Die Bergung des am Sonntagabend bei Riedlingen (Kreis Biberach) entgleisten Regionalexpresses RE55 ist beendet. Das teilte die Deutsche Bahn am Mittwochnachmittag mit. Auch der vierte und letzte Wagen des Regionalzugs sei aus dem Unfallbereich herausgezogen und auf einen unbeschädigten Schienenabschnitt gehievt worden. Da dieser vierte Wagen nur leicht beschädigt sei, erfolgte der Abtransport über die Schiene, hieß es in einer Mitteilung.
Experten beginnen mit der Analyse der Schäden durch Zugunglück
Noch am Mittwochabend hat ein Expertenteam damit begonnen, die Schäden zu begutachten. Laut Bahn inspizieren sie mehrere hundert Meter Schienen, Schwellen, Erdmaterial und weitere Komponenten der Trasse. Anschließend könnten die eigentlichen Reparaturen beginnen. Erst dann könne man auch abschätzen, wie lange die Strecke zwischen Munderkingen und Herbertingen gesperrt bleibe. Es gibt solange einen Ersatzverkehr mit Bussen.
Am Montag war zur Bergung neben den Gleisen zuerst eine Art Plateau aus Kies aufgeschüttet worden, damit ein Tieflader anfahren konnte. Nach Mitternacht wurde der erste Waggon auf den Tieflader gehoben, am Dienstagnachmittag zwei weitere. Ermittler suchten im Inneren der Zugteile nach Gepäck und Spuren.
So liefen die Bergungsarbeiten der entgleisten Wagen am Mittwoch:
Im entgleisten Regionalexpress starben drei Menschen
Die Wagen des entgleisten RE55 Sigmaringen-Ulm hatten sich am Sonntagabend ineinander geschoben. Unfallursache ist laut Polizei und Staatsanwaltschaft vermutlich ein Erdrutsch, der wegen eines übergelaufenen Abwasserschachts die Gleise teilweise verschüttet hatte. Allerdings sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Bei den Toten handelt es sich um den Lokführer (32), einen Auszubildenden des Zugbetreibers (36) aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis sowie eine 70-jährige Reisende aus dem Kreis Sigmaringen. 36 Menschen waren bei dem Unfall verletzt worden, unter ihnen zwei Kinder im Alter von 7 und 13 Jahren..
Zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst für die drei Toten und 36 Verletzten des Zugunglücks bei Riedlingen im Kreis Biberach waren Bahnchef Richard Lutz und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) im Münster Zwiefalten (Kreis Reutlingen). Außerdem kamen Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Landesverkehrsminister Winfried Hermann (beide Grüne). Zu dieser Trauerfeier am Freitag geladen hatten die Diözese Rottenburg/Stuttgart und die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Die Gedenkveranstaltung wurde im SWR live übertragen.
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Fahrtenschreiber des entgleisten Regionalzugs ist gefunden
Auch der Fahrtenschreiber des verunglückten Personenzugs muss noch ausgewertet werden. Er wurde laut Polizei am Dienstag sichergestellt. Fahrdatenschreiber bei der Bahn zeichnen beispielsweise die Geschwindigkeit auf. Außerdem sei ein geologisches Gutachter in Auftrag gegeben worden. Und man prüfe, ob es Anhaltspunkte für eine Straftat geben könnte. Das sei bei nicht natürlichen Todesfällen üblich, so die Staatsanwaltschaft.
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Polizei sucht noch unbekannte Insassen des entgleisten Regionalzugs
Laut Polizei und Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise darauf, dass sich mehrere, bislang unbekannte Insassen des entgleisten Zugs vom Unfallort abholen ließen. Die Kriminalpolizei Biberach bittet diese Personen, sich bei der Polizei unter der Telefonnummer 0731/1880 zu melden. Bis Mittwochvormittag gingen laut Kripo allerdings noch keine Meldungen ein. Die Behörden hatten die Zahl der verletzten Menschen am Dienstag auf 36 korrigiert. Zuvor war von 41 Verletzten die Rede. Der Grund für die abweichenden Zahlen: Drei Fahrgäste seien ins Krankenhaus gebracht, aber unverletzt wieder entlassen worden. Außerdem habe es bei der Zuordnung zweier Personen eine Verwechslung gegeben.
Auch die Zahl der Personen, die sich insgesamt im Regionalexpress RE55 von Sigmaringen nach Ulm befunden hätten, sei geringer als zunächst angenommen. Zunächst war die Polizei von etwa 100 Passagierinnen und Passagieren ausgegangen. Jetzt hätten die Ermittlungen ergeben, dass sich nur rund 50 Menschen im Zug befunden hätten, schrieb die Polizei am Dienstag.
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Hilfsangebote für die Einsatzkräfte und die Bevölkerung
Für Betroffene, Angehörige, Anwohner und Einsatzkräfte soll es am Freitag in der Dorfhalle von Riedlingen-Zell eine Veranstaltung von Notfallseelsorgern geben. Das sagte ein Anwohner dem SWR. Die mehreren hundert Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK, THW und Polizei hatten noch am Abend des Zugunglücks Angebote für notfallseelsorgerische Gespräche bekommen. Laut dem Einsatzleiter des DRK, Michael Mutschler, ist bei einem Szenario dieser Größenordnung wichtig. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ökumenischen Notfallseelsorge im Kreis Biberach stehen in den kommenden Tagen für Gespräche mit Betroffenen, auch Anwohnern, bereit.
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Bereits im vergangenen Jahr war in Baden-Württemberg ein Personenzug nach einem Erdrutsch entgleist. Bei dem Unfall eines ICE mit 185 Passagieren an Bord bei Schwäbisch Gmünd wurde jedoch niemand verletzt.