Farben, Wasserbecher zum Auswaschen der Pinsel und Stifte: auf dem Schreibtisch von Alisa Deufel aus Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) steht alles bereit. Ihre Bilder sagt sie, sind ein Teil von ihr. Je nach Stimmung: ob fröhlich, gestresst oder traurig, zieht sich der Pinselstrich anders. Malen, das ist ihre Kunst, ihre Persönlichkeit. Wochenlang kann die 28-Jährige an einem Bild arbeiten. Zwei ihrer Bilder werden zur Zeit in einer Ausstellung der Weckelweiler Gemeinschaften im Sandelschen Museum in Kirchberg an der Jagst (Kreis Schwäbisch Hall) ausgestellt.
Kunst auf Instagram - Anerkennung und Ausgrenzung
Alisa Deufel hat das Downsyndrom - aber das Downsyndrom hat nicht sie. "Ich geh meinen eigenen Weg", sagt sie. Ihre Kunst und ihr Leben teilt sie auf Instagram mit ihren Followern. Die Crailsheimerin lebt in ihrer eigenen Wohnung im Haus der Eltern. Ihren Alltag erledigt sie in der Regel selbst: alles was im Haushalt anfällt, wie auch den täglichen Weg zur Arbeit. Einmal in der Woche kommt eine Fachkraft der Offenen Hilfen zur Unterstützung.
Auf ihrem Weg lagen aber bereits einige Auseinandersetzungen: mit den Eltern Diskussionen, ob Jogginghosen ein Outfit sind oder nur auf der heimischen Couch ans Bein gehören. Auch Ausgrenzungen in der Schule hat Alisa erlebt. Solche Probleme seien aber die Ausnahme gewesen, sagt ihre Mutter Birgit.
"Was soll der Mist, dann geh ich eben meinen eigenen Weg", habe sie sich gedacht, erinnert sich Alisa. Auch unangenehme Erlebnisse verarbeite sie beim Malen. Für ihren Weg und ihre Kunst bekommt sie aber auch viel Anerkennung - schon mehrfach wurden Bilder von ihr ausgestellt.
Mutter Birgit: Begegnung auf Augenhöhe wichtig
Die Bilder sind Teil von Alisas Persönlichkeit, sagt Mutter Birgit. Früher sei ihre Tochter eher zurückhaltend gewesen, das habe sich aber massiv verändert. Auch sie selbst wurde mit dem Down-Syndrom ihrer Tochter vor große Herausforderungen gestellt.
Sie wolle auch keine Ratschläge geben - vor allem weil der Grad der Behinderung sehr unterschiedlich ausfallen kann. Aus ihrer Erfahrung heraus sagt sie aber auch: "Die Kinder gehen ihren Weg". Es sei aber wichtig, Menschen mit Down-Syndrom auf Augenhöhe zu begegnen.
Ziel ist der erste Arbeitsmarkt
"AdK" - mit diesem Kürzel signiert die 28-Jährige ihre Bilder. Die Abkürzung steht für Alisa Deufel Kunst. Mit der Malerei zeichnet Alisa auch an ihrem Weg und hat klare Ziele. Sie zeichnet unter anderem im Graffiti-Stil, möchte aber gerne lernen, Graffiti zu sprühen. Derzeit macht sie eine Anlehre in einer Großküche der Weckelweiler Gemeinschaften, einem Sozialunternehmen für Menschen mit Behinderung. Ihr Ziel ist es, danach auf dem ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten.