Es geht um rund 2,9 Millionen Euro, die die Kundinnen und Kunden offenbar verloren haben. Das berichtet Insolvenzverwalter Markus Schuster von der Kanzlei Schultze & Braun auf SWR-Nachfrage. Rund 110 Kundinnen und Kunden hatten bei Autolöwen-Fahrzeuge mit mehreren Niederlassungen in Heilbronn-Franken bestellt und vorab teils fünfstellige Summen bezahlt. Im Schnitt sind das mehr als 26.000 Euro pro Betroffenem. Die Chancen, dass sie das Geld über die Insolvenztabelle zurückbekommen, stehen schlecht, meint Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Wir haben lange um Lösungen gekämpft. Das Eigentum ist aber nicht auf die Käufer übergegangen.
Klar ist: Die Autos werden nicht mehr ausgeliefert. "Es gibt so gut wie kein Grundvermögen bei Autolöwen."
Das Problem: Wenn die Fahrzeuge noch nicht an die Käufer übergeben wurden, ist das Eigentum noch nicht auf sie übergegangen. Buttler sieht es daher kritisch, beim Autokauf hohe Anzahlungen zu leisten, da das Risiko des Totalverlustes gegeben ist.
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Neun Anzeigen wegen Betrug und Insolvenzverschleppung
So trifft das jetzt etliche Kunden von Autolöwen. Der Stellantis-Händler mit Sitz in Schwäbisch Hall betrieb acht Standorte, unter anderem in Heilbronn, Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) und Aalen (Ostalbkreis). Im April wurde Insolvenz beantragt. Inzwischen ist klar: Der Betrieb ist nicht mehr zu retten.
Laut Medienberichten wurden Kundinnen und Kunden aber noch kurz vor der Insolvenzanmeldung mit hohen Rabatten gelockt. Manche wittern Betrug und Insolvenzverschleppung. Die Heilbronner Staatsanwältin Mareike Hafendörfer spricht von neun Anzeigen, die deswegen eingereicht wurden. Alleine in diesen Fällen liege der Schaden im unteren sechsstelligen Bereich.
Doch was hätten die Kunden im Vorfeld anders machen können? Oliver Buttler meint, dass Barzahlungen oder Überweisungen immer risikobehaftet sind.
Ich würde Anzahlungen immer möglichst gering halten.
Da sei freilich Verhandlungsgeschick gefragt, denn auch der Verbraucherzentrale ist bewusst, dass Händler sich genauso absichern wollen.
Der Experte rät daher zu einem Umweg über eine Finanzierung, mit der Möglichkeit einer vorzeitigen Rückzahlung. Die Kreditinstitute werden so zum Sicherheitsnetz. "Die Banken lassen sich erst die Autopapiere geben, bevor sie die Händler bezahlen", so Buttler. Das koste zwar etwas mehr als der Barkauf, lasse die Kundinnen und Kunden aber ruhiger schlafen.
Bei kleineren Summen könnte auch die Bezahlung per Kreditkarte helfen, sofern es denn der Verfügungsrahmen erlaubt. "Da ist die Nicht-Leistung im Falle einer Insolvenz im Normalfall abgesichert." Über das sogenannte "Chargeback"-Verfahren könne der Kunde das Geld zurückbekommen, rät die Verbraucherzentrale.
Leasingkunden haben bessere Karten
Nicht alle Kunden von Autolöwen werden aber leer ausgehen, so Insolvenzverwalter Schuster. Unter anderem für bestellte Fahrzeuge aus Leasingverträgen würden die Hersteller mit den Banken nach Lösungen suchen, um diese über andere Händler umzuleiten. "Entsprechende Abstimmungsgespräche laufen. Die Hersteller wollen ja die Kunden nicht verlieren."
Lösungen bahnen sich auch für manche Standorte an. "Brunold Automobil war bereits Betreiber des Autohauses in Ludwigsburg und hatte damals an Autolöwen verkauft. Jetzt betreibt Brunold das Haus seit dem 1. Juli wieder in eigener Regie. Viele bisherige Mitarbeitende wurden angefragt, was mich für sie sehr freut." Eine Lösung scheint auch für das Haller Autohaus in Sicht. Dort hängt bereits ein neuer Schriftzug mit "Autohaus Hirsch".