Keine andere Marke steht in Deutschland so für Maultaschen wie der Kühlteigwaren-Hersteller BÜRGER aus Ditzingen (Kreis Ludwigsburg). Bei den gekühlten Teigwaren hat das Unternehmen einen Marktanteil von 40 Prozent. Während es Produkte der Firma südlich der Main-Linie nahezu in jedem Supermarkt gibt, sieht das im Norden auf dem Land noch anders aus.
Die interne Strategie lautet deshalb "Attacke Deutschland" und mit neuen Produkten sollen auch junge Zielgruppen an die Marke gebunden werden. Dafür braucht es Kapazität - und die wird stetig ausgebaut, vor allem am Standort Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall).
"Junge Menschen essen anders, sie snacken eher"
Rund 70 Millionen Euro will das Unternehmen in den kommenden beiden Jahren investieren: in vier neue Produktionslinien, eine Metzgerei und Verwaltung. "Junge Menschen essen anders, keine drei Mahlzeiten mehr am Tag, die snacken eher", sagt Marketingleiterin Andrea Neubert im Gespräch mit dem SWR. Neue vegetarische Bällchen für den Airfryer sollen genau da ansetzen. Beworben werden sie auf Social Media, aber auch bei Streamingdiensten wie Netflix und Joyn. Influencer werden sehr bewusst ausgewählt, so Neubert.
Maultaschen: Lifestyle-Produkt mit hoher Akzeptanz
Trotz erhöhter Energiekosten und Wirtschaftskrise gelang dem Unternehmen 2025 mit knapp 313 Millionen Euro ein Umsatzrekord. Längst ist das früher angestaubte Traditionsessen Maultasche zu einem Lifestyle-Produkt avanciert. Rund drei Millionen Stück produziert die Firma täglich - für die eigene Marke, aber auch für Handelsmarken.
Für die Verbraucherinnen und Verbraucher ist die Maultasche schnell und einfach zubereitet, vertraut und vielseitig einsetzbar. Ob seit 2023 beim VfB Stuttgart als Alternative zur Stadionwurst, mittags mit Brühe oder gerollt abends auf der Hochzeit, genießt sie eine hohe Akzeptanz.
Maultasche ist in den Köpfen mit Baden-Württemberg verbunden
Den Kult weiß BÜRGER zu gestalten und zu vermarkten. Es gelingt dem Unternehmen, "kulturelle Markenführung mit Humor und Regionalstolz" zu verbinden, sagt Carsten Demming. Er ist Professor für BWL-Food Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. Gut erkennen kann man das am Merchandising-Shop mit Festival-Badelatschen, Wärmflaschen oder Plüschmaultaschen. Der Absatz übertrifft Andrea Neuberts eigene Erwartungen.
BÜRGER ist ein gutes Beispiel dafür, wie man sich auch als mittelständisches Unternehmen mit begrenztem Marketing-Budget zukunftsfähig aufstellen kann.