Strenge Alkoholregeln werden umgangen

Lidl wird Kneipenbetreiber: Warum der Discounter einen Pub in Nordirland baut

Lidl sorgt einmal mehr für Aufsehen: Der Discounter baut in Nordirland jetzt eine eigene Kneipe. Damit soll eine Gesetzeslücke ausgenutzt werden.

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Von Autor/in Ulrike Schirmer

Es klingt fast wie ein PR-Gag, ist aber tatsächlich Realität: Der Discounter Lidl mit Deutschlandsitz in Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) baut erstmals eine eigene Kneipe. Das hat das Unternehmen dem SWR auf Anfrage bestätigt. Der Pub soll nicht irgendwo entstehen, sondern in einem Vorort von Belfast in Nordirland. Laut einem Bericht der BBC will das Unternehmen mit dem ungewöhnlichen Schritt offenbar die dortigen strengen Alkoholgesetze kreativ umgehen.

Wenn Lidl plötzlich Kneipenbetreiber wird

Exquisite Weine, Biere aus lokalen Brauereien, Liköre und vieles mehr - das soll die Kundschaft des Lidl-Pubs in Dundonald bei Belfast bald kosten dürfen. Aber ist in Nordirland der Verkauf von Alkohol nicht streng reguliert? Doch. Supermärkte dürfen Bier, Wein und Spirituosen nicht einfach wie in Deutschland üblich ins Regal stellen. Stattdessen brauchen sie eine spezielle Lizenz. Die wird im Übrigen oft nur dann vergeben, wenn sie von bestehenden Kneipen "abgetreten" wird.

Genau hier liegt das Problem und gleichzeitig der Ansatz von Lidl: Der Discounter bestand den sogenannten "Mangeltest" nicht, der eigentlich bestätigen soll, dass in einer Region zu wenige lizenzierte Verkaufsstellen existieren.

Doch statt aufzugeben, wählte Lidl einen ungewöhnlichen Weg und baut nun kurzerhand einen eigenen Pub. So erhält das Unternehmen die Lizenz und darf nicht nur Alkohol an Kunden vor Ort ausschenken, sondern auch den Verkauf "to go" anbieten - und das trotz der strengen gesetzlichen Rahmenbedingungen in Nordirland. Die Kneipe wird also zur rechtlichen Brücke für den Supermarktverkauf.

Pub darf Alkohol "to go" verkaufen

Und so entsteht in Dundonald nach fast sechs Jahre währender Planung nun ein eigener Pub direkt neben einer Lidl-Filiale - inklusive Lizenz für den Außerhausverkauf. Nach Angaben von Lidl umfasst das Projekt eine rund 84 Quadratmeter große Kneipe mit Platz für etwa 60 Gäste. Die Location soll bereits im Sommer dieses Jahres eröffnen.

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Wettbewerber hatten das Vorhaben juristisch angegriffen, scheiterten jedoch vor Gericht, heißt es. Der zuständige Richter stellte demnach klar, dass auch neuartige Geschäftsmodelle zulässig seien.

Teil einer größeren Strategie: Schwarz Gruppe setzt auf Unabhängigkeit

Der Lidl-Pub ist kein Einzelfall, sondern passt in ein Muster der Schwarz-Gruppe aus Neckarsulm (ebenfalls Kreis Heilbronn). Die Muttergesellschaft geht seit Jahren strategisch vor: Ob eigene Reedereien zur Sicherung von Lieferketten, eine interne Digitalsparte zum Schutz vor Cyberangriffen oder nun sogar ein eigener Pub für den Alkoholverkauf - die Schwarz-Gruppe setzt auf maximale Unabhängigkeit.

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