Es war ein Flug, der offenbar ganz routinemäßig beginnen sollte - und nur wenig später tödlich endete. Doch warum stürzte das Ultraleichtflugzeug bei Dörzbach-Hohebach (Hohenlohekreis) nur wenige hundert Meter nach dem Start ab? Nach über zwei Jahren hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ihren Bericht veröffentlicht. Darin zeichnen die Ermittler die letzten Stunden des 47-jährigen Piloten nach - und stoßen dabei auf mehrere auffällige Details.
Pilot stirbt bei Absturz von Ultraleichtflugzeug
Der 47-jährige Pilot war am 19. März 2024 ums Leben gekommen. Vom Sonderlandeplatz Hohebach wollte er am frühen Morgen zu einem Seminar im Rahmen seiner Ausbildung zum Prüfer ins bayrische Kulmbach fliegen. Doch am Ziel kam er nie an.
Als seine Lebensgefährtin ihn am Abend nicht erreichen konnte, wurde eine groß angelegte Suche eingeleitet. Stunden später, gegen 22:45 Uhr, fanden Einsatzkräfte das ausgebrannte Wrack des Ultraleichtflugzeugs nahe des Flugplatzes.
Die Unfallstelle lag laut BFU nur rund 180 Meter entfernt. Die Maschine war gegen einen etwa 20 Meter hohen Baum geprallt und anschließend in Flammen aufgegangen. Für den Piloten kam jede Hilfe zu spät.
War Nebel rund um Dörzbach der Grund für den Flugzeugabsturz?
Die Ermittler fanden keine Hinweise darauf, dass das Rettungssystem ausgelöst wurde. Auch Flugdaten standen nicht zur Verfügung. Das Ultraleichtflugzeug war weder mit einem Flugdatenschreiber noch mit einem Notsendesystem ausgestattet. Selbst Radardaten zum Flug existieren laut Bericht nicht.
Im Verlauf der Untersuchung bekam dann vor allem das Wetter eine zentrale Rolle. Demnach herrschte rund um den Flugplatz dichter Nebel. Wetterstationen in Niederstetten (Main-Tauber-Kreis) und Öhringen (Hohenlohekreis) meldeten am Morgen Sichtweiten von lediglich 100 Metern. Zeugen aus der Umgebung berichteten sogar von noch schlechteren Bedingungen.
Auch die Lebensgefährtin des Piloten hatte sich offenbar Sorgen gemacht. Kurz vor dem geplanten Abflug schrieb sie ihm eine Nachricht und fragte, ob es nicht zu neblig zum Fliegen sei. Eine Antwort erhielt sie nicht mehr. Hinweise darauf, dass der Pilot vor dem Flug eine Wetterberatung eingeholt hatte, fanden die Ermittler nicht.
Bericht nennt weitere Auffälligkeiten
Der BFU-Bericht zeigt außerdem mehrere Unregelmäßigkeiten rund um den Flugbetrieb am Sonderlandeplatz Hohebach auf. So konnten während der Untersuchung weder ein Flugleiter noch eine vorgeschriebene Hilfsperson festgestellt werden. Diese seien aber vorgeschrieben, heißt es im Bericht.
Zudem fehlte für den Unfalltag ein Eintrag im Hauptflugbuch des Flugplatzes. Spuren auf der Start- und Landebahn deuten laut BFU aber darauf hin, dass das Ultraleichtflugzeug gestartet war. Generell auffällig sei außerdem, dass das verunglückte Flugzeug offenbar deutlich häufiger genutzt wurde, als es die vorhandenen Aufzeichnungen vermuten lassen. Zeugen erklärten, die Maschine sei regelmäßig geflogen worden, obwohl dies im Hauptflugbuch nicht dokumentiert gewesen sei.
Auch zur tatsächlichen Flugerfahrung des Piloten konnten die Ermittler keine abschließenden Angaben machen. Das persönliche Flugbuch lag der BFU nicht vor. Auf einem Antrag für ein Tauglichkeitszeugnis hatte der 47-Jährige Anfang 2024 insgesamt 153 Flugstunden angegeben.
BFU verweist auf ähnliche Fälle
Eine konkrete Ursache benennt die BFU in ihrem Bericht nicht. Die Untersuchung wurde ausdrücklich "ohne Analyse und Schlussfolgerung" abgeschlossen. Allerdings verweist die Behörde darauf, dass es immer wieder zu schweren Flugunfällen kommt, wenn Piloten bei schlechten Sicht- und Wetterverhältnissen starten. In der BFU-Datenbank finden sich laut Bericht mehrere vergleichbare Fälle, bei denen Piloten trotz Nebels gestartet waren und kurz darauf abstürzten.
Was genau sich an jenem Morgen bei Dörzbach abgespielt hat, bleibt damit auch nach mehr als zwei Jahren in Teilen ungeklärt.