Einst ging es in Kantinen-Debatten "um die Wurst", also um die Grundsatzfrage: Fleisch oder fleischfrei? Veggie-Menü oder Schnitzelklassiker? Heute hat sich die Diskussion verschoben. Es geht um Gesundheit, Regionalität und die Frage: Wie gut kann Betriebsküche eigentlich wirklich sein? Genau das hat die "Food & Health"-Jury aus Ernährungswissenschaftlern, Köchen und Landwirten geprüft und jetzt in Heilbronn die Zertifikate vergeben.
Rund 700 Kantinen haben mitgemacht - 50 wurden ausgezeichnet. Und BW spielt dabei ganz oben mit: Denn 18 der 50 besten Kantinen Deutschlands kommen aus Baden-Württemberg - aus Stuttgart, Karlsruhe, aber auch aus der Region Heilbronn-Franken.
Spitzenküche trifft Büroalltag: BW dominiert das Ranking
So gehört die Gastronomie der Schwarz Gruppe in Neckarsulm (Kreis Heilbronn), unter anderem bekannt durch Lidl und Kaufland, zu den ausgezeichneten Kantinen. Hier liege der Schwerpunkt auf der Kombination "lecker und gesund", heißt es. Zudem werde "regional, frisch, kreativ, saisonal und ausgewogen" gekocht. Die Spannung sei im Vorfeld riesig gewesen, sagte Hernan de la Vega, Geschäftsführer der Schwarz Restaurant Betriebe.
Das gesamte Team, die 92 Mitarbeiter, die haben mich jeden Tag seit der ersten Jury-Visite gefragt, wo wir stehen. [...] Wir sind sehr glücklich und sehr froh über diese Auszeichnung.
Der ganz große Abräumer ist die CANtine made by Traube Tonbach in Baiersbronn (Kreis Freudenstadt), die unter anderem die Firma Vector Informatik mit Standorten in Stuttgart und Karlsruhe bekocht. Hier kocht somit ein Ableger von einem der renommiertesten Hotels Deutschlands aus dem Schwarzwald - entsprechend hoch sei der Anspruch an Frische, Qualität und Kreativität.
Ganz vorne dabei ist auch die Wirtschaftsprüfergesellschaft Schneider Geiwitz aus Ulm. Hier hat sich die Kantine ebenfalls Unterstützung aus der Sterneküche geholt.
Gesund, regional - und ein bisschen KI auf dem Teller
Moderne Kantinen sind längst mehr als ein Sattmacher, sondern Teil moderner Arbeitskultur. Wer gut kocht, punktet bei Mitarbeitenden und dank gesunder Lebensmittel auf dem Teller vielleicht sogar beim Kampf gegen das Mittagstief: weniger Fleisch, mehr Gemüse, mehr Ballaststoffe - klingt nüchtern, schmeckt aber laut Jury.
Erste Kantinen setzen bereits auf digitale Tools und KI-gestützte Apps. Mitarbeitende geben Alter, Vorlieben und Aktivitätslevel ein und bekommen einen individuellen Speiseplan. Und da die Kantine die Informationen ebenfalls hat, hat sie genau dieses Essen auch im Angebot.
Die Idee dahinter? Ein moderner Anspruch, der über den Tellerrand hinausgeht: Wer gut isst, bleibt leistungsfähig, Krankheitstage sinken und die Zufriedenheit steigt. Und - so die Hoffnung in der Chefetage - vielleicht lockt es manch einen Mitarbeitenden aus dem Homeoffice zurück ins Büro. Oder anders gesagt: Die Zukunft im Job beginnt nicht im Meeting, sondern vielleicht in der Schlange am Buffet.