Unterschiedliche Meinungen zu Homeoffice bei Unternehmen in Heilbronn-Franken

Homeoffice adé? Die Rückkehr der Büroarbeit

Spätestens durch die Pandemie hat sich Homeoffice statt Büroarbeit etabliert. Aber bleibt es auch in Zukunft dabei? Unternehmen und Kommunen aus Heilbronn-Franken im Check.

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Von Autor/in Leonie Kühn

Mehr Flexibilität, selbstständiges Organisieren, weniger Ablenkung durch Kolleginnen und Kollegen - seit dem Beginn der Corona-Pandemie vor über fünf Jahren ist Homeoffice im Job nicht mehr wegzudenken. Doch alles hat irgendwann ein Ende. Schon vergangenes Jahr holten erste Unternehmen ihre Mitarbeitenden von zuhause wieder vermehrt zurück ins Büro.

Anfang März folgte dann auch die Schwarz-Gruppe in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) mit einer Änderung: In einzelnen Bereichen soll es künftig wieder weniger Homeoffice und dafür mehr Präsenz im Büro geben. Werden weitere Unternehmen folgen? Ist der Homeoffice-Hype jetzt also endgültig vorbei?

Weniger Homeoffice bei der Schwarz-Gruppe

Die gesamte Woche von daheim aus arbeiten - das war einmal für mehr als 3.000 Mitarbeitende der Schwarz-Gruppe. Betroffen von der Regeländerung sind die Abteilungen Schwarz Corporate Solutions, Schwarz Corporate Affairs und Sportmarketing. Diese sind größtenteils auf dem Neckarsulmer Stiftsberg angesiedelt. Das teilte das Unternehmen auf SWR-Anfrage mit.

Ganz kehrt die Schwarz-Gruppe dem Homeoffice aber nicht den Rücken. Laut der Pressestelle sollen Mitarbeitende seit dem 1. März im Schnitt noch drei Tage pro Woche mobil arbeiten können. In der entsprechenden Mitteilung des Unternehmens heißt es außerdem, die Regelung sei lediglich konkretisiert worden. Es gab wohl unterschiedliche Interpretationen der bisherigen Regelung. Die Änderung soll mehr Klarheit bringen.

Präsenz im Büro bleibt wichtig

Nicht betroffen seien außerdem die Mitarbeitenden bei Kaufland, Lidl, Prezero und Schwarz Digits, betonte die Pressestelle. Hier könne wie bisher bis zu fünf Tage die Woche im Homeoffice gearbeitet werden. Der genaue Umfang werde aber immer individuell von der jeweiligen Führungskraft und den Mitarbeitenden festgelegt. Denn es gelte weiterhin:

Da der persönliche Kontakt und Austausch vor Ort wichtige Elemente der Zusammenarbeit in den Unternehmen der Schwarz-Gruppe sind, bleibt das Büro zentraler Anlaufpunkt und Anker unserer Arbeitswelt.

Keine Änderungen bei Audi und Würth geplant

Beim Audi-Standort in Neckarsulm bleibt offiziell erstmal alles beim Alten, so eine Sprecherin. Die Dienstvereinbarung von 2022 "Hybrides Arbeiten" hat damit weiter Bestand. Konkret spricht man auch hier davon, dass im Austausch mit der Führungskraft individuelle Regelungen festgelegt werden.

Laut der Pressestelle seien "Freiwilligkeit, Flexibilität und Selbstorganisation" weiterhin wichtige Faktoren. Mit diesen wolle man den Mitarbeitenden die richtige Balance zwischen Beruf und Privatleben ermöglichen. Auch hier wird aber betont: Homeoffice und mobiles Arbeiten ersetze nicht die Arbeit im Büro. Demnach erfordere die aktuell "herausfordernde Marktsituation […] eine enge Abstimmung, intensive Kommunikation und Teamarbeit".

Deshalb sei gerade überall im Unternehmen wieder mehr Präsenz-Arbeit nötig. Hierbei sollen vor allem die Führungskräfte Vorbilder für die Mitarbeitenden sein, so die Sprecherin weiter.

