Die Ermittlungen nach dem Zugunglück von Riedlingen konzentrieren sich auf einen Schacht zum Abführen von Regenwasser. Er war kurz vor dem Unglück übergelaufen. Es wird vermutet, dass das überschüssige Wasser einen Hangrutsch auslöste und dieser daraufhin zum Entgleisen des Regionalexpresses führte. Drei Menschen starben durch das Unglück, 36 wurden verletzt.
Zumindest öffentlich war bislang nicht bekannt, wer für den Schacht verantwortlich ist. Die Bahn erklärte auf Anfrage, sie sei nicht zuständig. Tatsächlich hat nun der Kreis Biberach dem SWR bestätigt: Da der Schacht entlang der Kreisstraße 7545 führt, fällt er in die Zuständigkeit des Landkreises.
Hangrutsch ist mögliche Ursache für Zugunglück im Kreis Biberach Regionalzug bei Riedlingen entgleist: Was wir wissen und was nicht
Bei einem Zugunglück bei Riedlingen im Kreis Biberach sind am Sonntagabend laut Polizei drei Menschen gestorben, 36 Menschen wurden verletzt. Mögliche Ursache ist ein übergelaufener Schacht.
Ein Sprecher schreibt: "Die Funktionsfähigkeit der Schächte wird im Zuge der Streckenkontrolle kontinuierlich überprüft. Darüber hinaus findet im Frühjahr und Herbst eine Spezialwartung der Schächte statt." Nach größeren Wetterereignissen werde die Funktionalität zusätzlich geprüft. Vor dem Zugunglück seien die Entwässerungsanlagen an der Kreisstraße 7545 zuletzt am 21. Juli 2025 geprüft worden.
Sorgte allein der Regen dafür, dass der Schacht überlief?
Dem Biberacher Landratsamt zufolge war der Schacht nicht verstopft: "Nach unserer Kenntnis ist der Schacht aufgrund der großen Wassermenge überlaufen." Wenn diese Darstellung stimmt, dann war es der starke Regen allein, der dafür sorgte, dass der Schacht das Wasser nicht mehr aufnehmen konnte.
Durch den Klimawandel kommt es immer häufiger zu Extremwetterereignissen, wie beispielsweise lang andauerndem Starkregen. Für die Deutsche Bahn ist das eine Herausforderung, wenn es darum geht ihre Gleise abzusichern.
Wie sich die Bahn mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzt und was sie für die Sicherheit an Bahnstrecken tut, hat SWR-Bahnexperte Frieder Kümmerer erklärt:
Bahnchef Lutz: Klimabedingte Vorfälle in letzten Jahren häufiger
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Richard Lutz, sagte auf einer Pressekonferenz, der Unfall gehe ihm persönlich sehr nahe. Auch international habe er viel Zuspruch erhalten und zahlreiche Nachrichten aus dem europäischen Ausland bekommen - die gesamte Eisenbahnerfamilie fühle mit. Die Sicherheit von Fahrgästen und Mitarbeitenden sei bei der Bahn das "höchste Gut". Außerdem ist die Bahn das sicherste Verkehrsmittel und Arbeitsunfälle seit Jahren rückläufig, so Lutz.
Die Ursache des Unfalls wollte der Bahnchef nicht offiziell bestätigen. Er sagte aber, vegetations- und klimabedingte Vorfälle hätten sich in den letzten Jahren gehäuft. Daher sei es Routine, dass Experten der Bahn-Infrastruktur den Eisenbahnbetrieb auf Sicherheit überprüften.