Ein Fahrrad auf den Gleisen hat am Samstagabend am Bahnhof Bad Friedrichshall-Kochendorf (Kreis Heilbronn) einen Regionalexpress zu einer Notbremsung gezwungen. Rund 50 Fahrgäste waren im Zug - verletzt wurde niemand. Die Bundespolizei spricht von einem gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr, einem Tatbestand, der immer wieder vorkommt.
Notbremsung in Bad Friedrichshall: Keine Verletzten
Mit rund 40 Stundenkilometern sei der Express gerade unterwegs gewesen, als der Fahrer das Fahrrad im Gleisbett bemerkte. Trotz Notbremsung konnte er den Zug allerdings nicht mehr rechtzeitig stoppen und überfuhr das Rad. Am Zug seien keine Schäden entstanden, heißt es weiter. Für die Unfallaufnahme musste der Zug im Bahnhof stehen bleiben. Laut der Bundespolizei hatte der Regionalexpress dadurch eine Verspätung von rund einer Stunde. Weitere Einschränkungen oder Verspätungen gab es demnach nicht. Die Bundespolizei ermittelt wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr - kein Einzelfall.
Gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr: Fälle häufen sich
Solche Eingriffe sind keine Seltenheit. Bundesweit wurden im Jahr 2023 fast 1.800 Fälle registriert, bei denen Menschen auf verschiedenste Weise den Bahnverkehr gefährdet haben sollen. Dabei geht es nicht nur um absichtlich gelegte Hindernisse. Auch Unachtsamkeit, Leichtsinn oder mutwilliges Verhalten spielen eine Rolle. Über die Hälfte davon fand im eher ländlicheren Bereich statt: in oder bei Städten und Gemeinden mit unter 100.000 Einwohnern.
Anfang des Jahres sorgte ein Fall in Heilbronn für Aufsehen, als eine Frau mit ihrem Auto rund 750 Meter über Bahngleise fuhr. Sie soll laut Polizei betrunken gewesen sein, hatte sich verirrt und war auf Höhe des Heilbronner Bahnhofs ins Gleisbett geraten. Ein Kran musste das Auto aus dem Gleisbett hieven. Das Fahrzeug sowie die Gleisanlage seien durch die Aktion beschädigt worden. Die Frau wurde wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr, der Störung öffentlicher Betriebe und der Gefährdung des Straßenverkehrs angezeigt.
Zu einem tragischen Fall kam es im vergangenen Jahr bei Obersulm (Kreis Heilbronn): Eine junge Mutter überquerte mit ihrem damals vierjährigen Sohn verbotenerweise die Gleise. Dabei wurde sie von einem Zug erfasst und musste mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Ihren kleinen Sohn konnte die 24-Jährige gerade noch rechtzeitig vor dem vorbeifahrenden Zug retten. Das Amtsgericht Heilbronn erhob Anklage wegen fahrlässigen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr.
Fußballfans laufen über Gleise: Strafe oder Nachsicht? Einzelfall entscheidet
Wie rigoros solche Taten verfolgt werden, hängt oft vom Einzelfall ab - und sorgt nicht selten für Diskussionen. So hatte die Polizei im Fall mehrerer Fußballfans des VfB Stuttgart, die in Heilbronn über die Gleise liefen, auf eine Anzeige verzichtet. Die Fans waren mit einem verspäteten Zug angekommen, die Türen des Bahnhofs bereits verschlossen. Verletzte oder Gefährdungen habe es laut Polizei nicht gegeben, weshalb man von Ermittlungen abgesehen habe. Bei einer Überschreitung der Gleise handelt es sich laut Bundespolizei normalerweise um eine Ordnungswidrigkeit.
Anders hingegen sieht es bei absichtlicher Behinderung oder mutmaßlich vorsätzlicher Gefährdung aus - wie etwa bei Gegenständen, die mutwillig auf die Schienen gelegt wurden. Ob es sich bei dem Fahrrad in Bad Friedrichshall um einen Zufall oder eine gezielte Aktion handelt, ist derzeit noch unklar. Die Ermittlungen laufen.
Baum legt Bahnverkehr bei Wittighausen lahm
Ein weiterer Fall zeigt, wie schnell der Bahnverkehr lahmgelegt werden kann: Erst im Juni kam es zu einem Unfall. Damals war ein gefällter Baum auf die Oberleitung und die Gleise bei Wittighausen (Main-Tauber-Kreis) gefallen, ein Regionalexpress fuhr hinein. Rund 200 Reisende saßen fest. Polizei und Feuerwehr mussten den Zug räumen. Fahrgäste wurden keine verletzt. Hier laufen ebenfalls die Ermittlungen, näheres wollte die Bundespolizei zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.
Bahn und Bundespolizei warnen: Gleise niemals betreten
Die Bahn und die Bundespolizei warnen regelmäßig vor dem Betreten der Gleisanlagen. Züge sind oft erst spät zu hören oder zu sehen, der Bremsweg ist lang - bei einer Notbremsung können selbst im Fahrzeug sitzende Personen verletzt werden. Zwar sei der Zug in Bad Friedrichshall unbeschädigt geblieben, doch hätte die Situation auch anders ausgehen können, heißt es.