Über 5.000 Beschäftigte des Auto-Zulieferkonzerns ZF haben am Dienstagvormittag an einer Betriebsversammlung in Friedrichshafen teilgenommen. Dabei ging es um die Pläne des Vorstandes, für die Belegschaft am Standort Friedrichshafen alle übertariflichen Leistungen zu streichen. Der Unmut der Belegschaft darüber ist so groß, dass die anwesende ZF-Personalvorständin Lea Corzilius minutenlang ausgebuht und die Betriebsversammlung abgebrochen wurde.
Mitarbeiter fürchten hohe Einbußen beim Gehalt
Die Beschäftigten berichteten dem SWR von einer schlechten Stimmung, einige sprachen sogar von Wut. Immerhin würde die Kappung von übertariflichen Leistungen für viele nach Angaben der Mitarbeiter selbst Lohn- und Gehaltseinbußen von 300 bis 500 Euro bedeuten - und zwar pro Monat.
Am Dienstagnachmittag informierte der Betriebsrat die Medien über Details und das weitere Vorgehen. Niemand sei niedergebrüllt worden, aber laute Pfiffe habe es gegeben, die die Fortsetzung der Betriebsversammlung mit rund 5.000 Beschäftigten nicht mehr habe sinnvoll erscheinen lassen, bestätigte Achim Dietrich, Betriebsratschef bei ZF Friedrichshafen.
Nach SWR-Informationen galten die Pfiffe vor allem der ZF-Personalvorständin Lea Corzilius. Die habe die Pläne der Geschäftsleitung für den Abbau der übertariflichen Gehaltsbestandteile erläutern wollen. Diesen Plänen werde man entschiedenen Widerstand entgegensetzen, so Dietrich. Die geplanten Kürzungen der übertariflichen Entgelte machten zwischen sieben und 13 Prozent der Löhne aus, so Dietrich. Vor dem Hintergrund bereits vollzogener Arbeitszeitkürzungen und entsprechenden Lohneinbußen sei diese zusätzliche Last unannehmbar.
Trotzdem hofft der Betriebsrat auf eine Einigung mit der Firmenleitung: "Wir haben bis gestern Abend verhandelt. Das ist leider nicht gelungen, einen Kompromiss zu erzielen", so Dietrich. Ob man einen Kompromiss in den nächsten Tagen noch hinbekomme, bezweifelt er.
Von ZF hieß es am Nachmittag in einer Pressemitteilung:
Angesichts der herausfordernden Situation unserer Industrie ist offensichtlich, dass wir die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts verbessern müssen, um Perspektiven für die Zukunft zu schaffen.