Graffiti - für die einen kreative Ausdrucksform und urbane Kunst, für andere schlicht Vandalismus. In der Region Heilbronn-Franken fällt auf: Nicht überall ist das Problem gleich groß. Während manche Städte wie beispielsweise Schwäbisch Hall zunehmend unter Sprayaktionen leiden, vermeldet die Polizei rückläufige Zahlen. Fakt ist: Graffiti ist zwar überall - aber nicht überall ein Problem.
Graffiti als Kostenfaktor: Zehntausende Euro Schaden jährlich
Ob auf Stadtbahnzügen, Hausfassaden oder historischen Mauern: Graffiti kann erhebliche Schäden anrichten. Besonders Verkehrsunternehmen wie die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) bekommen das regelmäßig zu spüren. So wurden beispielsweise vor rund eineinhalb Wochen vier Stadtbahnwagen der Linie S4 zwischen Heilbronn und Öhringen-Cappel (Hohenlohekreis) großflächig mit Graffiti besprüht.
Mehrere zehntausend Euro Schaden entstehen dort jährlich durch Schmierereien. Die Entfernung von Farbe auf Bahnwagen sei aufwendig, aggressiv und nicht ohne Risiko für das Material. "Fensterdichtungen können beschädigt, Werbeflächen unbrauchbar werden, ganze Lackflächen müssen erneuert werden", so ein Sprecher auf SWR-Anfrage. Hinzu kommen Betriebsausfälle, wenn etwa Bahnwagen zur Reinigung aus dem Verkehr gezogen werden müssen.
Teurer Spaß: Wenn Graffiti die Kasse belastet und dem Mauerwerk schadet
Und die AVG ist da nicht allein: Auch Städte wie Schwäbisch Hall berichten von zunehmenden Kosten - besonders ärgerlich seien Graffitis auf historischer Bausubstanz, denkmalgeschützten Gebäuden und Natursteinfassaden.
Dort dringe die Farbe tief in die Struktur ein, erklärte eine Sprecherin. Die Entfernung erfordere spezialisierte Verfahren wie Laserreinigung, chemische Behandlung oder sogar Sandstrahlen. Zuständig ist der städtische Betriebshof, der oft durch externe Fachfirmen unterstützt werden müsse.
Legal sprayen in Schwäbisch Hall: Graffiti als Workshop
In Schwäbisch Hall hat man jetzt aber die Herausforderung zum Anlass genommen, präventiv zu handeln. So wurden im Stadtgebiet legale Flächen für Graffiti ausgewiesen, auf denen sich junge Menschen künstlerisch austoben dürfen, ohne sich strafbar zu machen.
Eine davon ist die "Newcomer Wall" an der Unterführung Gottwollshäuser Steige. Genau dort veranstaltete die Mobile Jugendarbeit im Juni dieses Jahres eine Art Workshop für junge Sprayerinnen und Sprayer. Legal Graffitis sprayen - eine kreative Alternative für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 27 Jahren, die unter professioneller Anleitung ihre Spraydose ganz legal benutzen dürfen.
Die Wand wird übrigens regelmäßig überstrichen, um Platz für neue Werke zu schaffen.
Polizei gibt Entwarnung: Graffiti-Zahlen seit Jahren rückläufig
Können also legale Räume illegale Aktionen reduzieren? Gesicherte Zahlen gibt es nicht. Doch das Graffiti-Problem scheint nicht überall in der Region so schlimm zu sein. So heißt es aus der Stadt Wertheim (Main-Tauber-Kreis): "Graffiti kommt immer mal wieder vor, aber es ist kein vordringliches Thema bei uns."
Ähnliches meldet auch die Stadt Heilbronn: Eine Häufung solcher Fälle sei derzeit nicht festzustellen, sagte eine Sprecherin. Komme es aber vor, setze man auf klare Kante: Illegales Graffiti werde grundsätzlich angezeigt und Schmierereien schnellstmöglich entfernt.
Das Betriebsamt verfügt über ein spezielles Sandstrahlgerät, mit dem sich Farbe von unterschiedlichsten Oberflächen entfernen lässt. Zusätzlich kommen Imprägnierungen zum Einsatz, die Fassaden widerstandsfähiger gegen neue Farbattacken machen und leichter zu reinigen sind.
Und so überrascht der Blick in die Statistik des Polizeipräsidiums Heilbronn kaum noch: Graffiti-Vorfälle nehmen tendenziell ab, sagte eine Sprecherin im SWR-Interview. 2020 waren es noch 171 registrierte Fälle, 2024 nur 121 - trotz punktueller und aktueller Zwischenfälle also ein rückläufiger Trend.
Mit KI gegen Graffiti: Test mit dem Roboterhund "Spot"
Die Gründe könnten vielfältig sein - von verstärkter Prävention bis hin zur gezielten Verfolgung. Die Deutsche Bahn zumindest setzt gerade alles auf ihren Roboterhund "Spot". Der soll dank KI Sprayer aufspüren können. Im vergangenen Jahr war "Spot" deshalb testweise bei der S-Bahn München im Einsatz. "Spot sollte dabei helfen, Bahnanlagen zu bewachen und Graffiti, Vandalismus und Kabelklau zu verhindern", so ein Bahnsprecher.
Grundsätzlich sei der Test geglückt, die Fehlalarme aber noch zu hoch, heißt es. Problematisch sei "Spot" aber vor allem aufgrund des Datenschutzes: Gesichtserkennung mithilfe von KI - sowieso ausgeschlossen. Bleibt also nur weiterhin darauf zu hoffen, dass Sprayer auf legale Flächen ausweichen oder ihre Spraydose erst gar nicht in die Hand nehmen.