Über eine Woche nach dem tödlichen Unfall in Leingarten (Kreis Heilbronn) haben sich Vertreter des Straßenbauamts, der Polizei sowie des Betreibers AVG (Albtal-Verkehrs-Gesellschaft) den Bahnübergang jetzt genauer angeschaut. Es werde nun geprüft, ob die Sicherheit an den Gleisen verbessert werden muss. Immer wieder hatten Anwohnende schon zuvor gefährliche Situationen dort beobachtet. Zudem passieren Schülerinnen und Schüler einer benachbarten Schule regelmäßig die Anlage. Eine 26 Jahre alte Frau war von einem Zug erfasst und tödlich verletzt worden. Ihr zweijähriges Kind im Kinderwagen hatte überlebt.
Regelmäßige Überprüfungen von Bahnübergängen gehören unabhängig von einzelnen Unfällen zum Standard, heißt es auf SWR-Anfrage. Auch der betroffene Übergang in Leingarten wurde im vergangenen Jahr begutachtet. Damals gab es nach Angaben der Verantwortlichen keine Beanstandungen.
Täglich nutzen Schülerinnen und Schüler den Bahnübergang in Leingarten
Nicht nur Anwohnerinnen und Anwohner nutzen den Bahnübergang in Leingarten regelmäßig. Auch rund 120 Schülerinnen und Schüler queren die Gleise täglich auf ihrem Weg zur Schule. Andreas Heitlinger, Schulleiter der benachbarten Eichbottschule, sieht deshalb Handlungsbedarf. Nach dem Unfall habe er sich die Stelle noch einmal genau angesehen.
Ich bin der Meinung, dass es heutzutage nicht mehr ausreicht, so wie es ist, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass in den Schulen mittlerweile auch Kinder mit Handicaps sind [...] oder teilweise die Signale nicht hinreichend wahrnehmen.
Fassungslosigkeit und Diskussion um Sicherheit Mutter stirbt an Bahnübergang in Leingarten - trotz Warnsignalen: "Der Zug hat sehr, sehr lange gehupt"
Nach dem tödlichen Unfall an einem Bahnübergang in Leingarten geht die Polizei davon aus, dass die Frau wohl bei Rot die Gleise überquert hat. Der Übergang werde dennoch untersucht.
Zugunfall: Anwohner schildern gefährliche Situationen
Anwohnerinnen und Anwohner berichten von kritischen Vorfällen an dem Bahnübergang. "Ich habe einen Jungen beobachtet, der ungeduldig in die Schule wollte. Als die Bahn vorbei war, ist er losgegangen, aber er hat nicht gesehen, dass die andere kam", berichtet Ludwig Klos.
Gerd Fritz und seine Frau Roswitha Bilinis, die direkt gegenüber wohnen, hörten nach eigenen Angaben beim Unfall vor über einer Woche das laute Hupen der Bahn sowie den Aufprall, bei dem die junge Mutter tödlich verletzt wurde. Die Situation vor Ort bezeichnen die beiden als "sehr schlimm". Besonders Jugendliche würden häufig mit E-Rollern unachtsam über die Gleise fahren und dabei nicht ausreichend auf die Züge achten.
Da guckt keiner, ob Rot ist oder nicht.
Diskussion über mögliche Schutzmaßnahmen
Am Montag gab es eine Ortsbegehung. Eine Entscheidung gibt es bislang wohl nicht. Mit dabei war auch der Bürgermeister von Leingarten, Ralf Steinbrenner (parteilos). Im Gespräch mit dem SWR betonte Steinbrenner, dass der Bahnübergang 1999 als Reisenden-Bahnübergang in Betrieb ging. Er entspreche voll den Vorgaben, die für solche Bahnübergänge gelten und das sei auch der Status Quo.
Konkrete Aussagen zu Ergebnissen oder möglichen Maßnahmen daraus wollten die Beteiligten bislang nicht machen.
Ob zusätzliche Sicherungen wie Schranken die Situation verbessern könnten, wird derzeit diskutiert. Während einige Anwohner skeptisch sind und vor allem mehr Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmenden fordern, halten andere weitere Schutzmaßnahmen für sinnvoll.