Hohe Kosten und Durchfallquote

Wenn der Führerschein immer teurer wird: Warum das auch an den immer schlechteren Fahrschülern liegt

Der Führerschein wird immer teurer. Die Politik will mit einer Kostenbremse gegensteuern - doch in der Praxis gibt es einige Kritik daran.

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Von Autor/in Nicolas Friese

Die Nachfrage nach dem Führerschein ist bei jungen Menschen gestiegen - gestiegen ist gleichzeitig auch der Preis, um ihn zu erlangen. Für die Fahrerlaubnis werden derzeit im Schnitt rund 3.400 Euro fällig, so das baden-württembergische Verkehrsministerium. Laut dem Statistischen Bundesamt lagen die durchschnittlichen Kosten vor fünf Jahren noch bei etwa 2.000 Euro. Um diese Entwicklung zu stoppen, plant Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) eine sogenannte Kostenbremse, die bei den Fahrschulen ansetzen soll. Doch ist das der richtige Weg? Und warum ist der Führerschein überhaupt so teuer?

Wie der Führerschein günstiger werden soll

Neben mehr Fahrten am Simulator plant der Bund, die Gebühren und Abläufe in den Fahrschulen stärker zu regulieren und transparenter zu machen. Bei der Ausbildung in der Theorie soll jede Fahrschule künftig frei über die Lernmethoden entscheiden können. So soll es keinen verpflichtenden Präsenzunterricht mehr geben. Künftig sollen sich Fahrschüler die Theorie auch per App aneignen können.

So ist es beispielsweise bereits in Frankreich üblich: Dort können Fahrschülerinnen und Fahrschüler die Theoriestunden online absolvieren. Außerdem gibt es Anbieter, bei denen Fahrstunden per App gebucht werden können. Das ist deutlich günstiger als bei traditionellen Fahrschulen - in Frankreich kann man das Fahren schon für unter 1.000 Euro lernen.

Was der Führerschein kostet

Der ADAC Württemberg begrüßt die vom Minister vorgelegten Eckpunkte zur Reduzierung der Führerscheinkosten. Denn nach Berechnungen des ADAC liegen die Ausgaben für einen Führerschein derzeit zwischen rund 2.500 und 4.500 Euro. Wie Holger Bach, Abteilungsleiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Württemberg, auf SWR-Anfrage mitteilt, hätten rund 45 Prozent der Fahranfängerinnen und Fahranfänger zuletzt zwischen 2.500 und 3.500 Euro gezahlt.

Das sagt ein Fahrlehrer aus BW zu den Plänen

Daniel Pitesa betreibt eine Fahrschule in Gerlingen im Kreis Ludwigsburg. Im Gespräch sagt er, im Schnitt zahlten Fahrschülerinnen und Fahrschüler in seiner Fahrschule rund 4.000 Euro für die Fahrerlaubnis - Tendenz steigend.

Grund dafür seien die stetig steigenden Nebenkosten. "Die Löhne explodieren, die Leasingraten für die Autos werden immer teurer und auch die Miete steigt", berichtet Pitesa. Um die Kosten decken zu können, habe er die Preise für die Fahrstunden anheben müssen. "Sonst bleibt am Ende nichts mehr übrig."

Fahrlehrer Pitesa berichtet, dass die Vorschläge des Verkehrsministeriums auch bei seinen Schülerinnen und Schülern für Diskussionen gesorgt hätten. Eine App, die unterstütze, sei sicherlich etwas Begrüßenswertes. "Ganz ohne Fahrlehrer geht es dann aber nicht", sagt Pitesa. Dieser Meinung seien auch seine Fahrschülerinnen und -schüler.

Fallen immer mehr bei der Prüfung durch?

Ein wesentlicher Grund für die hohen Kosten sei die längere Dauer der Ausbildung, erklärt Holger Bach vom ADAC Württemberg. "Prüflinge benötigen mehr Fahrstunden als früher." Laut einer ADAC-Umfrage unter jungen Menschen mit Führerschein im Alter von 17 bis 25 Jahren hat die Mehrheit der Befragten (59 Prozent) mindestens sieben Monate gebraucht, bis sie die Prüfung bestanden habe.

An der Theorieprüfung scheitern laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) fast die Hälfte aller Anwärterinnen- und Anwärter: 43,7 Prozent der Fahrschülerinnen und Fahrschüler fielen in Baden-Württemberg zuletzt durch die theoretische Prüfung. Die praktische Prüfung haben 28,8 Prozent nicht bestanden.

Auch Vincenzo Lucà vom TÜV Süd sieht in der gestiegenen Durchfallquote eine Ursache für die steigenden Führerscheinkosten. Sobald Fahrschülerinnen und Fahrschüler die Prüfung wiederholen müssten, fielen zusätzliche Kosten für weitere Fahrstunden an. "An den Gebühren für die Prüfung selbst liegt es jedoch nicht", betont Lucà. Diese seien seit Jahren weitgehend stabil.

Fahrstunden bald nur noch am Simulator?

Verkehrsminister Schnieder schlägt unter anderem vor, dass das Fahren mit einem Wagen mit manueller Schaltung vollständig am Simulator erlernt werden können soll. So müssten Fahrschulen keine speziellen Schaltwagen mehr anschaffen.

Fahrlehrer Pitesa hält davon allerdings wenig: Das Niveau auf den Straßen sei zu hoch, um alles virtuell zu lernen. "Die reale Erfahrung bekommt man nur durch das Fahren auf der Straße."

Kein Problem mehr mit langen Wartezeiten

Häufig werde zudem der Mangel an Fahrprüferinnen und Fahrprüfern als Kostentreiber genannt. Dadurch müssten viele Fahrschülerinnen und Fahrschüler lange auf einen Prüfungstermin warten, was zusätzliche Fahrstunden in der Zwischenzeit nötig mache. In Baden-Württemberg sei das allerdings kein Thema mehr, sagt Lucà.

"Nach Corona hatten wir tatsächlich ein Problem damit", räumt er ein. Die Wartezeiten für die praktische Prüfung seien infolge der Pandemie deutlich gestiegen. "Heute ist das dank viel Mehrarbeit kein Thema mehr."

Trotz hoher Preise wächst die Nachfrage für den Führerschein

Trotz der steigenden Kosten bleibt der Führerschein gefragt. Laut dem KBA wurden im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg 293.179 theoretische Prüfungen abgelegt - ein Plus von knapp zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der praktischen Prüfungen stieg um 3,5 Prozent auf 253.178.

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Nicolas Friese
SWR-Redakteur Nicolas Friese.

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