Die Ausweisdokumente sind echt gewesen, der Führerschein-Prüfling allerdings nicht der Richtige. Auf diese Art und Weise soll ein bundesweit agierendes Netzwerk gearbeitet haben, das bei einer Großrazzia im Sommer von der Polizei zerschlagen wurde. Teil dieser Organisation soll auch ein 35-jähriger Mann gewesen sein. Er hat sich laut Staatsanwaltschaft für andere ausgegeben und stellvertretend ihre Theorie-Prüfung abgelegt. Dafür wurde er am Montag vom Amtsgericht Heilbronn zu drei Jahren Haft verurteilt.
Schnelles Urteil durch Geständnis des Angeklagten
Der Angeklagte gestand schnell: Er soll seit März dieses Jahres in zehn Fällen beauftragt worden sein, die Theorie-Prüfungen anderer Fahrschüler anzutreten. Unter anderem in Eppingen (Kreis Heilbronn), aber auch an weiteren Orten in Baden-Württemberg. Er selbst habe die Prüfungen auf Arabisch abgelegt. Dafür soll er eigenen Angaben zufolge jeweils 800 Euro bekommen haben.
Grundsätzlich wurden die Ersatz-Prüflinge in solchen Fällen von einer Fahrschule kontaktiert. Vor Ort beim TÜV gaben sie sich dann als der entsprechende Fahrschüler aus. Dafür hatten sie auch deren echten Ausweisdokumente dabei. Fiel der Betrug dem TÜV-Prüfer nicht auf, legte der Stellvertreter-Prüfling anschließend am vorgesehenen Platz den Theorie-Test ab.
Außerdem sollen die Drahtzieher vorab abgeklopft haben, welcher Prüfer im Einsatz ist. Manche Fake-Aktion wurden sonst auch kurzfristig abgebrochen. So auch bei Fällen des Angeklagten.
Illegales Netzwerk und Betrug bei Führerscheinprüfung: Drei Jahre für den Stellvertreter-Prüfling
Beim Prozess gegen den 35-Jährigen sind sich alle einig: Stellvertreter-Prüflinge wie er bilden das unterste Glied des illegalen Betrug-Netzwerks. Dennoch habe der Angeklagte mit seinen Taten Menschen im Straßenverkehr gefährdet. Denn nun seien auf den Straßen Menschen unterwegs, die mutmaßlich die Verkehrsregeln nicht ausreichend kennen.
Solche Vorgehensweisen wie die Stellvertreter-Prüfung müssten deshalb Nachahmer abschrecken. Wegen Fälschung und Missbrauch von Ausweispapieren wurde der Angeklagte deshalb zu einer Haftstrafe verurteilt. Auch weil der Angeklagte im April bei einem Betrugsversuch in Deggendorf (Bayern) erwischt und zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.
Bei der Großrazzia im Sommer ging den Ermittlern damals auch eine Fahrschule aus Heilbronn ins Netz. Die hatte aus einem deutschlandweiten Pool passende, ähnlich aussehende Stellvertreter ausgewählt. Dazu gibt es aber einen separaten Prozess.