Hunderte und Aberhunderte Katzen - und das jedes Jahr: So viele Tiere nehmen die Tierschutzvereine aus Heilbronn-Franken mittlerweile auf. Sie würden geradezu überschwemmt und stünden am Limit des Möglichen. Das berichten mehrere Tierschutzvereine unabhängig von einander dem SWR. Sie pochen deshalb auf Katzenschutzverordnungen - das Crailsheimer Tierheim feiert nun die erfolgreiche Durchsetzung.
Crailsheim führt Katzenschutzverordnung ein: Tierheim "dankbar für die Einsicht"
Wer in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) eine Freigängerkatze hat, muss sie ab August verpflichtend kastrieren, kennzeichnen und registrieren lassen. Das soll verhindern, dass sich die Tiere unkontrolliert vermehren. Laut der Stadt soll damit langfristig neben der Katzenpopulation auch die Ausbreitung bestimmter Katzenkrankheiten eingedämmt werden. Im Frühjahr haben auch Wittighausen im Main-Tauber-Kreis und die Stadt Heilbronn Katzenschutzverordnungen beschlossen.
Die Vorsitzende des Crailsheimer Tierschutzvereins, Claudia Hofmann, zeigt sich erleichtert über die Einführung der Katzenschutzverordnung: "Wir sehen das als einen riesigen Fortschritt (...) und sind dankbar, dass die Einsicht da war." Denn wie vielerorts arte auch in Crailsheim die Katzenpopulation aus. In den letzten vier Jahren haben sie einen Anstieg von 70 Prozent verbucht.
Vor allem seit der Erhöhung der Tierarztkosten in 2022 beobachtet Hofmann den enormen Anstieg an Katzen. Mit der neuen Katzenschutzverordnung habe man als Tierheim nun ganz neue Möglichkeiten. Denn Besitzerinnen und Besitzern können sich nun nicht mehr weigern, ihre Hauskatzen kastrieren zu lassen. Um Streuner zu kastrieren, sei man aber weiterhin auf Spenden angewiesen.
1.100 Katzen in einem Jahr: Tierheime in Heilbronn-Franken am Limit
Nicht nur dem Crailsheimer Tierheim macht die aktuelle Katzenpopulation zu schaffen. Trotz Umzug in einen größeren Neubau ist auch das Tierheim in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) schon wieder rappelvoll. Das berichtet die zweite Vorsitzende Jasmin Paul. Gerade könnten deshalb keine Katzen mehr aufgenommen werden.
Auch beim Heilbronner Tierschutzverein sind die vielen Katzen Dauerthema. Allein letztes Jahr haben sie sogar über 1.100 Katzen aufgenommen, berichtet die Vorsitzende Silke Anders. Finanziell und aus Platzgründen sei das in der Form schon lang nicht mehr zu stemmen.
Seit 2021 setzt sie sich deshalb für eine flächendeckende Katzenschutzverordnung im Kreis Heilbronn ein. Bisher ohne Erfolg: Trotz regelmäßiger Treffen mit den Kommunen und den berichteten Zuständen verweigern viele Kommunen eine solche Regelung, erklärt Anders. Manche würden bezweifeln, wie viel eine solche Regelung tatsächlich bringe oder argumentieren, es gäbe kein Katzenproblem.
Forderung nach einer flächendeckenden Katzenschutzverordnung
Doch der jährliche Katzenschutzreport zeigt anderes: Laut diesem leben in Deutschland unbemerkt schätzungsweise weit über zwei Millionen Katzen auf der Straße. Der Bericht zeigt auch, wie effektiv Katzenschutzverordnungen sein können, beispielsweise in Osnabrück in Niedersachsen: Hier wurde 2012 eine Kastrationspflicht eingeführt. 2021 mussten dann statt 300 Katzen nur noch 51 kastriert werden.
Doch die Tierschützer kritisieren auch die regionalen Regelungen, denn Katzen würden vor Gemeindegrenzen keinen Halt machen. Wie auch die Tierschutzvereine von Bad Mergentheim und Heilbronn fordern sie deshalb auch sie eine flächendeckende Katzenschutzverordnung.
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