"Wachsendes Gedenken" für in Heilbronn 2007 ermordete Polizistin

Demokratie-Bündnis aus Zwickau spendet Gedenkbaum für Kiesewetter

Das Zwickauer Bündnis für Demokratie und Toleranz hat der Heilbronner Polizei einen Gedenkbaum geschenkt. Das Bündnis "Heilbronn sagt Nein" hätte sich einen anderen Platz gewünscht.

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Stand

Am neuen Heilbronner Polizeipräsidium ist am Montag ein Gedenkbaum für die vom Nationalsozialistischen Untergrund, kurz NSU, erschossene Polizistin Michèle Kiesewetter gepflanzt worden. Der Tag wurde bewusst gewählt, da die getötete Polizistin am Montag 38 Jahre alt gewordenn wäre.

Der Baum wurde von den Initiatoren der Aktion "Wachsendes Gedenken" gespendet, dem Zwickauer Bündnis für Demokratie und Toleranz. René Hahn und Jakob Springfeld vom Bündnis waren dafür extra am frühen Morgen aus Sachsen angereist. In anderen Städten, in denen Menschen vom NSU ermordet wurden, stehen ebenfalls Gedenkbäume.

Aktion "Wachsendes Gedenken"

Die Aktion "Wachsendes Gedenken" wurde vom Bündnis für Demokratie und Toleranz in Zwickau ins Leben gerufen. In Zwickau hatte das NSU-Trio lange gelebt. Ein für den Blumenhändler Enver Şimşek gepflanzter Baum in Zwickau wurde 2019 geschändet. Auch ein Gedenkzeichen (Holzbank), welches als Ersatz dienen sollte, wurde kurz darauf beschädigt. Die Taten hatten bundesweit für Empörung gesorgt, aber auch eine Welle der Solidarität mit den Opfern ausgelöst. Inzwischen sei der Ort in Zwickau sehr gut angenommen, sagte René Hahn vom Zwickauer Bündnis.

Baum steht im Schutz der Polizei

Die "Blauglocke" steht nun auf einem Platz zwischen dem Heilbronner Finanzamt und dem Neubau des Heilbronner Polizeipräsidiums. Dort erinnert nun auch eine Stele an die vor 15 Jahren ermordete Polizistin, sowie für die neun weiteren NSU-Opfer. Silke Ortwein vom Bündnis "Heilbronn sagt Nein" hätte sich einen öffentlicheren Ort gewünscht - versteht aber auch, dass es diese Stelle geworden ist.

"Schade! [...] Da sind wenige Menschen, die diesen Durchgang nutzen. Die andere Seite ist, dass es ein geschützter Platz ist. Direkt hinter dem Polizeipräsidium muss man nicht davon ausgehen, dass dieser Baum gefällt wird."

Der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) sagte, der 25. April 2007 habe sich ins Gedächtnis der Stadt eingebrannt. Bei den Bürgerinnen und Bürgern sei der Tag bis heute sehr präsent.

"Diese Tat ist für uns alle eine Mahnung, für Demokratie einzutreten und gegen jede Form von Gewalt und Extremismus."

Michèle Kiesewetter war am 25. April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese ermordet worden, ihr Kollege wurde schwer verletzt. Nach jahrelangen Ermittlungen konnte die Tat der rechtsextremen Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund, kurz NSU, zugeordnet werden.

Baumpflanzaktion Kiesewetter
Silke Ortwein vom Bündnis Heilbronn sagt Nein unterhält sich mit René Hahn und Jakob Springfeld vom Zwickauer Bündnis für Demokratie und Toleranz.

Dieser hatte zwischen 2000 und 2007 in Deutschland mindestens zehn Menschen, darunter Michèle Kiesewetter, getötet. Bis heute sind viele Fragen zur Heilbronner Tat nach wie vor ungeklärt. Etwa ob es Helfer gab und wie der Mord genau geplant wurde.

"Dieser Baum wird ungefähr zehn bis fünfzehn Meter hoch, blüht blau im Frühjahr, ist ein Hingucker. Insofern, wenn man an diesem Platz daran vorbeiläuft, wird man hinschauen."

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