Ausbildungszahlen im Handwerk steigen

Grabstein oder Gartenskulptur: Beruf Steinmetz im Umbruch

Die Zahl der Azubis im Handwerk ist leicht gestiegen - steigt damit auch die Wertschätzung echter Handarbeit? Nachgefragt bei einem Steinmetz in Heilbronn.

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Von Autor/in Peter Wedig

Früher waren sie zu acht im Betrieb, heute sind sie noch zu viert, erzählt Steinmetz Rainer Bergmann in seiner Werkstatt am Heilbronner Hauptfriedhof. Die Friedhofskultur habe sich gewandelt, die Nachfrage nach dem aufwendigen Grabmal sinkt. Noch dazu gibt es die Grabsteine zuweilen billiger aus China oder Indien. Echte Handarbeit? Darauf kommt es vielen Kundinnen und Kunden immer weniger an, sagt Bergmann.

Schlechte Aussichten für das Handwerk? So düster schätzt Steinmetz Bergmann die Lage nicht ein. Statt des Grabsteins auf dem Friedhof gibt es mehr Skulpturen in den Gärten. Bei Sanierungen geht die Arbeit für den Steinmetz ebenfalls nicht aus. Und seit langer Zeit sieht es wieder gut beim Nachwuchs aus: Die Handwerkskammer (HWK) Heilbronn-Franken meldet eine steigende Zahl an Azubis.

Ausbildungszahlen steigen erstmals wieder

Die Steigerung ist zwar gering - ein Plus von 0,6 Prozent - aber es ist die erste Steigerung seit Langem. Das ist ein "Licht am Ende des Tunnels", sagt Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Fast die Hälfte der Ausbildungsanfängerinnen und - anfänger entfällt auf den Bereich Elektro und Metall, danach folgen Bau und kaufmännische Berufe.

Konkret sind der Kraftfahrzeugmechatroniker und die Kraftfahrzeugmechatronikerin am beliebtesten, vor der Anlagenmechanikerin und dem Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, geht aus Zahlen der HWK hervor. Auch mit dem Elektroniker und der Elektronikerin auf Platz drei zeige sich, wie zukunftsfähig und unverzichtbar das Handwerk bei der Energie- und Mobilitätswende sei, heißt es von der Kammer weiter.

Berufe wie Steinmetz punkten mit künstlerischer Freiheit

In eben diesen beliebten Branchen ist der Steinmetz zwar nicht aktiv. Dafür könne man mit der gestalterischen Freiheit punkten, findet Steinmetz Bergmann. Vor der Werkstatt stehen reihenweise aufwendige Grabsteine und Skulpturen. Die sind allerdings immer weniger gefragt. Als er in den siebziger Jahren angefangen habe, erzählt Bergmann, gab es noch rund zwei Drittel Bestattungen im Sarg und ein Drittel in der Urne. Das habe sich mittlerweile gedreht.

Steinmetz Heilbronn Handwerk
Steine für Urnenbestattungen sind kleiner - können aber trotzdem aufwendige Handarbeit bedeuten.

Dazu kommen noch alternative Bestattungsformen wie der Friedwald, in denen es zuweilen außer einer Plakette gar kein Grabmal mehr gibt. Oder die Urnen werden in einem Kolumbarium aufbewahrt, einer Wand oder einem kleinen Bauwerk mit einzelnen Fächern. Heißt aber nicht, dass beispielsweise bei der Urne keine aufwendige Arbeit möglich sei. Der Stein ist zwar kleiner, aber ein Mix verschiedener Materialien oder eine von Hand rausgehauene Schrift bedeuten trotzdem einen hohen Arbeitsaufwand.

Handarbeit bevorzugt

Und die erfolgt immer noch meist klassisch per Hand, erklärt Bergmann, während er mit dem Scharriereisen, einem Meisel, einen Stein für eine Gebäudefassade bearbeitet. Durch den Schlag soll der sogenannte Bossenstein besonders gut aussehen. Zwar könnte man die Struktur auch mit einer kleinen Flex fräsen. Aber das sei letztlich sogar aufwendiger, erklärt Bergmann. Von Hand sei der Hieb außerdem schöner. Also schlägt er unzählige Male mit dem Knüpfel, einer Art Hammer mit einem runden Kopf, zu.

Nachfolge bei Bergmann ist gesichert

Draußen verladen derweil Rouven Bergmann und Andreas Weis einen Stein auf den Lieferwagen. Die beiden sind Sohn und Neffe von Rainer Bergmann und werden den Betrieb weiterführen. Die Nachfolge ist also gesichert - keine Selbstverständlichkeit in vielen Handwerksbetrieben.

Steinmetz Heilbronn Handwerk
Rouven Bergmann und Andreas Weis werden den Betrieb weiterführen. Für 2026 ist das 70-jährige Jubiläum geplant.

Auch die beiden beobachten, dass sich die Nachfrage ändert: Steine zur Dekoration im heimischen Garten werden immer beliebter. Das habe insbesondere seit Corona zugenommen. Da habe man es wohl einfach zu Hause schön haben wollen, denkt Weis. Das gleiche auch ungefähr die gesunkene Nachfrage an Grabmälern aus.

Arbeit für Steinmetze geht nicht aus

Gerade kurz vor Ostern geht die Arbeit für die Steinmetze nicht aus. Das Frühjahr ist beliebt dafür, dass Gräber hergerichtet werden müssen. Oder bei Sanierungen, wie es Ralf Rothenburger von der HWK formuliert: Wenn der Steinmetz an der Heilbronner Kilianskirche oben fertig ist, kann er unten direkt wieder anfangen.

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