Der Discounter Lidl aus Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) kehrt mit einer speziellen Handtasche in den Bereich der Luxusmode zurück. Nach 2024 gibt es erneut eine Kooperation mit dem New Yorker Designer Nik Bentel. Dieses Mal wurde ein Handtasche aus Edelstahl entworfen, die einem Supermarkt-Einkaufswagen ähnelt. Die streng limitierte Tasche ist für Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn, ein klassischer Marketing-Gag. Unter anderem weil es keinen Preis gibt, keine genaue Stückanzahl und für größtmögliche mediale Aufmerksamkeit sorgen soll.
Handtasche von Designer bald im Supermarkt?
Die Tasche ist aus industriellem Edelstahl gefertigt und hat den identischen Griff wie die Einkaufswagen bei Lidl. Rüschen glaubt nicht, dass das Unternehmen damit in neue Märkte vorstoßen möchte. Es gehe eher darum, Lidl hip und modern darzustellen. Der Discounter stehe für gute Qualität und gute Preise für alle. Die Handtasche gibt es dagegen nur in begrenzter Anzahl und nur zu gewinnen. Dieser Widerspruch führe zu viel Aufmerksamkeit und einem Hype in den sozialen Medien.
Solche Aktionen würden laut Rüschen alle zwei Jahre Sinn machen. Man müsse wissen, ob man Aufmerksamkeit möchte oder einen Massenartikel. Deswegen glaubt der Handelsprofessor auch nicht, dass die Taschen irgendwann in den Laden kommen für einen niedrigen Preis. Das wäre seiner Meinung nach sogar schädlich.
Fashion-Statement von Lidl
Die Idee zur Tasche entstand aus dem Anspruch, alltägliche Gegenstände neu zu denken und in einen modischen Kontext zu setzen, erklärte Lidl auf SWR-Anfrage. Man hätte den klassischen Einkaufswagen in ein humorvolles Fashion-Statement verwandelt. Bereits 2024 arbeitete das Unternehmen mit Nik Bentel zusammen und brachte ein "Croissant Bag" auf den Markt. Das einer klassischen braunen Bäckertüte ähnliche Modell war innerhalb von zwei Minuten ausverkauft.
Das Lidl vergangene Woche die neue Designertasche ausgerechnet an dem Tag vorstellte, an dem das Unternehmen vor dem Landgericht Heilbronn gegen die Verbraucherzentrale verlor, schätzt Rüschen als Zufall ein. Dass das Urteil so schnell kommt, hätte man nicht wissen können.
Mode mit Discounter-Logos im Trend
Grundsätzlich verschwinden die Grenzen zwischen Lebensmittelhandel und Modeindustrie immer mehr. Doch warum tragen Menschen freiwillig das Logo eines Discounters auf der Brust? Laut Professor Rüschen hat das gleich mehrere Gründe: Solche Kleidung würde zum einen von Fans der Handelsmarke gekauft werden, die es "cool finden", die Kleidung dieser Marken zu tragen. Andere bezeichnen das Outfit als "Ugly Fashion" und finden den Widerspruch aus Mode und Lebensmittelmarke ebenfalls „cool“, so Rüschen.
Viele wollen einfach nicht immer "normal" gekleidet "rumlaufen", sondern sie wollen auch mal auffallen.
Gleichzeitig seien die Kleidungsstücke häufig sehr günstig und für alle finanzierbar. Parallel würden die Discounter neue Styles relativ selten auf den Markt bringen, so dass der Eindruck der Verknappung oder Besonderheit entsteht.