Die Grundschule im Forchtenberger Stadtteil Ernsbach (Hohenlohekreis) wird zum Schuljahr 2028/29 geschlossen. Das hat der Gemeinderat der Stadt Forchtenberg mit breiter Mehrheit beschlossen. Nach Angaben der Stadt gibt es langfristig zu wenige Schülerinnen und Schüler, um den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Einige Eltern sind wütend. In Zukunft müssen die Kinder wohl in die knapp vier Kilometer entfernte Bildungseinrichtung nach Forchtenberg gehen. Derzeit besuchen 75 Jungen und Mädchen die Grundschule in Ernsbach.
Grundschule in Ernsbach schließt: Schüler müssen nach Forchtenberg
Mit Plakaten und einer Bürgerinitiative protestierten Eltern zuvor gegen die Pläne der Stadt, allerdings ohne Erfolg. Die Kinder sollen künftig die Grundschule in Forchtenberg besuchen. "Es ist immer traurig, wenn man etwas abgeben muss", sagt Ortsvorsteher Werner Engel. Ihn und viele andere im Ort bewegt die Entscheidung.
Sina Moraw, die selbst in Ernsbach aufgewachsen ist und ihr drittes Kind dort einschulen wollte, nennt die Grundschule "das Herzstück des Dorfes". Ohne sie gehe nicht nur Unterricht verloren: "Wer eröffnet unseren Weihnachtsmarkt? Kein Schulchor mehr." Ann-Kathrin Desche ist 2022 mit ihrer Familie bewusst wegen der kleinen Grundschule nach Ernsbach gezogen:
Natürlich sind wir sehr enttäuscht und frustriert, ich wüsste nicht, ob wir nochmal herziehen würden.
Andere Eltern kritisieren vor allem den Entscheidungsprozess. Stefan Taubenberger spricht von fehlender Transparenz im Rathaus und Daniela Baier hätte sich mehr Zeit gewünscht. Die Entscheidung sei abrupt gekommen und müsse emotional erst verarbeitet werden.
Ortsvorsteher Engel sieht die Sache gemäßigter. Er ging selbst dort zur Schule, ebenso seine Kinder und teilweise auch seine Enkelkinder. Da hängen viele Erinnerungen dran, erzählt er im SWR-Interview. Aber man müsse der Realität ins Auge sehen und schauen, was das Beste für die Zukunft der Kinder ist. Weitere Protestaktionen erwartet er nicht.
Bürgermeister von Forchtenberg: "Schwierigste Entscheidung seit zehn Jahren Amtszeit"
Bürgermeister Michael Foss betrachtet die Schließung der Schule als "unausweichlich". Es hätten sonst jahrgangsübergreifende Klassen gebildet werden müssen - teils mit Erst- bis Viertklässlern in einem Klassenzimmer. Foss befürchtet dadurch Nachteile für die Unterrichtsqualität und eine Überlastung der Lehrkräfte. Dennoch sei das Thema auch für ihn "hochemotional", sagt er. "Ich bin zehn Jahre Bürgermeister in der Stadt Forchtenberg" und:
Für mich war das jetzt auch die schwierigste Zeit, seit ich da bin.
Kritik an der Einschätzung des Bürgermeisters zur altersgemischten Unterrichtsform kommt vom Grundschulverband Baden-Württemberg. Dessen Geschäftsführer Edgar Bohn hält die Schließung der Schule für einen Fehler. Pädagogisch wäre es sinnvoller gewesen, so Bohn, auf jahrgangsübergreifenden Unterricht zu setzen, statt den Standort aufzugeben. Das wäre ohnehin die bessere Unterrichtsform.
Die Vorstellung, dass alle Kinder eines Jahrgangs zur gleichen Zeit mit dem gleichen Stoff ans gleiche Ziel kommen müssten, sei eine pädagogische Fiktion. Durchmischung der Jahrgänge ermögliche es dagegen, stärker individuell auf Kinder einzugehen. Das erfordere zwar ein anderes "pädagogisches Mindset" der Lehrkräfte, könne Kindern aber gerechter werden.