Die Bilder haben weit über Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) hinaus für Aufsehen gesorgt: eine Katze mit einem Hakenkreuz auf dem Ohr, dazu eine ausrasierte Stelle an ihrem Bauch. Doch trotz der großen medialen Aufmerksamkeit ist die Polizei dem Täter bis heute wohl keinen Schritt näher gekommen. Neue Hinweise gibt es nicht, sagte eine Sprecherin auf SWR-Nachfrage. Die betroffene Familie bewertet die Situation inzwischen etwas anders als unmittelbar nach dem Ereignis.
Polizei: Keine Hinweise trotz öffentlicher Aufmerksamkeit
Die Polizei räumt ein, dass die Chancen auf eine Aufklärung gering sind. Neue Hinweise gebe es nicht, auch Zeugen hätten sich seit Bekanntwerden des Vorfalls Ende Juni im Bad Mergentheimer Stadtteil Dainbach nicht gemeldet.
Laut Polizeisprecherin gibt es derzeit keine konkreten Ermittlungsansätze: "Realistisch betrachtet ist es beinahe aussichtslos", so die Polizistin. Die Ermittlungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen. Man könne nur hoffen, dass sich doch noch ein Zeuge meldet. Die Polizei ermittelt wegen Tierquälerei und wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, zu denen auch das Hakenkreuz zählt.
Mutter blickt heute differenzierter auf den Vorfall
Die Mutter der betroffenen Familie hat ihre Einschätzung inzwischen teilweise korrigiert. Sie erklärte im Gespräch mit dem SWR, ihre erste E-Mail an die Redaktion in Heilbronn sei unmittelbar nach dem Vorfall sehr emotional und impulsiv formuliert gewesen.
Damals hatte die Familie geschildert, jetzt Angst zu haben, die Katze oder die eigenen Kinder unbeaufsichtigt nach draußen zu lassen. "Wir fühlen uns zum ersten Mal in unserem Leben nicht mehr zu Hause", hieß es auch. Rückblickend sehe sie die Situation heute etwas nüchterner. So schlimm, wie sie es zunächst empfunden und beschrieben hatte, sei es letztlich nicht.
Nach ihren Angaben hatte sie zunächst vermutet, dass die Tat möglicherweise mit ihrer Tätigkeit als rechtliche Betreuerin zusammenhängen könnte. Diesen Verdacht könne sie inzwischen jedoch ausschließen. Sie habe viele positive Reaktionen aus der Nachbarschaft bekommen, viele hätten geklingelt und gefragt, wie es der Familie geht. Trotz des Vorfalls fühle sich die Familie weiter sehr wohl in Dainbach.
Peta will Belohnung für Hinweise zahlen Katze mit Hakenkreuz auf dem Ohr und rasiert: Familie hofft auf Aufklärung
In Bad Mergentheim ermittelt die Polizei nach einem Vorfall, bei dem eine Katze teilweise rasiert und mit Hakenkreuzen bemalt wurde. Peta bietet 500 Euro für Hinweise.
Katze mit Hakenkreuz beschmiert: Hoffnung auf "Streich"
Die Mutter hofft jetzt vor allem, dass hinter dem Vorfall kein gezieltes Motiv steckt. Sie wünscht sich, dass es sich am Ende lediglich um einen "blöden Jungenstreich"“ gehandelt hat. Ansonsten würde ihr die Tat tatsächlich "Angst machen", sagte sie.
Wir lassen uns keine Angst einjagen. Mir war es wichtig, eine Welle loszutreten, damit derjenige nicht nochmal auf so eine Idee kommt.
Denn, weil die Familie einen Migrationshintergrund hat, stand von Beginn an die Frage im Raum, ob das Hakenkreuz auf der Katze möglicherweise eine gezielte Botschaft gewesen sein könnte. Einen Beleg dafür gibt es zwar nicht. Dennoch bleibe die Unsicherheit.
Zumindest für die knapp zwei Jahre alte Katze scheint der Vorfall inzwischen überstanden. Anfangs sei sie etwas schreckhaft gewesen, erzählt die Mutter. Inzwischen springe sie wieder wie gewohnt durch die Nachbarschaft. Einen kleinen Unterschied gibt es allerdings: Zur Sicherheit trägt sie nun einen GPS-Tracker am Hals. So weiß die Familie jederzeit, wo sie gerade unterwegs ist.