Carlo Brenner ist ein Teenager in Hintervorderbach, einem fiktiven Dorf in Oberschwaben. Er ist ein echter Tschappel, ein liebenswerter, aber etwas verpeilter Typ. Er hat keinen Plan vom Leben, aber jede Menge blöder Ideen - wie seine Freunde Blabla und Aydin auch. Eigentlich will Carlo nach dem Abi nach Australien, aber weil er den Oldtimer seines Vaters schrottet, muss er den Sommer über in der Gaststätte seiner Eltern arbeiten.
Seit Mai ist die bisher achtteilige Serie in ZDFneo zu sehen. Jetzt wird eine zweite Staffel gedreht - in Zußdorf, einem Teilort von Wilhelmsdorf im Kreis Ravensburg. Denn die Serie hat schnell Kult-Status entwickelt. Drehbuch-Co-Autor Marius Beck findet das "spitze!".
Laut ZDF hatte die erste Staffel von "Tschappel" durchschnittlich 387.000 Zuschauende. Im Streaming verzeichnete sie bis Anfang Oktober insgesamt 3,41 Millionen Aufrufe.
"Tschappel" für Filmpreis nominiert und ausgezeichnet
Becks humorvoller Blick auf das Dorfleben der Jugend in Oberschwaben war für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Beste Deutsche Comedyserie" nominiert. Bei den Filmtagen Oberschwaben vom 9. bis 12. Oktober sind drei Folgen der Comedy-Serie zu sehen. Außerdem erhält sie einen Preis.
Dass die Serie in oberschwäbischem Dialekt produziert worden ist, war für Marius Beck selbstverständlich. "Wenn du willst, dass Dialekt weiter existiert, musst du ja irgendwie in die Jugend- und Alltagskultur übergehen", sagt er. Beck stammt selbst aus Zußdorf.
Ich glaube, es ist gut, wenn man Dialekt als etwas begreift, was nicht ausgrenzt und nicht zur Abgrenzung benutzt wird, sondern einfach als schönes Identitätsmerkmal. Und nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Zußdorf alias Hindervorderbach ist ein 1.000-Seelen-Dorf nordwestlich von Ravensburg. Eine Kirche, ein Rathaus, ein Kindergarten und viel Landschaft drum herum. Ortsvorsteher Thomas Schädler hatte die ersten Dreharbeiten mit Spannung erwartet. Dann sei es aber völlig unspektakulär abgelaufen. "Als wenn das zum Tagesgeschäft in Zußdorf gehören würde, als wenn hier immer Filme gedreht würden." Spannend sei jetzt vor allem wiederzuerkennen, wo genau etwas gedreht worden ist.
Man erkennt das so im Hintergrund und macht sich dann schon seine Gedanken oder setzt sich vielleicht auch mal aufs Rad und fährt um Zußdorf herum und guckt, wo war jetzt die Stelle genau.
In Zußdorf wollen viele bei den Dreharbeiten zu "Tschappel" dabei sein
Im Mai 2026 beginnen die Dreharbeiten für die zweite Staffel. Als Komparse dabei war bei der ersten Staffel auch der Zußdorfer Biolandwirt Thomas Gebhardt. Er steht sonst beim sommerlichen Freilichttheater auf der Bühne. Ein Filmdreh sei ganz etwas anderes, sagte er gegenüber dem SWR. Viele Menschen aus dem Dorf wollten dabei sein, "in irgendeiner Funktion, egal wie". Der Landwirt hofft, dass die zweite Staffel mindestens genauso viel Erfolg hat wie die erste.
Im Juli berichtete SWR Kultur über die Produktion der ersten "Tschappel"-Folgen aus Oberschwaben:
Auch das Dorfgasthaus wird durch "Tschappel" berühmt
Hauptfigur Carlos Eltern betreiben das Gasthaus "Bären" in Hintervorderbach. In Zußdorf ist es das "Bräuhaus" von Irene Baur-Storz. Immer wieder kommen "Tschappel"-Fans, sagt sie. "Die einen gucken bloß und fotografieren. Die anderen kommen zum Essen, gucken das Plakat an und wollen das Nebenzimmer sehen." In der Kegelbahn wollten die Kinder jetzt Geburtstag feiern wie der Tschappel.
Wir freuen uns auf die nächste Staffel. Man spricht einfach mal was anderes, nicht jeden Tag Kartoffelsalat, Weizenbier, Spätzle. Man hat andere Themen. Du bist jemand anderes bei denen vom Film. Du bist nicht die, die immer da ist. Und das tut gut.
Schauspielerin Nina Gnädig spielt in "Tschappel" Carlos unangepasste Tante Gabi. Im SWR3-Promitalk mit Kristian Thees erzählte sie im Juni 2025 unter anderem davon, wie es für sie war, zum ersten Mal im schwäbischen Dialekt zu sprechen.