Gerüchte über eine mögliche Schließung des Audi-Standorts Neckarsulm (Kreis Heilbronn) verunsichern Politik und Gewerkschaften. Rund 100.000 Stellen sollen im VW-Konzern wegfallen. Der Neckarsulmer Betriebsrat will sich für den Standort einsetzen. Das geht aus einem Schreiben an die Beschäftigten hervor, das dem SWR vorliegt. Gemeinsam mit Vorstand und Gesamtbetriebsrat wolle man an einem Strang ziehen. Auch von Seiten der regionalen Politik wurden bereits erste Maßnahmen angekündigt, sollte das Werk infrage gestellt werden. Die Gerüchte sollen aus internen Unterlagen im Vorfeld zur VW-Aufsichtsratssitzung am 9. Juli stammen.
Politiker stellen sich gegen Schließung von Audi Neckarsulm
Die Spekulationen rund um die Schließung des Werks seien besorgniserregend, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben. Darin melden sich der Heilbronner Landrat Norbert Heuser (parteilos), der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) und der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD) zu Wort. "Sollte der Volkswagen Konzern tatsächlich eine Schließung des Werks erwägen, werden wir auf allen politischen Ebenen für den Erhalt des Standorts Neckarsulm kämpfen“, betonen alle drei. Erste Maßnahmen seien bereits geplant. Details dazu wurden nicht genannt.
Die Bedeutung des Standorts Neckarsulm reiche weit über die Fahrzeugproduktion hinaus. Von seiner Zukunft würden nicht nur tausende Arbeitsplätze bei Audi selbst, sondern auch bei zahlreichen Betrieben im Umfeld des Werks abhängen.
Neckarsulmer Betriebsrat wendet sich an Mitarbeitende
In einem Schreiben an die Beschäftigten im Audi-Werk Neckarsulm greift der Betriebsrat die Sorgen rund um eine mögliche Schließung auf. "Fakt ist: Nichts davon ist entschieden!", heißt es darin. Dennoch spüre man, dass sich die Branche rasant verändert. Der gesamte VW-Konzern müsse sich für die Zukunft neu aufstellen und damit auch Audi. Am 9. Juli tagt der VW-Aufsichtsrat. Erst danach werde auf Marken- und Standortebene weiter diskutiert und verhandelt.
VW-Konzern: Weniger Personal und Produktionskapazitäten
Neben Neckarsulm geht es auch um die VW-Standorte Hannover, Zwickau und Emden. Das hatte das "Manager Magazin" am Freitag unter Verweis auf Insider berichtet. Demnach plant Europas größter Autobauer einen deutlich umfangreicheren Stellenabbau als bisher bekannt. Weltweit könnten in den kommenden Jahren bis zu 100.000 der aktuell rund 657.000 Arbeitsplätze wegfallen. Das wären doppelt so viele wie bislang vorgesehen.
Auch für den Audi-Standort Neckarsulm könnte das weitreichende Folgen haben. Laut dem Bericht wird darüber nachgedacht, die Produktion nach dem Auslaufen der derzeit dort gefertigten Modelle einzustellen. Eine endgültige Entscheidung dazu gibt es bislang jedoch nicht.