Das Stipendium für Medizinstudierende vom Landkreis Heilbronn läuft verhalten an. Über ein Jahr gibt es das Stipendium schon, bisher wurden insgesamt erst rund zwei Drittel aller Plätze vergeben. Die erste Stipendiatin ist Thedora Aras-Brendler, gebürtig aus Heilbronn. Sie studiert aktuell im letzten Semester Medizin in München. Sie hat in ihrem ersten Stipendiums-Jahr hauptsächlich positive Erfahrungen gemacht.
Die Medizinstudentin Thedora Aras-Brendler hat im Interview mit SWR-Reporterin Luisa Funk über ihr Stipendium gesprochen:
Warum sind nicht alle Plätze für das Stipendium vergeben?
Laut Landratsamt Heilbronn haben sich bisher nicht viele Studierende auf das Stipendium beworben. Alle, die die Anforderungen erfüllt haben, haben auch ein Stipendium bekommen, so ein Sprecher. Die Stipendiatin Thedora Aras-Brendler sieht gleich mehrere Gründe, warum sich bisher nicht so viele Studierende beworben haben.
Sie könne verstehen, dass die vielen Anforderungen an die potentiellen Stipendiaten abschreckend wirken. "Ich glaube, es ist immer leichter gedacht, als dann auch wirklich getan, sich zu verpflichten, in einem Landkreis später zu arbeiten - und das für mehrere Jahre." Manchmal hat sie sich durch ihre Verpflichtung für den Landkreis sogar eingeschränkt gefühlt. Anders als ihre Freundinnen hat Aras-Brendler nun keine Wahl mehr, wo sie nach ihrem Studium arbeiten will. Das kann allerdings aus ihrer Sicht auch ein Vorteil sein, da sie dann Planungssicherheit hat.
Es ist immer leichter gesagt als getan sich zu verpflichten in einem Landkreis später zu arbeiten - und das für mehrere Jahre.
Die Medizinstudentin kann aber auch verstehen, dass sich manche nicht an Heilbronn und die Region binden wollen. Gerade wenn man an eine Universitätsklinik oder in die Forschung will, wäre das in der Heilbronner Umgebung nicht möglich.
Ihrer Meinung nach fehle es aber auch an Aufmerksamkeit für das Stipendium. Während ihres Praktikums im Sommer in der SLK-Klinik in Heilbronn habe Aras-Brendler vielen anderen Studierenden von dem Stipendium erzählt. Sie wussten aber nichts davon, so die Stipendiatin.
Viele Vorteile durch Medizinstipendium im Kreis Heilbronn
Thedora Aras-Brendler selbst hat ihre Entscheidung für das Stipendium noch nicht bereut. Die finanzielle Unterstützung habe sie im vergangenen Jahr sehr entlastet. Außerdem sei alles von Seiten des Gesundheitsamtes des Landkreises sehr gut organisiert. Sie habe mit der Koordinatorin eine gute Ansprechpartnerin. "Ich kann mich als Stipendiatin in vielerlei Hinsicht zurücklehnen", erzählt sie. Das vereinfache ihren stressigen Alltag mit Studium, Examensvorbereitung und Doktorarbeit, was Aras-Brendler aktuell alles gleichzeitig stemmt.
Ich kann mich als Stipendiatin in vielerlei Hinsicht zurücklehnen.
Sie könne sich mit allen Fragen an ihre Ansprechpartnerin wenden, egal ob Wohnungssuche, Fragen zum Praktischen Jahr oder der Organisation dahinter. Aras-Brendler kann sich auch vorstellen, dass es leichter wird, später eine Stelle als Assistenzärztin am SLK-Klinikum in Heilbronn zu bekommen. Schließlich sei sie dazu verpflichtet, hier zu arbeiten und auch der Klinikdirektor wisse schon von ihr und dem Stipendium.
Es gibt allerdings eine Sache, die Thedora Aras-Brendler gerne am Stipendium ändern würde. Sie würde gerne nur ein Drittel statt zwei ihres Praktischen Jahres in Heilbronn machen. Es sei organisatorisch schwierig, den Großteil nicht dort zu absolvieren, wo man eingeschrieben ist. Die Prüfung nach der Praxisphase muss sie in München machen. Darin sieht sie leichte Nachteile, weil sie zum Beispiel ihre Prüfer dann nicht so gut kennen würde.
Medizinstipendiaten des Kreises Heilbronn vernetzen sich untereinander
Auch der Kontakt zu den anderen Stipendiaten sei sehr gut. Seit Mitte des Jahres sollen nun alle drei Monate Treffen stattfinden, bei denen sie sich austauschen können. Organisiert wird das vom Landratsamt. Beim ersten Treffen sind sie in einem Restaurant gewesen, erzählt Thedora Aras-Brendler. Außerdem war eine Ärztin vom Gesundheitsamt dabei, die von ihrer Arbeit erzählt hat. Das sei für alle interessant gewesen: "Diesen Fachbereich hatten wir, glaube ich, alle noch nicht auf dem Schirm."
Während ihres Praktikums am Klinikum im Sommer hat Aras-Brendler mehrere der Stipendiaten getroffen. "Das war super schön, dann im Klinikum nicht ganz alleine zu sein in der Mittagspause." Alle seien sehr sympathisch.
Wir sind eine bunte Truppe. Alle sind sehr sympathisch.
Stipendium hat das Studierendenleben beeinflusst
Das Stipendium hat Auswirkungen auf das Studierendenleben von Thedora Aras-Brendler. Sie habe durch die finanzielle Unterstützung nicht mehr das Gefühl, arbeiten gehen zu müssen. Dadurch sei alles entspannter geworden. Sie selbst hat aber durch das Stipendium auch medial Aufmerksamkeit bekommen. Neben Interviews hat sie schon bei Drehs mitgewirkt, zum Beispiel für eine Krankenkasse. Dort hat sie über das Stipendium, ihr Studium und den Kreis Heilbronn gesprochen und erklärt, warum sie hier arbeiten will.
Erste Medizin-Stipendiatin im Landkreis Heilbronn Gegen den Ärztemangel: Stipendium lockt aufs Land
Thedora Aras will nach ihrem Medizinstudium in Heilbronn als Ärztin praktizieren. Sie bekommt als Erste ein Stipendium vom Landkreis, das Studierende wie sie unterstützt.
Für Thedora Aras-Brendler geht es jetzt in den Endspurt ihres Studiums. Ab Mai startet sie in ihr Praktisches Jahr. Spätestens im Sommer will sie dafür nach Heilbronn umziehen. Sie hofft, dann eine Assistenzarztstelle am SLK-Klinikum zu bekommen. Für sie ist es ein Traumjob, denn das Krankenhaus ist ein Maximalversorger.
In welche Fachrichtung es für die junge Frau gehen soll, weiß sie noch nicht genau. Noch schwankt sie zwischen Kindeheilkunde, Frauenheilkunde und Innerer Medizin.