Seit fast 40 Jahren ist sie Friseurin. Inzwischen ist sie auch Influencerin. Und sie verändert das Leben vieler, sagt sie selbst. Jutta Gsell aus Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) fällt nicht nur durch ihre vielen markanten Brillen auf. In ihrem Salon gibt es keinen 0-8-15 Haarschnitt. Und das kommt bei der Kundschaft super an - genauso im Netz.
Friseurin Jutta Gsell: "Was darf ich nicht?"
Das Besondere bei Jutta Gsell: Die Kundinnen und Kunden vertrauen ihr blind. Wie das Endergebnis aussieht, ist - zumindest für die Person auf dem Stuhl - fast immer eine Überraschung, der Spiegel wird verdeckt. Die einzige Frage, die gestellt wird und die in jedem ihrer Kurzvideos auftaucht: "Was darf ich nicht machen?"
Ein weiteres Credo in ihrem Salon: Kein Kunde, keine Kundin soll zwei Mal mit derselben Frisur nachhause gehen.
Das gilt auch für die Friseurmeisterin selbst. Damit die Angestellten und Auszubildenden ihre "Philosophie" lernen können, stellt sie sich auch selbst als "Versuchsobjekt" zur Verfügung - und dann sind da natürlich noch ihre ausgefallenen Brillen.
Jutta Gsell aus Bad Mergentheim will vermitteln: Jeder Mensch ist schön
Für Gsell gilt: Jeder Mensch ist schön. Und dieses Gefühl will sie auch ihren Kundinnen und Kunden vermitteln. Viele, gerade ältere Frauen, hätten lange nicht an sich selbst gedacht. "Es nimmt sie keiner an die Hand. Es hat ihnen noch nie jemand gesagt […] wo sie schön sind oder wie sie schön sein können", erklärt die Friseurin im SWR-Interview. Für die ein oder andere Kundin eine wirkliche Lebensveränderung, ein optischer Neustart.
Ich mag [...] was sie zaubert. Das ist für mich wie Magie.
Natürlich ist alles auf den Haartyp des Kunden oder der Kundin abgestimmt und auch nur so, wie der- oder diejenige es erlauben. Eben nach dem Motto: Was darf ich nicht?
Erfolg nicht nur im Salon: Mit Instagram deutschlandweit bekannt geworden
Mit ihren Videos auf Instagram erreicht Gsell inzwischen mehr als 162.000 Followerinnen und Follower (Stand: 28. Mai) - jung wie alt. Die besondere Herangehensweise an eine neue Frisur lockt Kundinnen und Kunden aus ganz Deutschland.
Ich bin eigentlich dazu da, um die Welt schöner [...] und lächelnd zu machen.
Die nehmen teils 500 Kilometer auf sich, um von der Frau hinter "@kopf_kunst", wie der Instagram-Kanal heißt, frisieren zu lassen. Der Terminkalender ist im Normalfall schon Monate im Voraus voll.
Hohn und Spott? Jutta Gsell nimmt es gelassen
Doch neben Lob und Anerkennung gibt es auch Spott im Netz. An Gsell prallt das ab. Inzwischen gibt es auf Instagram auch schon verschiedene Parodien auf die Friseurin mit der großen Brille. Sogar die Polizei hat sie schon auf die Schippe genommen:
Jutta Gsell steht darüber, nimmt es gelassen: "Ich arbeite nicht für die Welt da draußen. Ich arbeite für die Kundin, die bei mir auf dem Stuhl sitzt, oder für meinen Kunden."