Die Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten spüren Verbraucher im Südwesten schon an Preissteigerungen in einigen Bereichen - vor allem an der Tankstelle. Im Mittel kostete ein Liter Super-Benzin laut SWR Datenanalyse am Freitag 1,99 Euro, Diesel lag bei 2,04 Euro. Doch wie sieht es eigentlich bei Gas aus?
Auch der Einkaufspreis für Gas ist an der europäischen Energiebörse (EEX) angestiegen. Vergangenen Freitag, vor der Eskalation, lag der Preis noch bei weniger als 33 Euro pro Megawattstunde, derzeit liegt er bei 50,5 Euro.
Besitzer einer Gasheizung können jedoch erstmal aufatmen: Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht noch keine direkten Auswirkungen auf Kunden.
Die Kriegssituation hat schon zu höheren Energiepreisen geführt, was aber im Bereich der Verbraucherpreise in Deutschland nicht durchgeschlagen hat.
Verträge mit Preisgarantie erstmal nicht betroffen
Verbraucher müssen noch nicht mit Rekordpreisen für ihre Heizung rechnen. Die meisten haben langfristige Verträge mit ihren Versorgern abgeschlossen. Das heißt: Die Endkundenpreise für Gas sind auf längere Zeit im Voraus fixiert und abgesichert. Das bestätigt auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.
Anders ist es bei Verträgen ohne Preisgarantie oder mit Sonderklauseln - da könnten die Preise auch jetzt schon steigen. Das ist allerdings die Ausnahme.
Bei Bestandskunden mit Preisgarantie sieht Matthias Bauer, Abteilungsleiter Bauen, Wohnen, Energie der Verbraucherzentrale BW keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Versorger seien bei solchen Verträgen verpflichtet, neue Preise durch ein Preiserhöhungsverfahren anzumelden. "Das dauert in der Regel einen Monat oder länger", so Bauer.
Neukundenpreis bisher nicht verändert
Der gestiegene Gaspreis an der Börse hat sich bisher noch nicht auf die Neukundenpreise durchgeschlagen: Derzeit bekommen sie laut Angaben des Vergleichportals Verivox, auf die sich auch die Verbraucherzentrale BW bezieht, im Mittel 1 Kilowattstunde Gas ab 8,4 Cent. Das ist keine starke Veränderung zu den Tagen davor.
Die Verbraucherzentrale BW rät, weiterhin sparsam zu heizen, aber nicht in Panik auszubrechen, sondern Preise zu vergleichen. Verbraucher in teuren Tarifen könnten immer noch in günstige Tarife wechseln. "Zum Glück befinden wir uns am Ende der Heizsaison", sagt Bauer.
Wird Gas langsam knapp?
Für deutsche Unternehmen sieht die Lage ein bisschen anders aus: Dabei geht es nicht nur um den Preis, sondern darum, ob die Unternehmen überhaupt genug Gas bekommen. Nur ein kleiner Teil des in Deutschlands verbrauchten Gases stammt aus dem Nahen Osten.
Trotzdem ist Gas und Flüssig-Erdgas, also LNG, ein Gut, das langsam knapp wird, weil die Lieferungen aus dem Nahen Osten wegfallen. Analysten fürchten, dass andere Produzenten, zum Beispiel aus den USA, einen längeren Produktionsausfall in der Region nicht kompensieren können. Die USA könnten "durchaus zu besseren Preisen an andere Interessenten auf dem Weltmarkt verkaufen", sagt Bauer dazu.
Er verweist auch darauf, dass die Gasversorgung in Deutschland laut Bundesnetzagentur und der Bundesregierung aktuell gesichert sei. Dennoch seien die Speicherstände historisch niedrig, was zu höheren Preisen und einem angespannten Markt führen könne. Gerade in Kombination mit der Situation im Nahen Osten.
Unternehmen sehen keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Produktion
"Die Gemengelage ist derzeit höchst undurchsichtig", so Bauer weiter. Bisher habe es aber im Gegensatz zu Benzin und Heizöl noch keine Verwerfungen im Gasmarkt gegeben.
Das Magazin "Stern" hat mehrere Unternehmen zur Situation befragt. Die stellen sich erstmal darauf ein, dass die Preise hoch bleiben. Trotzdem klingen die Reaktionen noch relativ entspannt: Sowohl der Chemiekonzern BASF als auch der Stahlunternehmen Thyssenkrupp Steel sehen noch keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Produktion.