Die Flughafengesellschaft selbst spricht von einem "Meilenstein": Ab dem 12. Januar kommenden Jahres sollen vom Bodensee-Airport Friedrichshafen aus wieder regelmäßig innerdeutsche Linienflüge angeboten werden. Vier Mal wöchentlich geht es dann nach Düsseldorf und Berlin, drei Mal wöchentlich nach Hamburg. Wie eine SWR-Anfrage ergab, geht das neue Flugangebot auf eine Initiative der regionalen Wirtschaft zurück.
Regionale Unternehmen helfen bei Finanzierung der Flugverbindungen
Zur Anschubfinanzierung hätten neun Unternehmen aus dem Raum Bodensee-Oberschwaben, unter anderem ifm Elektronik aus Tettnang (Bodenseekreis) und die Liebherr Firmengruppe aus Biberach, unterschiedliche Beträge auf ein Treuhand-Konto eingezahlt, erläutert Flughafen-Sprecher Bernd Behrend auf SWR-Anfrage.
Flughafen Friedrichshafen rechnet mit Flug in die "schwarzen Zahlen"
Denn vom baden-württembergischen Landesflughafen Stuttgart aus gebe es seit Corona keine Direktflüge mehr ins bevölkerungsreichste deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen, ebenso wenig vom österreichischen Innsbruck aus.
Doch gerade zwischen den Regionen Bodensee-Oberschwaben und Vorarlberg auf der einen sowie Nordrhein-Westfalen auf der anderen Seite bestünden vielfältige Wirtschaftsbeziehungen. Der Bedarf nach regelmäßigen Flugverbindungen sei insofern gegeben. Der Einstiegspreis für ein "One-Way"-Flugticket liege bei 179 Euro, Schwankungen nach oben und nach unten nicht ausgeschlossen.
Idee wurde auf der Luftfahrtmesse "Aero" geboren
Die Idee für die neuen Flugverbindungen sei am Rande der Luftfahrtmesse "Aero" im Frühjahr geboren worden, erzählt Flughafensprecher Behrend. Da habe man mit Vertretern des eher beschaulichen Fluglandeplatzes Welzow in der Niederlausitz zusammengesessen. Am Ende stand die Idee zur Gründung der Air Uniqon – eine, wie es Behrend formuliert, "virtuelle Airline", die beispielsweise für den Ticketverkauf und fürs Marketing zuständig sei.
Der Pressesprecher des Fluglandeplatzes Welzow fungiert gleichzeitig als Geschäftsführer von Air Uniqon. Operativ werden die neuen Fluglinien von der Airline Avanti Air betrieben, deren Heimatflughafen Paderborn-Lippstadt ist. Avanti Air setzt dafür eine 78-sitzige Passagiermaschine vom Typ Dash-8-400 ein.
Wirtschaft erfreut über neue Fluglinien vom Bodensee-Airport
Aus der Wirtschaft kommen positive Reaktionen zu den neuen Flugverbindungen. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee-Oberschwaben, Sönke Voss, sagt, die neuen innerdeutschen Verbindungen "markieren einen wichtigen Wendepunkt" für die Wirtschaft der Region. Sie würden die Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Direkte Flugverbindungen zu Metropolen sparen Zeit, sichern Geschäftsbeziehungen und erhöhen die Attraktivität der Region für Investoren, Fachkräfte und Touristen.
Bodensee-Airport ist schon lange finanziell angeschlagen
Die Firmengruppe Liebherr, die sich an der Anschubfinanzierung der neuen Fluglinien beteiligt, betont ebenfalls die große Bedeutung des Flughafens für die Wirtschaft. Politik und Verwaltung hätten nun die Chance, "die Zukunftsfähigkeit des Flughafens nachhaltig weiterzuentwickeln".
Seit die Lufthansa ihre Verbindungen Frankfurt-Friedrichshafen im April 2024 aufgegeben hatte, verfügte der Bodensee-Airport über keine innerdeutschen Linienflüge mehr. Der finanziell angeschlagene Flughafen, an dem die Stadt Friedrichshafen und der Bodenseekreis beteiligt sind, erwirtschaftete im vergangenen Jahr ein Defizit von rund vier Millionen Euro.
Ryanair fliegt ab 2026 wieder von Friedrichshafen
Einen Aufschwung erhofft sich der Bodensee-Airport von der Ankündigung der Fluggesellschaft Ryanair, ab nächstem Jahr wieder Flüge anzubieten. Ryanair plant mehrmals die Woche Flüge von Friedrichshafen nach Alicante sowie nach Mallorca.