Wieder ist es rund um den Heilbronner Marktplatz zu Gewaltexzessen gekommen. Die Angst bei Passanten und Einzelhändlern wird immer größer. Verschiedene Dealergruppen gehen aufeinander los, bestätigt die Heilbronner Polizei. Überwachungskameras zeigen heftige Bilder, wie sich Männer in einem Imbiss Messer, Kabel und Cola-Dosen schnappen, sich damit bewerfen oder attackieren.
Männer aus Drogenszene gehen am Heilbronner Marktplatz aufeinander los
Von einem türkischen Imbissbetreiber existiert ein Video, das von einer Überwachungskamera stammt und das dem SWR vorliegt:
Auf diesem Überwachungsvideo ist unter anderem zu sehen, wie Männer sich in seinen Räumen Messer, Gabeln und Cola-Dosen schnappen und sowohl im Eingangsbereich als auch vor der Tür damit aufeinander losgehen. Auch für Polizeisprecher Frank Belz sind diese Fälle eine neue Dimension.
Das, was da jetzt passiert ist, ist auch für uns eine neue Stufe der Gewalteskalation am Marktplatz.
Man werde mit "aller Schärfe dagegen vorgehen", sagte Belz im SWR-Interview. Zwar könne man natürlich nicht rund um die Uhr am Marktplatz präsent sein, aber ein "Katz-und-Maus-Spiel" sei dennoch inakzeptabel. Die polizeilichen Maßnahmen am Marktplatz sollen deshalb forciert werden.
Imbissbetreiber sorgt sich um Mitarbeiter
Beim Betreiber des türkischen Imbisses, Seyfettin Samaras, liegen die Nerven inzwischen gehörig blank. Er macht sich vor allem auch Sorgen um seine fünf Mitarbeiter. Die geworfene Holzlatte am Samstag hätte auch einen seiner Beschäftigten treffen können. Einige trauten sich nicht mehr alleine nach Hause.
Es ist wirklich schrecklich. Jeder leidet darunter und unsere Umsätze sinken. Es ist unglaublich. Das sind Revierkämpfe mitten in der Stadtmitte.
Nach den Ereignissen vom Wochenende gab es am Dienstagabend erneut einen Vorfall. Ein Imbissmitarbeiter soll bedroht worden sein. Und zwar von einem mutmaßlichen Täter, der bereits am Samstag mit dabei war. Laut Samaras kam der Mann zum Laden und drohte einem Mitarbeiter damit, den Imbiss "abzufackeln oder Drogen im Laden zu verstecken". Er habe sich über die Veröffentlichung des Videos geärgert, sagt der Imbissbetreiber dem SWR. Der 39-Jährige rief sofort die Polizei und erstattete Anzeige wegen Bedrohung.
Polizeikontrollen schrecken nicht ab: Passanten haben Angst
Von den mittlerweile doch recht häufigen Polizeikontrollen lassen sich die Männer nicht abschrecken. "Fährt der Streifenwagen weg, pfeift einer und sie kommen wieder aus allen Ecken", so der örtliche Metzger. Und Apotheker Bernd Kleinhans berichtet von Kundinnen und Kunden, die Angst haben. Eine Kundin habe ihn angerufen, um ihm zu sagen, dass sie nicht mehr wiederkomme. Im Dezember sei auch ein Schaufenster eingeschlagen worden, im Oktober hätten Unbekannte versucht die Eingangstür aufzuhebeln, so der Apotheker gegenüber dem SWR. Er wünscht sich im Bereich des Marktplatzes mehr direkte Personenkontrollen. Seine acht Mitarbeiter verlassen die Apotheke inzwischen "hinten raus", so Kleinhans.
Hier geht es manchmal zu wie im Kino. Im Notdienst habe ich auch schon öfter die Polizei gerufen.
Eine Passantin berichtet, wie der Gang mit zwei Kindern über den Marktplatz zum Spießrutenlauf wird. "Man muss seine Kids mittlerweile an die Hand nehmen und schneller laufen als sonst", sagte sie dem SWR. Oft stünden dort Männergruppen - mit Bierflaschen in der Hand und reichlich Alkohol im Blut.
Die Polizei sowie die Stadt Heilbronn versuchen seit geraumer Zeit mit verstärkten Kontrollen dafür zu sorgen, dass sich die Menschen in der Innenstadt sicherer fühlen. Bisher jedoch offenbar ohne Erfolg.
Schlägereien auch in Crailsheim: Polizei erhöht Zahl der Kräfte
Auch in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) häufen sich die Vorfälle: Schlägereien, Einbrüche, Diebstähle - nun will die Polizei auch hier die Zahl der Einsatzkräfte erhöhen. Da die eigenen Kräfte nicht mehr ausreichen, soll die Bereitschaftspolizei die Streifen in Crailsheim unterstützen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.
Damit reagiere man auf eine Reihe von Vorfällen in jüngster Zeit. Bereits im Dezember habe man mit einer erhöhter Polizeipräsenz auf die Übergriffe reagiert, nun wurde nochmals nachgelegt. "Die Häufung der Übergriffe, Einbrüche und Diebstahlsdelikte beunruhigt uns genauso wie die Bürgerinnen und Bürger", schreibt Oberbürgermeister Christoph Grimmer (parteilos) auf seiner Facebook-Seite.
Ich hoffe, dass die Vorfälle allesamt aufgeklärt werden können und die Täter entsprechend zur Rechenschaft gezogen werden.
Einbrüche in Crailsheim beunruhigen Bürgerinnen und Bürger
Erst am Dienstag gab es wieder mehrere Einbrüche. So konnten Unbekannte über das Treppenhaus in eine Wohnung gelangen, durchwühlten diese und klauten Bargeld und Münzen im Wert von rund 600 Euro, so die Polizei in einer aktuellen Mitteilung. In einer anderen Wohnung war die Summe der Beute sogar fünfstellig, wie es heißt.
Unter dem Facebook-Post des Oberbürgermeisters äußern sich die Userinnen und User besorgt. "Ich meide Crailsheim mittlerweile so gut es geht. Würde mir sehr wünschen, mich mit meinen Kindern bald wieder in meine Heimatstadt zu trauen", schreibt eine Frau. Und andere User ergänzen folgende Statements, wie: "Die Entwicklungen, die in Crailsheim zu verzeichnen sind, sind wirklich beunruhigend" oder: "Ich traue mich bei Dunkelheit in Crailsheim auch kaum mehr auf die Straße."