Immer wieder landen Abfälle genau dort, wo sie nicht hingehören - am Waldrand, auf Feldwegen oder abgelegenen Parkplätzen. Für Städte und Landkreise in Heilbronn-Franken ist das längst kein Randphänomen mehr, sondern ein wiederkehrendes Problem. Denn offenbar nutzen manche die Natur oder öffentliche Flächen gezielt, um ihren Müll möglichst unkompliziert und kostengünstig loszuwerden. Jetzt reagieren die Kommunen.
Immer mehr Müll in der Natur
Illegal entsorgter Müll bedeutet für die Städte und Gemeinden vor allem eines: Mehr Arbeit und mehr Kosten. Eine Mammutaufgabe für die Straßenmeistereien. Denn die müssen Böschungen entlang von Bundes-, Landes- und Kreisstraßen regelmäßig von Abfällen befreien. Besonders im Frühjahr, wenn Menschen wieder mehr draußen unterwegs sind, häuften sich die Fälle.
Aus der Stadt Neckarsulm (Kreis Heilbronn) heißt es, dass achtlos weggeworfener Müll spürbar zunehme. Deshalb gilt es zu handeln. Und so setzen die Städte auf neue Ideen und gezielte Angebote, um typische Problemabfälle besser in den Griff zu bekommen: In Öhringen (Hohenlohekreis) gibt es etwa spezielle Mülleimer für E-Zigaretten und sogar für Pizzakartons.
Außerdem wird in mehreren Städten, darunter auch Heilbronn, verstärkt auf Videoüberwachung gesetzt, vor allem an Recyclinghöfen. Ziel sei es, illegale Ablagerungen zu verhindern und mögliche Verursacher leichter zu identifizieren.
Immer wieder illegaler Müll abgelegt Mit Kameras gegen Müllsünder? Heilbronn prüft Ausweitung der Videoüberwachung
Die Stadt Heilbronn prüft aktuell, die Videoüberwachung im öffentlichen Raum auszuweiten. Nach einem Landtagsbeschluss dürfen Kommunen mehr Kameras einsetzen.
Kreative Lösungen: "Fangprämie" für Müllsünder
Besonders ungewöhnlich geht allerdings der Main-Tauber-Kreis vor: Dort wurde jetzt eine "Fangprämie" eingeführt. Wer dabei hilft, Müllsünder zu überführen, kann mit rund 150 Euro belohnt werden. Denn das größte Problem bleibt: die Täter zu erwischen. Oft gelingt das nur, wenn sie auf frischer Tat ertappt werden - ein schwieriges Unterfangen für die Behörden.
Deshalb wird die Beteiligung am "Detektivspielen" so weit es geht erleichtert - zumindest im Kreis Schwäbisch Hall. Denn dort können illegale Müllablagerungen sogar per App gemeldet werden, damit die Behörden noch schneller reagieren können.
Doch nicht nur, wer als Detektiv tätig wird, kann helfen: Viele Städte wie Neckarsulm und Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall), aber auch einzelne Stadtteile organisieren regelmäßig Stadtputzaktionen, bei denen Bürgerinnen und Bürger gemeinsam ihre Viertel von Abfällen befreien. Erst vor wenigen Tagen war das beispielsweise in Heilbronn-Klingenberg der Fall. Denn nicht nur die Müllberge sorgen für Ärger und Arbeit, sondern auch das achtlose Wegwerfen von kleinen Zigarettenstummeln.
Ideen, Apps und ein Appel
Genau deshalb setzt man in Neckarsulm vor allem auf Aufklärung: Mit einer breit angelegten Werbekampagne auf Bannern, Plakaten und städtischen Medienkanälen wirbt die Stadt für eine saubere Umgebung und ruft dazu auf, Abfälle konsequent ordnungsgemäß zu entsorgen. Und die geheime Hoffnung in Neckarsulm: Dass die Menschen - einfach mal so - gelegentlich kleinen Müll aufheben und im nächsten öffentlichen Abfallbehälter entsorgen.