In der neuen Ausstellung im Museum Villa Rot in Burgrieden (Kreis Biberach) stellen nur Künstlerinnen und Künstler aus, die um das Jahr 1961 herum geboren wurden. Dem Jahr des Mauerbaus.
Unter dem Titel "Wendepunkte - Generation Mauerbau" erwartet Besucherinnen und Besucher aber keine Kunstgeschichte aus DDR und BRD. Vielmehr geht es darum, wie die politische Teilung Deutschlands noch heute in den Werken der Künstlerinnen und Künstler nachwirkt. Die Ausstellung wurde am Sonntag eröffnet und ist bis Februar 2026 zu sehen.
Bislang nicht als "Generation Mauerbau" begriffen
Kurz vor der Vernissage war das größte Werk der Ausstellung noch im Werden: Gut vier auf zwölf Meter soll das schwarz-weiße Wandbild von Bettina van Haaren und Wolfgang Folmer messen.
Bettina van Haaren ist Jahrgang 1961. Als "Generation Mauerbau" hat sie sich bislang aber eigentlich nicht begriffen, sagt sie.
"Für mich war dieser Begriff völlig neu. Ich fand, das ist ein tolles Projekt, um darüber nachzudenken: Was tun diese Ost-West-Spannungen, die heute da sind, ganz konkret mit mir?" Das zeige sich durch Themen wie Brüchigkeit. "Also der vielen Verwandlungen, die es natürlich in jedem Leben gibt, aber bei uns durch die Politik biografisch wirksam waren."
Neun Künstler stellen in der Villa Rot aus
Neun bildende Künstlerinnen und Künstler stellen ihre Werke in der Villa Rot aus. Trotz ihres ähnlichen Alters sind die Biografien und auch die ausgestellten Stücke sehr vielseitig: Malerei, Fotografie, Installationen. Mal realistisch, aber auch abstrakt und verfremdet.
Dennoch lassen sich innerhalb dieser Künstlergeneration Gemeinsamkeiten finden, sagt die Kuratorin der Ausstellung, Sabine Heilig: "Es zeigt schon, dass es Schnittpunkte gibt zwischen den Ost- und Westkünstlern." Insbesondere das Thema der Krisen beschäftige diese Generation noch heute stark, trotz unterschiedlicher Lebensgeschichten.
Zu sehen sind auch Künstler, für die die Wende persönlich überhaupt kein Thema war. Die etwa im Westen aufgewachsen sind, und sich mit anderen, auch privaten Krisen beschäftigen mussten. Die Verbindung liege aber darin, dass sie alle in eine Zeit geboren wurden, "in der der Kalte Krieg die Stimmung mitbestimmt hat. Und dass man Teil einer europäischen Idee war, auch wenn da die Mauer war", so Heilig.
"Generation Mauerbau" thematisiert aktuelle Ereignisse
Die Mauer selbst spielt in der Ausstellung inhaltlich nur selten eine Rolle. Die Werke stammen zum Großteil auch nicht aus der Zeit zwischen Mauerbau und Wiedervereinigung. Vielmehr sind aktuelle Entwicklungen in der Ausstellung präsent, aber erfahrbar durch die Brille der "Generation Mauerbau".
Wer selbst zur "Generation Mauerbau" gehört, wird sich durch die Ausstellung vielleicht erinnern oder sogar in den Werken wiederfinden. Für die Jüngeren bietet sie die Chance, einen Zugang zum Innenleben dieser Generation zu entdecken, den kein Geschichtsbuch vermitteln kann.