Novum in den SLK-Kliniken Heilbronn

Zwischen Pflege und Arzt: Wie eine 29-jährige Physician Assistant den Klinikalltag verändert

Sie wirkt auf Patienten wie eine Ärztin, ist aber keine: In Heilbronn zeigt eine 29-Jährige, wie der neue Job Physician Assistant die Klinikarbeit verändert und Ärzte entlastet.

Teilen

Stand

In den Heilbronner SLK-Kliniken läuft derzeit eine kleine Premiere: Zum ersten Mal arbeitet dort eine Physician Assistant (PA) im hochsensiblen Intensivbereich. Für viele Patientinnen und Patienten wirkt Caroline Wotsch auf den ersten Blick wie eine Ärztin. Tatsächlich gehört sie zu einem Berufsbild, das im deutschen Gesundheitswesen noch jung ist, sich aber vermutlich rasant etablieren wird.

Physician Assistant: Ein neuer Beruf am Patientenbett

Die 29-jährige Caroline Wotsch ist eine der ersten Master-Absolventinnen Deutschlands in diesem Bereich. Sie übernimmt viele Aufgaben, die früher fast ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten waren: Patientenuntersuchungen, Ultraschall, Punktionen oder das Legen von Kathetern.

Doch wichtig: Sie befindet sich immer in enger Abstimmung mit dem ärztlichen Team. Denn ihrer Arbeit sind klare Grenzen gesetzt, berichtet sie. Bestimmte Tätigkeiten seien dem Arzt oder der Ärztin vorbehalten.

Beispielsweise die Gabe von Bluttransfusionen, Indikationsstellungen oder Therapieentscheidungen. Das sind alles Sachen, die nur der Arzt machen darf. 

Physician Assistent
Caroline Wotsch übernimmt viele Aufgaben, die früher fast ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten waren: Patientenuntersuchungen wie zum Beispiel Ultraschall.

Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen bespricht Caroline Wotsch im Anschluss immer mit einem Arzt oder einer Ärztin. Die Verantwortung bleibt dort. Doch auch wenn Physician Assistants keine Ärzte sind - sie dürfen deutlich mehr als klassische Pflegekräfte. Und ganz nebenbei: Auch der Verdienst von monatlich rund 5.500 Euro brutto sei deutlich besser als in der Pflege.

Rund 3.000 Physician Assistants in Praxen und Kliniken

Für Caroline Wotsch war auch das Gehalt bei der Berufswahl ausschlaggebend, aber auch die Mischung aus Verantwortung und Teamarbeit, die den Beruf attraktiv mache. "Man kann mit dem Patienten arbeiten, [...] es ist nicht dieses Aufgaben-Abarbeiten, sondern das aktive Mitdenken, medizinische Zusammenhänge verstehen und sehen." Es sei ein "Hand-in-Hand-Arbeiten mit der Pflege und mit den Ärzten zusammen".

Deutschlandweit arbeiten inzwischen rund 3.000 Physician Assistants in Praxen und Kliniken - Tendenz steigend. Wichtig vor allem vor dem Hintergrund, dass nach Einschätzung der Bundesärztekammer dem deutschen Gesundheitssystem durch den demografischen Wandel in den kommenden Jahren rund 100.000 Ärztinnen und Ärzte fehlen könnten.

Und so ist die Idee hinter dem Berufsbild PA klar: Ärztinnen und Ärzte sollen sich stärker auf komplexe medizinische Entscheidungen konzentrieren können, während delegierbare Aufgaben vom Physician Assistant übernommen werden, erklärt Marcus Hennersdorf, Professor an den SLK-Kliniken.

Wir erkennen, dass eine wertvolle Entlastung des ärztlichen Personals stattfindet. Es werden Kapazitäten frei, die anderweitig eingesetzt werden können.

