Was in der Stadt anders läuft

Neckarsulm: Nachfrage nach Ladenflächen enorm, während andere Innenstädte leer stehen

Nach der Schließung eines Feinkostladens in der Neckarsulmer Innenstadt reißen sich 19 Bewerber um die frei gewordene Fläche. Ein Luxus, von dem andere Städte nur träumen können.

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Stand

In Neckarsulm (Kreis Heilbronn) erlebt die Innenstadt derzeit, was viele andere Kommunen sich wünschen: Freie Ladenflächen sind im Einzelhandel rar und heiß begehrt. Deutlich wird das zum Beispiel an dem Feinkostgeschäft Zeyno Delikatessen, das seit September die Tore schließen mussten.

Ganze 19 Bewerbungen liegen für die frei gewordene Fläche beim Oberbürgermeister auf dem Pult. Die Stadt Neckarsulm hat das Geschäft selbst angemietet. Ende November will der Gemeinderat entscheiden, wer einziehen darf.

Warum Neckarsulms Innenstadt boomt

Die lange Bewerberliste spricht zwar für die Attraktivität der Innenstadt, doch Luft nach oben bleibt. Einige Einzelhändler klagen über mangelnde Laufkundschaft. Die Stadt bemühe sich, dem entgegenzuwirken, "was in direkter Nachbarschaft zu einer so großen Stadt wie Heilbronn gar nicht so einfach ist", sagt Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD).

Neckarsulm setzt deshalb auf Veranstaltungen, um die Innenstadt zu beleben. Dazu zählen Märkte, Feste, wie etwa das Winterdorf oder der geplante Weihnachtsmarkt "Neckarsulmer Adventszauber".

Kleine persönliche Läden prägen Bild der Innenstadt

Im Vergleich zu anderen Kommunen stehe Neckarsulm aber gut da. Die starke Nachfrage nach frei werdenden Ladenflächen unterstreicht die Attraktivität der Innenstadt, die vor allem von den zahlreichen kleinen, persönlichen Läden geprägt ist, sagt der OB.

Eines der Erfolgsgeheimnisse ist sicherlich, dass wir viele Geschäfte haben, die von ihren Inhabern selbst geführt werden.

Die Inhaberinnen und Inhaber "haben einfach ein anderes Gefühl für ihre Innenstadt", sagt Hertwig. Während große Ketten oft austauschbar wirken, bringen die lokalen Unternehmerinnen und Unternehmer Persönlichkeit und Engagement auf den Marktplatz.

Heimat statt Handelsketten

Eine davon ist Ina Maria Berthold, Inhaberin eines traditionsreichen Lederwaren- und Reisebedarfsgeschäfts. Seit 1842 ist der Laden fester Bestandteil der Neckarsulmer Innenstadt. Auch sie ist überzeugt: Inhabergeführte Geschäfte geben sich einfach mehr Mühe. Regelmäßig erhält sie Anfragen von großen Ketten, die ihre Ladenfläche übernehmen wollen. Doch für Berthold kommt das nicht infrage.

Ina Maria Berthold, Inhaberin von Berthold Lederwaren und Reisegepäck, Mitglied der Freien Wähler Neckarsulm
Ina Maria Berthold führt einen Lederwaren- und Reisegepäckladen in der Innenstadt.

Erst letzte Woche habe ich wieder eine Anfrage bekommen von einem Optiker. Außerdem haben ein Telekommunikations- und ein Outdoor-Händler angefragt, das Geschäft zu übernehmen.

Viele Familienbetriebe am Marktplatz

Die Bäckerei Hermann Härdtner gehört zu einem der mittelständischen Unternehmen im Stadtkern. Auch in der Backstube ist das Geschäft Familiensache. Das Stammhaus des Unternehmens, das inzwischen rund 50 Filialen deutschlandweit betreibt, befindet sich in Neckarsulm. Außerdem betreibt die Familie eine Filiale direkt am Marktplatz.

Nicolas Härdtner, Geschäftsführer der Backstube Hermann Härdtner
Nicolas Härdtner, Geschäftsführer der Backstube Hermann Härdtner, vor der Filiale am Marktplatz. Das Stammhaus des Betriebs ist ebenfalls tief in Neckarsulm verwurzelt.

"Wir merken auch in unserer Filiale, dass die Leute einen weiteren Weg in Kauf nehmen, um hierherzukommen", sagt Geschäftsführer Nikolaus Härdtner. Er und seine Geschwister sind mit dem Betrieb aufgewachsen. "Man hat das von klein auf mitbekommen, das ist schon ein Unterschied, auch was die Identifikation angeht."

Ladensterben in Tauberbischofsheim

Während sich Neckarsulm über die Nachfrage bei Ladenflächen und volle Bewerberlisten freuen kann, zeigt sich die Lage in anderen Kommunen deutlich schwieriger. In Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis) etwa herrscht seit Jahren Ladensterben: 16 Gewerbeimmobilien standen laut den jüngsten Zahlen aus dem Jahr 2024 leer.

"Die Gründe sind vielschichtig", sagt Sabine Münch, Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung, ohne weiter darauf einzugehen. Seit dem vergangenen Jahr habe sich die Stadt "intensiv mit dem Thema Einzelhandel und Innenstadt auseinandergesetzt", so Münch. Ende des Monats will die Stadt ein neues Einzelhandelskonzept mit den Resultaten vorstellen.

Ladensterben in Tauberbischofsheim: Immer mehr Läden in der Innenstadt stehen leer.
Diese Aufnahme aus dem Sommer zeigt das zunehmende Ladensterben in Tauberbischofsheim, wo immer mehr Geschäfte in der Innenstadt leer stehen.

Stadt Neckarsulm steuert Vergabe der freien Ladenfläche

Während Tauberbischofsheim über leere Schaufenster klagt, herrscht in Neckarsulm ordentlich Betrieb. Die kürzlich frei gewordene Fläche des Feinkostladens hat 19 Bewerber angelockt, darunter "ein Schnellrestaurant, mehrere Modegeschäfte, ein Lebensmittelhandel und ein Nagelstudio", sagt der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig.

Die Stadt hat die Liegenschaft angemietet und bestimmt damit, wer sie übernehmen darf. Am 20. November wird der Gemeinderat entscheiden, welches Geschäft einziehen darf.

Leer stehendes Ladenlokal in der Innenstadt von Neckarsulm
Der ehemalige Zeyno-Feinkostladen in der Neckarsulmer Innenstadt steht seit kurzem leer.

Hört man sich in der Innenstadt um, scheint klar, was sich die Neckarsulmerinnen und Neckarsulmer wünschen: Viele Ältere schaffen es mit Rollator oder Gehhilfe nicht bis zu den großen Supermärkten am Stadtrand. Ein Lebensmittelladen im Zentrum sei nicht nur praktisch, sondern fast unverzichtbar.

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SWR

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