Bei einem Zugunglück in Riedlingen (Kreis Biberach) sind am Sonntag drei Menschen ums Leben gekommen, 41 wurden verletzt. Ein Erdrutsch hatte das Gleis überdeckt, nachdem zuvor wegen Starkregens wohl ein Abwasserschacht übergelaufen war. Der Zug entgleiste kurz nach einer Brücke.
Die Deutsche Bahn steht nach Unwettern, Stürmen und heftigen Schneefällen immer wieder in der Kritik, sich nicht ausreichend um die Sicherheit entlang der Strecken zu kümmern - also zum Beispiel Hecken nicht zurückzuschneiden oder zu nahestehende Bäume an den Schienen nicht zu fällen. Dabei ist Zugfahren in Deutschland eine sichere Reisevariante. Wir klären wichtige Fragen.
- Wie sicher sind Züge im Vergleich zum Auto?
- Wie viele Menschen starben 2023 im Auto oder durch Bahnen?
- Straßenverkehr wird immer sicherer
- Wahrscheinlichkeit, bei einem Zugunglück verletzt zu werden
- Flugzeug und Eisenbahn wohl sicherste Verkehrsmittel
- Verkehrstote in Deutschland im Jahr 2024
- Wie geht die Bahn mit Wetterextremen um?
- Wie überwacht die Bahn das Schienennetz?
- Wie viele Zugausfälle und Verspätungen gibt es wegen umgestürzter Bäume?
- Was tut das Land Baden-Württemberg für den Katastrophenschutz?
Wie sicher sind Züge im Vergleich zum Auto?
Züge gehören zu den sichersten Verkehrsmitteln. 52 Mal geringer ist das Risiko, bei einer Fahrt im Zug tödlich zu verunglücken als bei einer Tour im Auto, wie die Interessenorganisation Allianz pro Schiene auf ihrer Website mitteilt. Die Chance, verletzt zu werden, sei demnach noch geringer: "Vergleicht man die Sicherheit von Zug und Auto pro Personenkilometer, ist das Risiko einer schweren Verletzung bei jeder Autofahrt gut 137 Mal höher als bei einer Bahnfahrt." Grundlage dieser Angaben sind etwa Zahlen des Statistischen Bundesamts.
Wie viele Menschen starben 2023 im Auto oder durch Bahnen?
Im Jahr 2023 starben dem Statistischen Bundsamt zufolge 1.192 Autoinsassen. Dem Eisenbahn-Bundesamt zufolge wurden im selben Jahr 129 Menschen durch Bahnen getötet. Knapp 90 Prozent aller Todesfälle seien demnach den Kategorien "Benutzer von Bahnübergängen" und "unbefugte Personen auf Eisenbahnanlagen" zuzuordnen, wie es hieß.
Straßenverkehr wird immer sicherer
Der Straßenverkehr wird immer sicherer. Seit Jahren sei die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten stark rückläufig, heißt es vom Statistischen Bundesamt. Gründe dafür könnten rechtliche Regelungen, verbesserte Fahrzeugtechnik sowie Veränderungen an den Straßen sein.
Wahrscheinlichkeit, bei einem Zugunglück verletzt zu werden
Züge seien schon deshalb sicherer, weil menschliches Versagen als Unfallquelle leichter auszuschließen oder zu verringern sei, so die Allianz pro Schiene, die sich aus Umwelt- und Verbraucherverbänden, Automobilclubs und Gewerkschaften zusammenschließt. Sie wird von der Bahnbranche finanziert. Die Interessenorganisation betont: "Auch der Schienenverkehr ist nicht völlig frei von Unfällen." Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Zugunglück schwer verletzt oder getötet zu werden, sei jedoch "verschwindend gering".
Flugzeug und Eisenbahn wohl sicherste Verkehrsmittel
Auf der Website "Vision Mobility" kommt man beim direkten Vergleich aller Verkehrsmittel zu diesem Schluss: "Das Flugzeug ist knapp gefolgt von der Eisenbahn das sicherste Verkehrsmittel. Mit etwas Abstand folgen Schiff, Bus und Straßenbahn als immer noch vergleichsweise überdurchschnittlich sicher."
Verkehrstote in Deutschland im Jahr 2024
Im Straßenverkehr waren 2024 dem Statistischen Bundesamt zufolge knapp 42 Prozent der durch einen Unfall gestorbenen Verkehrsteilnehmer mit dem Auto unterwegs. Danach kamen Fahrer von Motorrädern und -rollern mit etwa 20 Prozent aller Verkehrstoten aus, gefolgt von Fußgängern, Fahrradfahrern und Lkw-Fahrern. 27 Menschen verunglückten zudem mit einem E-Roller.
In Baden-Württemberg kamen im Jahr 2024 nach Angaben des Innenministeriums 340 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, 29 weniger als 2023. Der Anteil der Verkehrsunfälle mit Personenschaden am Gesamtunfallaufkommen wird immer geringer.
Wie geht die Bahn mit Wetterextremen um?
