Fünf Jahre ist es her, dass die Gemeinde Kupferzell (Hohenlohekreis) viel Aufmerksamkeit in den Medien erfuhr. Nach einem Kirchenkonzert im Frühjahr 2020 infizierten sich viele Einwohnerinnen und Einwohner mit dem damals neuen Coronavirus.
Die Gemeinde wurde zum "Corona-Hotspot". Damit geriet sie in den Fokus des Robert Koch Instituts (RKI) und wurde neben drei weiteren Kommunen in Deutschland Teil der bundesweiten Studie "Corona-Monitoring lokal". Über 2.000 Einwohnerinnen und Einwohner wurden daraufhin auf freiwilliger Basis vom RKI auf Antikörper gegen das neue Coronavirus getestet.
Bevölkerung in Kupferzell zeigte große Bereitschaft
Die Bereitschaft, an der RKI-Studie teilzunehmen, war unter den Kupferzellerinnen und Kupferzellern damals sehr groß. Fast jede und jeder hätte jemanden gekannt, der an Corona erkrankt war oder sei selbst infiziert worden, erinnert sich Kupferzells Bürgermeister Christoph Spieles (CDU) an die Zeit zurück.
Dass das Virus so präsent war, habe auch einen gewissen Vorteil gehabt. Für sämtliche Maßnahmen wie Ausgangssperren oder Kontaktbeschränkungen zeigten die Menschen viel Verständnis, sagt der Bürgermeister im SWR-Interview.
Kupferzell lockte mit der Teilnahme an der Studie des RKI damals auch zahlreiche Medienvertreterinnen und -vertreter an. Für die kleine Gemeinde war das "von großartiger Bedeutung" gewesen, so Spieles rückblickend. Die Pressekonferenz im August 2020, bei der schließlich die Ergebnisse der Studie präsentiert wurden, wurde sogar von mehreren Sendern live übertragen.
Trotz Corona-Hotspot: Alltag kehrte schnell wieder ein
Der Trubel von damals ist mittlerweile aber Geschichte: Heute spricht in Kupferzell kaum jemand mehr über die Zeit. Sowohl Corona als auch die RKI-Studie seien im Alltag mittlerweile in den Hintergrund gerückt.
Über Corona selbst oder die RKI-Studie wird, wenn überhaupt, nur noch ganz rudimentär gesprochen.
Ziel von "Corona-Monitoring lokal" war es, die Immunantwort gegen Corona nach einer Infektion oder einer Impfung zu untersuchen. Das Ergebnis: Bei rund 28 Prozent der Menschen, die sich nach eigenen Angaben infiziert hatten, konnten keine Antikörper nachgewiesen werden. Außerdem: Es gab knapp vier Mal mehr Infektionen, als bis dato registriert worden waren.
RKI: Corona-Studie hat auch heute noch Bedeutung
Für die Forschung hat die Studie von damals auch heute noch Bedeutung. Die gute Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern habe gezeigt, wie schnell Forschungsvorhaben umgesetzt werden können, so die damalige Studienleiterin Claudia Hövener auf Anfrage des SWR.
Hohenlohekreis hat aus der Pandemie gelernt
Auch das Hohenloher Gesundheitsamt blickt auf die Corona-Pandemie zurück. Es sei eine sehr herausfordernde Zeit gewesen, erinnert sich Gotthard Wirth, der Erste Landesbeamte des Hohenlohekreises und aktuell für das Gesundheitsamt zuständig. Man habe damals kaum etwas über das Virus gewusst. Dementsprechend sei nicht klar gewesen, wie man auf die neue Situation reagieren müsse, so Wirth. Genau vor fünf Jahren am 28. Februar 2020 habe es deshalb die erste "Lagebesprechung" der Ämter gegeben.
Personal seit Ausbruch der Corona-Pandemie fast verdoppelt
Aus den Erfahrungen der Pandemie hat der Hohenlohekreis gelernt. Mittlerweile ist man viel besser aufgestellt, sagt Wirth. Die Anzahl an Mitarbeitenden im Gesundheitsamt wurde seit Ausbruch der Pandemie beinahe verdoppelt und die Digitalisierung vorangetrieben. Außerdem würde derzeit eine neue, landeseinheitliche Software eingeführt werden, um das Sozialministerium besser mit den Gesundheitsämtern zu vernetzen. Die mögliche Situation, dass erneut eine Pandemie ausbrechen könnte, habe man ebenfalls durchgespielt. In vielerlei Hinsicht ist man deshalb heute viel besser aufgestellt, betont Wirth.