Beim Großhändler für Befestigungs- und Montagetechnik Würth aus Künzelsau (Hohenlohekreis) ist es nochmal anders. Hier können Mitarbeitende des Innendienstes an bis zu zwei Tagen pro Woche von zuhause aus arbeiten. So möchte das Unternehmen seinen Beschäftigten mehr Flexibilität im Job ermöglichen, so eine Pressesprecherin. Doch auch darauf folgt die bekannte Aussage, der persönliche Kontakt vor Ort sei Teil der Unternehmenskultur.

Der persönliche Kontakt ist durch nichts zu ersetzen.

Demnach kommen laut der Sprecherin Mitarbeitende und vor allem Führungskräfte aktuell wieder vermehrt zum Arbeiten ins Büro.

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Attraktiver Arbeitgeber durch Homeoffice

Grundsätzlich ähnliche Homeoffice-Regelungen wie bei den Unternehmen existieren auch bei den Städten und Landratsämtern. So können zum Beispiel Beschäftigte der Stadt Heilbronn 50 Prozent ihrer Arbeitszeit im Homeoffice verbringen. Beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis wird wiederum der Umfang mit den Vorgesetzten individuell festgelegt. Sie alle betonen jedoch auffällig oft, dass die Homeoffice-Möglichkeiten für sie ein wichtiges Mittel bei der Mitarbeitersuche sei. So schreibt das Landratsamt Heilbronn, Homeoffice sei eine gute Möglichkeit als Arbeitgeber attraktiv zu sein.

Für uns ist [die Homeoffice-Regelung] ein Instrument, um als Arbeitgeber sowohl nach Außen als auch nach Innen attraktiv zu bleiben.

Eine Möglichkeit mobil arbeiten zu können, werde mittlerweile von den Bewerberinnen und Bewerbern vorausgesetzt. Landratsämter und Städte berichten, dass dies für potenzielle Mitarbeitende entscheidend bei der Wahl des Arbeitgebers sei.

Keine Lust mehr auf Homeoffice?

Was auch schon die Würth-Sprecherin berichtete, beschreiben jedoch auch einzelne Behörden der Kommunen: Man beobachte, dass Mitarbeitende trotz der Regelungen von sich aus wieder vermehrt ins Büro kämen.

Das passt zu Ergebnissen mehrerer Studien des Fraunhofer-Instituts. Diese wurden im Rahmen des "Innovationsnetzwerkes Office 21" durchgeführt. So erfreute sich Homeoffice anfangs großer Beliebtheit und Menschen fühlten sich produktiver. Mittlerweile sei die Begeisterung aber zurückgegangen. Milena Bockstahler vom Fraunhofer-Institut sprach gegenüber dem SWR bereits im Mai 2024 von einer gewissen "Homeoffice-Müdigkeit". So halten die einen an ihrem Arbeitsplatz zuhause fest, andere suchen wieder den Kontakt vor Ort.

Unterschiede zwischen Unternehmen und Kommunen

Insgesamt fällt auf: Während Unternehmen wie Würth, Audi und allen voran die Schwarz-Gruppe mehrfach die Wichtigkeit des Arbeitens im Büro und den persönlichen Kontakt vor Ort ins Zentrum ihrer Aussagen rücken, so legen Städte und Landratsämter den Fokus auf die Homeoffice-Regelungen, die sie maßgeblich zu einem attraktiven Arbeitgeber macht. Das thematisierten die Unternehmen, wenn überhaupt, nur nebensächlich.

Allgemein ist Homeoffice überall aber immer noch präsent - auch noch nach der Corona-Pandemie. Nach einer kompletten Rückkehr zum traditionellen Arbeitsplatz im Büro sieht es in Heilbronn-Franken vorerst nicht aus. Mobiles Arbeiten bleibt vorerst Bestandteil der Arbeitswelt, genauso wie die Diskussion darum.

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