thomas Schuster. Insgesamt sei der Tornado am Mittwoch allerdings ein lokales Ereignis gewesen, bei dem es nur im unmittelbaren Umfeld des Wolkenschlauchs auf dem See höhere Windgeschwindigkeiten gab. Auf der Schweizer Seite des Bodensees wurden rund 30 Stundenkilometer gemessen, am Ufer selbst bei den Schaulustigen gab es keine relevanten Windböen.
Und selbst wenn der Wolkenschlauch Land erreicht, besteht laut Schuster nicht unbedingt eine große Gefahr. "Wenn er wirklich Land erreicht hätte, ist natürlich auch die Frage, ob er dann überhaupt überlebt hätte. Er hat ja quasi seine Energie aus der Verdunstung aus dem See gezogen", erklärt Schuster. In den ersten paar Minuten könnte Schaden angerichtet werden, allerdings geht der Wetter-Experte davon aus, dass sich der Tornado ohne die Wasserdampfzufuhr direkt aufgelöst hätte. "Es ist ein sehr fragiles Gebilde", so Schuster.
Tornados auf See können ähnlich zerstörerisch sein wie Tornados an Land
Auch wenn in diesem Fall nichts passiert ist - Skipper fürchten Wasserhosen, die sich in manchen Fällen auch ohne Gewitterzellen bilden können. Tornadische Wasserhosen, die im Zusammenhang mit Gewittern oder starken Wetterlagen entstehen, können eine ähnliche Zerstörungskraft wie Tornados an Land entwickeln. Nicht-tornadische Wasserhosen, die auftreten können, wenn kalte Luft über warmes Wasser zieht, haben meist weniger Wucht, bringen aber starke Winde und Regen mit sich.