Am Landgericht Heilbronn türmen sich die Strafverfahren: Immer mehr Angeklagte, immer komplexere und größere Fälle - und all das in einem viel zu kleinen Gebäude, das längst aus allen Nähten platzt. Laut Gerichtspräsidentin Agnes Aderhold hatte das Landgericht schon zur Jahreshälfte zwei Drittel aller Strafverfahren des gesamten Vorjahres verhandelt. Dafür gab es zusätzliche Richterstellen. Kommt jetzt auch ein neues Gerichtsgebäude?
Platzmangel und Personallücken am Landgericht Heilbronn
67 Fälle in nur sechs Monaten - ein beispielloser Anstieg. Warum gerade in diesem Jahr so viele Verfahren anstehen, kann sich Aderhold nicht erklären. Sie sei aber dankbar, dass das Justizministerium auf die Situation reagiert hat.
Denn die Antwort auf die Flut von Verfahren kam in Form von drei zusätzlichen Richterstellen. Damit konnte das Gericht eine weitere große Strafkammer sowie eine sogenannte Hilfsschwurgerichtskammer einrichten. Doch damit seien die Probleme längst nicht gelöst, so Aderhold.
Vor allem bei Verfahren zur organisierten Bandenkriminalität stoßen die Verantwortlichen regelmäßig an ihre Grenzen. Mehr Angeklagte bedeuten mehr Sicherheitsbedarf. Doch dafür fehlen sowohl Räume als auch Personal. Gerade einmal sechs Gefängniszellen stehen demnach im Gebäude zur Verfügung. Für Großverfahren sei das deutlich zu wenig, heißt es. Solche Prozesse müssten regelmäßig nach Stammheim ausgelagert werden.
Gerichtspräsidentin hofft auf Neubau
Doch es gibt einen kleinen Hoffnungsschimmer: ein neues Gerichtsgebäude. Falls es käme, so die Präsidentin, könne es auf dem Gelände des derzeitigen Familiengerichts entstehen. Aderhold blickt zuversichtlich in die Zukunft - auch wenn noch völlig offen ist, wann und ob überhaupt gebaut wird.