In Maulbronn im Enzkreis kennt die Legende wahrscheinlich jeder: Die Maultasche soll dort im Kloster erfunden worden sein. Aber stimmt das wirklich? Zur Fastenzeit und an Karfreitag hat die Legende Hochkonjunktur - genauso wie die Maultasche. Dann strömen Maultaschenliebhaber ins Kloster nach Maulbronn und begeben sich auf die Suche nach der Wahrheit. Bei einer Maultaschenführung durch das alte Gemäuer sind am Mittwoch rund 50 Besucherinnen und Besucher dem Mythos auf den Grund gegangen.
Das besagt die Legende aus dem Kloster Maulbronn
"Ein Laienbruder mit dem Namen Jakob hat Feuerholz gesammelt, ist eingeschlafen und wurde geweckt durch einen großen Lärm", erklärt Gästeführer Ludwig Nestler im Kloster. Ein maskierter Räuber soll verfolgt worden sein, hat einen Sack fallen gelassen - und Jakob, sehr neugierig, sei hingegangen und habe in den Sack geschaut.
Darin sei eine große Menge Fleisch gewesen, "das er als Zisterzienser eben nicht essen darf", erzählt der Gästeführer, während sich die Besucherinnen und Besucher im alten Speisesaal der Mönche umschauen. Lebensmittel hätte Bruder Jakob aber auch nicht verschwenden dürfen, also habe er sich überlegt, was er mit dem Fleisch anstellen könnte. Er überlegte sich, das Fleisch zu maskieren, wie es der Räuber auch war.
Beim Essen blieb das große Donnerwetter aus. Weder seine Ordensbrüder, noch Gott hätten das Fleisch entdeckt. Das sogenannte "Herrgottsbscheißerle" war geboren, so die Legende.
Wenn das Fleisch maskiert ist im Teig, dann kann er eben auch ein verbotenes Essen servieren.
Maulbronn: Maultaschen gibt es hier an jeder Ecke
Fragt man die Menschen aus Maulbronn, sind sich die meisten sicher: Die Maultasche wurde hier erfunden. An jeder Ecke gibt es sie zu kaufen. Egal ob in Restaurants, bei Verkäufen von verpackten Maultaschen oder bei der Maultaschenführung im Kloster - an der Maultasche kommt man in der schwäbischen Stadt nicht vorbei.
So wie in der Küche der Manufaktur für Klostermaultaschen in Maulbronn. Dort wurden am Mittwoch die Maultaschen für die Karwoche befüllt. Sie werden nur zum Abholen verkauft. Jedes Jahr ist dort zu dieser Zeit die Hölle los. Küchenmeister Karl Schempf verkauft in der Woche doppelt so viele wie normal. Am beliebtesten sind die klassischen Maultaschen mit Fleischfüllung.
Natürlich wurden die in Maulbronn erfunden. Wo sonst? Nichts anderes macht Sinn - für uns Maulbronner sowieso nicht.
Im Akkord füllen er und seine Frau den Nudelteig, schlagen ihn um und trennen die einzelnen Maultaschen ab. Der Koch nimmt das schwäbische Nationalgericht sehr ernst. Schon seit Generationen produziert seine Familie Maultaschen. Neben den klassischen Zutaten wie Brät, Petersilie und Ei, würzt er sie mit einer geheimen Würzmischung - ein Familienrezept. Auch bei der richtigen Form gibt es für ihn keine zwei Meinungen.
Wir machen da tatsächlich auch die Form als Maultasche und nicht wie eine Ravioli. Weil Maultaschen: don't call it Ravioli!
Legende der Maultasche aus Maulbronn: Wahr oder falsch?
Zurück im Speisesaal der alten Mönche wird klar: Wahrscheinlich kommt die Maultasche nicht aus Maulbronn. Die zeitlichen Belege passen nicht so recht zusammen. "Wie mit den meisten Legenden ist es relativ schwierig, den Wahrheitsgehalt rauszufiltern", erklärt Gästeführer Ludwig Nestler. Die Legende sei wahrscheinlich sehr viel später entstanden. Die Maultasche sei erst hunderte Jahre nachdem es keine Mönche mehr in Maulbronn gab das erste Mal schriftlich erwähnt worden, so der Gästeführer.
Die Mönche waren doch eigentlich recht streng mit ihren Regeln und ihrer Ausführung. Man hätte wahrscheinlich nicht so getrickst.
Wo die Maultasche genau herkommt, bleibt also weiterhin ein Rätsel. Auch Ludwig Nestler weiß nicht, ob diese Legende irgendwann aufgeklärt wird. Vielleicht, wenn Zeitreisen erfunden werden, sagt er und lacht.