Eltern müssen stärker eingebunden werden

Psychiaterin: Immer mehr Kinder kita- und schulunfähig

In Baden-Württemberg gibt es offenbar immer mehr Kinder, die aufgrund von psychischen Auffälligkeiten nicht kita- oder schulfähig sind. Die Patienten werden jünger.

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Von Autor/in Raphael Moos

Die Zahl der Kinder, die wegen psychischer Auffälligkeiten nicht in einen Kindergarten gehen können, hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das sagte Tina Schlüter dem SWR. Sie ist Chefärztin der Außenstellen der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg (Kreis Heilbronn). Zum einen gebe es Kinder, die aufgrund von starken Trennungsängsten nicht allein in der Kita bleiben können. Zum anderen Kinder mit massiven Verhaltensstörungen, die zum Beispiel sehr aggressiv seien, so Schlüter.

Psychiaterin: Mehr und immer jüngere Kinder

Das Problem setzt sich dann in der Grundschule fort. Denn es kommen Kinder in den Unterricht, die keine Möglichkeit hatten, im Kindergarten Erfahrungen in der Gruppe zu machen, schildert die Ärztin. "Wir sehen Kinder, die emotional nicht in der Lage sind, einen Schulbesuch zu bewältigen."

Bei den Ursachen spielen unter anderem die Einschränkungen während der Corona-Pandemie eine Rolle. Seit dieser Zeit sind die Anfragen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Klinikum am Weissenhof stark gestiegen. Ängste, Depressionen und Essstörungen haben zugenommen, berichtet die Chefärztin.

Auffällig dabei sei, dass die Patientinnen und Patienten immer jünger werden. Bei den Essstörungen habe man früher selten Kinder unter elf Jahren gesehen, mittlerweile gebe es häufiger schon schwer erkrankte Patientinnen im Grundschulalter, so Schlüter. "Das ist eine Veränderung, die uns große Sorgen bereitet."

Dr. Tina Schlüter, Chefärztin der Außenstellen der Klinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie des Klinikums am Weissenhof.
Dr. Tina Schlüter, Chefärztin der Außenstellen der Klinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie des Klinikums am Weissenhof ZfP Klinikum am Weissenhof

Was kann man tun für Kinder?

Wichtig sei, schon früh zu erkennen, wenn ein Kind Schwierigkeiten hat, sagt Schlüter. "Wir reden in dieser Gesellschaft gerade sehr viel über Erkrankungen und Diagnosen, aber alles hat bei Kindern einen Vorlauf."

Seit Jahren ist das Unterstützungssystem stark unter Druck. Eltern haben weniger Zeit, Lehrkräfte zu vielen Aufgaben, zu wenig Personal in den Kitas, wenig ambulante Kinder- und Jugendpsychiater, Fachkräfte- und Geldmangel in der Jugendhilfe.

Wir brauchen gesamtgesellschaftlich mehr Player, die gut unterstützen. Dann geht es unseren Kindern auch wieder besser.

Chefärztin: Eltern müssen mit einbezogen werden

Das Klinikum am Weissenhof bietet unter anderem eine stationsäquivalente Behandlung an. Dabei müssen Kinder nicht stationär in der Klinik bleiben. Stattdessen werden sie zu Hause behandelt und auch die Eltern werden entsprechend miteinbezogen. Letzteres sei ein wichtiger Faktor, meint Schlüter. Man könne Kinder nicht ohne Eltern behandeln.

Insgesamt liege ihr der Fokus noch zu sehr auf der Medizin. Schlüter wünscht sich, dass die Unterstützungssysteme für Kinder insgesamt besser ineinandergreifen.

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Raphael Moos
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