Um sich für die Auswirkungen des Klimawandels zu wappnen, habe die DB eine Vielzahl technischer, organisatorischer und personeller Maßnahmen getroffen, teilte eine Bahnsprecherin auf SWR-Anfrage mit. Im Fokus stünden dabei insbesondere "eine robustere Infrastruktur, Technik und Fahrzeuge". Trotz aller Vorbereitungen "werde es allerdings auch künftig Wetterextreme geben, bei denen es zu großen Auswirkungen kommen wird".
Die Sprecherin teilte weiter mit, dass die DB Informationen über bevorstehende "Naturereignisse mit erwartbaren erheblichen Auswirkungen auf den Bahnbetrieb" vom Deutschen Wetterdienst (DWD) erhalte. Zudem nutze die DB die Prognosedaten eines privaten Dienstleisters. "In der Praxis arbeiten sowohl die Netzleitzentrale als auch die Betriebszentralen sehr eng mit dem DWD zusammen. Dies geht von regelmäßigen täglichen Telefonaten mit dem DWD bis hin zu Beratungsgesprächen bei drohenden Naturereignissen wie zum Beispiel Sturm", so die Bahnsprecherin. Je nach Ausmaß könne die fahrplanmäßige Geschwindigkeit reduziert werden, der Verkehr auf einzelnen Strecken oder gesamthaft eingestellt werden.
Wie sich die Bahn mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzt und und was sie für die Sicherheit an Bahnstrecken tut, hat SWR-Bahnexperte Frieder Kümmerer erklärt.
Wie überwacht die Bahn das Schienennetz?
Für die Überwachung der Schieneninfrastruktur ist die Deutsche-Bahn-Tochter DB InfraGO verantwortlich. Sie hat schon seit vielen Jahren eigene Messfahrzeuge zur Bestimmung der Stabilität der Fahrbahn im Einsatz. "Seit 2020 werden auf zahlreichen Strecken eine große Menge an Daten mittels Sensoren an der Infrastruktur der DB 'live' erfasst, sodass die Bedingungen auf der Strecke punktuell stets bekannt sind und auch dokumentiert werden", teilte die Bahnsprecherin mit. So werde zum Beispiel die Temperatur an den Schienen oder in Stellwerken gemessen oder die verschiedenen Bauteile von Brücken, Bahnübergängen oder Erdkörpern überwacht, damit schnell reagiert werden kann, wenn sich Mängel erkennbar machten.
"Seit 2017 werden zusätzlich Befliegungsdaten (Drohnen) genutzt, um speziell die Vegetation im und am Gleis zu monitoren. Seit den frühen 2020ern gibt es außerdem auch Auswertungen von Satellitendaten und Streckenvideos", so die Sprecherin. Eine lückenlose Rund-um-die-Uhr-Überwachung "des gesamten Schienennetzes von über 33.000 Kilometer" sei in der Praxis jedoch nicht möglich.
Wie viele Zugausfälle und Verspätungen gibt es wegen umgestürzter Bäume?
Im Jahr 2024 gab es im Streckennetz der Deutschen Bahn 4.900 "vegetationsbedingte Störungen", unter anderem durch umgestürzte Bäume am Gleis und Äste auf den Schienen. Das bestätigte die Deutsche Bahn dem ARD-Politikmagazin "Report Mainz". Seit 2019 sei die Zahl im Durchschnitt jährlich um etwa 500 gestiegen.
Rund 240 Millionen Euro hat die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben 2024 für sogenannte Vegetationsmaßnahmen ausgegeben. Das seien 100 Millionen Euro mehr als noch 2021. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Bahnsprecher seiner Fraktion Matthias Gastel aus dem Wahlkreis Nürtingen hält das für nicht ausreichend. "Wenn die bisherigen Maßnahmen ausreichen würden, hätten wir keinen Anstieg vegetationsbedingter Störungen. Wir haben aber einen Anstieg und damit ist leicht belegt, dass die Aktivitäten der Deutschen Bahn ganz offensichtlich nicht ausreichen."
Was tut das Land Baden-Württemberg für den Katastrophenschutz?
In Baden-Württemberg engagieren sich tausende Menschen bei den Rettungskräften - hauptberuflich und auch ehrenamtlich. Das Innenministerium bezeichnet die ehrenamtlich Engagierten als tragende Säule des Katastrophenschutzes. Für den Bevölkerungsschutz gibt das Land nach Ministeriumsangaben in diesem Jahr 48,8 Millionen Euro aus. Damit werden Fahrzeuge und notwendiges Equipment ersetzt, ausgetauscht oder neu beschafft.
Derzeit ist ein neues Landeskatastrophenschutzgesetz in Arbeit. Das sieht auch vor, die Kommunen im Fall einer Katastrophe zu entlasten. Dann soll das Land alle Kosten der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer übernehmen, auch die der Gemeindefeuerwehren. Darunter fallen Schäden durch Helferinnen und Helfer, die Freistellung von ehrenamtlich Tätigen am Arbeitsplatz und Ersatz der Lohnaufwendungen oder Übernahme von Verdienstausfall, Auslagenersatz, Kinderbetreuungskosten, Pflegekosten und Auslagen bei haushaltsführenden Personen sowie der Ersatz von Sachschäden der Helferinnen und Helfer. Außerdem sollen die Helferinnen und Helfer künftig bei der Gesetzlichen Unfallversicherung versichert sein.