Physician Assistent
Marcus Hennersdorf und Caroline Wotsch bei der Arbeit. Wichtig sei immer die Absprache mit dem leitenden Arzt, der im Zweifel auch haftet.

Billige Arbeitskraft? Entlastung für ein System unter Druck

Auch wirtschaftlich sei der Effekt relevant: Ein Arzt in Ausbildung kostet Kliniken im Schnitt etwa dreimal so viel wie ein Physician Assistant - bei deutlich längerer Ausbildungszeit. Die PAs sind also günstiger als Assistenz-Ärzte. Doch, so die Mahnung, das dürfe nicht dazu führen, dass man Ärztinnen und Ärzte wegspart.

So dynamisch der Beruf wächst, so unklar ist noch der rechtliche Rahmen. Gesundheitsökonom Jan-Marc Hodek von der RWU Hochschule Ravensburg-Weingarten kritisiert, die Studieninhalte seien noch nicht vereinheitlicht und es gebe bislang kein einheitliches Berufsrecht. Dadurch sei nicht klar geregelt, welche Aufgaben bundesweit verbindlich übernommen werden dürfen.

Aktuell definieren Kliniken und Praxen die Rolle selbst. Das wiederum sorge teils für Spannungen im Team, wenn Zuständigkeiten neu verteilt werden. Die Entwicklung ist dennoch eindeutig: Der Marburger Bund - nach eigenen Angaben der größte deutsche Ärzteverband - geht davon aus, dass sich die Zahl der Physician Assistants in den kommenden Jahren stark erhöhen könnte - langfristig auf bis zu 30.000.

Heilbronn

Expertin rät zur Impfung Zecken-Saison: Niedrige Impfquoten aber auch geringe Fallzahlen

Baden-Württemberg ist Zecken-Hotspot. Dennoch ist die Impfquote im Land niedrig. Doch zumindest in der Region Heilbronn-Franken sind auch die Fallzahlen gering.

Öhringen

"Da entsteht eine große Lücke" Aus für Babylotsin in Öhringen: Keine Beratung mehr für Eltern nach der Geburt

Am Hohenloher Krankenhaus in Öhringen muss das Projekt "Babylotsin" vorerst eingestellt werden, weil das Geld fehlt. Dabei ist der Bedarf an Beratung nach der Geburt hoch.

Schwäbisch Hall

Immer mehr Schüler mit psychischen Auffälligkeiten Zwischen Druck und Panik: Wie ein Schwäbisch Haller Verein abwesenden Schülern hilft

Stress und psychische Belastungen in den Schulen sind hoch. In Schwäbisch Hall hilft ein Verein betroffenen Schülern, die wegen seelischer Probleme nicht zur Schule gehen können.

Heilbronn/Calw

Wichtiger Austausch zwischen Militär und zivilem Gesundheitswesen Wie versorgt man verletzte Soldaten? Großübung von Bundeswehr und SLK-Kliniken

Gemeinsam mit der Bundeswehr haben die SLK-Kliniken Heilbronn den Ernstfall geprobt. Im Kriegsfall kommt den zivilen Krankenhäusern in Baden-Württemberg eine wesentliche Rolle zu.

Heilbronn

Es droht der Verlust der Zulassung Mindestens 25 Frühchen pro Jahr? Heilbronner SLK-Kliniken kritisieren Frühgeborenen-Quote

Die Heilbronner SLK-Kliniken kritisieren die Mindestquote für Frühgeborene in Krankenhäusern. Denn werden nicht genug Frühchen geboren, verliert das Krankenhaus die Zulassung.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Heilbronn

Reform der Pflegeberufe Heilbronner Kinderklinik sieht Defizite in der Ausbildung

Seit einer Reform der Pflegeausbildung spürt die Heilbronner Kinderklinik Defizite bei neuen Absolventen. Sie will neue Fachkräfte auf eigene Kosten nachqualifizieren.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Onlinefassung
Ulrike Schirmer
Ulrike Schirmer

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!