Kreis Schwäbisch Hall will Zuschüsse halbieren

Mehr Straftaten von Kindern: Soll trotzdem bei Schulsozialarbeit gespart werden?

Der Kreis Schwäbisch Hall will offenbar seine Zuschüsse für die Schulsozialarbeit halbieren. Auch andere Kreise schließen Kürzungen nicht aus. Experten warnen vor Folgen.

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Von Autor/in Raphael Moos

In Gaildorf (Kreis Schwäbisch Hall) steht die Schulsozialarbeit an den Grundschulen auf der Kippe. Denn der Kreistag will laut Stadt seine Förderzuschüsse für die Angebote halbieren. Wie es weiter geht, will der Gemeinderat noch im Mai entscheiden. Tendenziell haben die Stadt- und Landkreise in Heilbronn-Franken in den vergangenen Jahren ihre Förderungen eher aufgestockt. Doch die Kassen sind leer, nun schließen sie Kürzungen in den kommenden Jahren nicht mehr aus.

Dabei sei die Schulsozialarbeit ein zentraler Baustein zur Prävention von Gewalt, mahnt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Baden-Württemberg. Insbesondere in der Grundschule würden entscheidende Grundlagen für soziales Verhalten, Konfliktfähigkeit und emotionale Stabilität gelegt. Angesichts einer steigenden Zahl von tatverdächtigen Kindern seien solche Überlegungen das falsche Signal, so der VBE. In der Stadt Heilbronn zum Beispiel hat sich die Zahl tatverdächtiger Kinder bei der Gewaltkriminalität im vergangenen Jahr verdoppelt.

Forscherin: Nutzen von Schulsozialarbeit höher als Kosten

Die Forscherin Katharina Drescher hat Kosten und Nutzen von Schulsozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren untersucht. Sie sagt, die Förderung verursache zwar Kosten, der gesellschaftliche Nutzen sei aber deutlich höher.

Meine Ergebnisse zeigen, dass Schulsozialarbeit Jugendkriminalität reduziert.

Dadurch sinken nicht nur die Kosten für das Justizsystem, sondern auch für andere Bereiche. Denn Opfer von Gewalt leiden häufig unter langfristigen Folgen, etwa in Form geringerer Einkommen oder gesundheitlicher Beeinträchtigungen, so Drescher.

Land hat den Zuschuss für Schulsozialarbeit gedeckelt

In Heilbronn hat der Gemeinderat die Schulsozialarbeit im Jahr 2024 deutlich aufgestockt. Eigentlich wollte das Land ein Drittel der Kosten übernehmen, doch der Betrag sei gedeckelt worden, ärgert sich Amtsleiter Achim Bocher. Konkret habe die Stadt keine Kürzungspläne, aber man erwarte von der neuen Landesregierung ein klares Bekenntnis zu diesem Angebot an den Schulen.

Der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg sieht in der Schulsozialarbeit ebenfalls einen Baustein zur Vorbeugung von Gewalt. Allerdings sei es einer von mehreren. Er weist darauf hin, dass die Entstehung von Gewaltkriminalität vielfältige Ursachen haben kann und nicht allein vom Umfang an Fördermitteln für die Schulsozialarbeit abhänge.

Wie genau die Kürzungen im Kreis Schwäbisch Hall aussehen sollen, ist noch unklar. Die aktuelle Förderrichtlinie sei von 2008 und werde derzeit von der Verwaltung überarbeitet, teilte eine Sprecherin dem SWR mit. In Gaildorf gibt es bislang fünf Stellen für die Schulsozialarbeit. Die Stadt geht davon aus, dass sie nur noch 2,5 unterhalten können wird. Die sollen sich dann auf die weiterführenden Schulen konzentrieren. Eine Entscheidung soll am 20. Mai im Gemeinderat fallen.

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