Verbraucherzentrale und Experten sprechen von "Nudging"

Trinkgeld auch beim Bäcker? Kontroverse Diskussionen im Netz

Dass mittlerweile auch Bäckereien auf ihren Kartenlesegeräten Vorschläge fürs Trinkgeld machen, sorgt für Diskussionen in der Kundschaft. Was sagen eigentlich Verbraucherschützer?

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Stand

Seit einiger Zeit unterbreitet eine Bäckereikette aus Franken in Bad Mergentheim und Weikersheim (Main-Tauber-Kreis) ihren Kundinnen und Kunden Vorschläge für die Höhe des Trinkgelds. Sie ist kein Einzelfall, in den sozialen Medien wird das Phänomen kontrovers diskutiert. Einige geben es gerne, andere fühlen sich durch die Auswahl auf dem Display bei der Kartenzahlung moralisch unter Druck gesetzt.

Bei einer Umfrage vor einer Bäckerei in Offenau (Kreis Heilbronn), die kein elektronisches Trinkgeld-System hat, sind sich die Befragten nicht einig. Manche geben gerne Trinkgeld beim Bäcker. Andere finden das unnötig. "Dann müsste ich ja überall und jedem Verkäufer Trinkgeld geben", heißt es zum Beispiel.

Das sagt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zum Trinkgeld auch beim Bäcker

Für Bereiche, wo es in Deutschland schon bisher üblich war, Trinkgeld zu geben, sieht die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kein Problem mit den Vorschlägen im Display. Wichtig sei nur, dass auch deutlich "kein Trinkgeld" auswählbar sei und sich die zur Auswahl stehenden Prozente im üblichen Rahmen bewegten, heißt es auf SWR-Anfrage. Auch habe es bislang kaum Beschwerden über das System gegeben.

Bei Imbissen und Bäckereien sehen es die Verbraucherschützer allerdings anders. Hier würden die Kundinnen und Kunden mit so einer Auswahl im Display ein Stück weit dazu gedrängt, Trinkgeld zu geben, wo es bisher keines gab. Expertinnen und Experten sprechen hier von "Nudging", also "Schubsen".

Die Verbraucherzentrale rät, sich zu trauen, auf "kein Trinkgeld" zu klicken, wenn man es nicht geben möchten. Sollte es diese Option in einem Laden nicht geben, könnten sich die Kundinnen und Kunden an die Verbraucherzentrale wenden. Diese prüfe dann die Sachlage.

Kritik an der Gestaltung für Kundinnen und Kunden

Kritik gibt es unter anderem an der Gestaltung von manchen Aufforderungen. Zum Beispiel durch die Farbgebung, wenn der Button mit der höchsten Prozentzahl grün und der mit "kein Trinkgeld" rot ist. Auch gibt es eine "Tendenz zur Mitte".

Die Kundinnen und Kunden wollen nicht die niedrigste Stufe wählen, um nicht knauserig zu wirken - aber auch nicht die höchste, erklärte der Münchener Ökonom Klaus Schmidt in einem BR-Interview. Wer also die Mitte entsprechend hoch setzt, könnte Menschen dazu bewegen, mehr zu geben, als wenn es keine Auswahl gäbe.

Ob digital oder bar - Geld kommt bei den Mitarbeitenden an

In der Bäckerei Hirth in Offenau (Kreis Heilbronn) geben rund die Hälfte der Kundinnen und Kunden Trinkgeld. "Schon immer unaufgefordert und in bar", sagt Nicole Koch von der Filialleitung. Das Trinkgeld lande auf einem Konto des Unternehmens und werde für gemeinsame Aktivitäten wie Ausflüge verwendet, so Koch.

Auch bei der eingangs erwähnten Bäckerei-Kette kommt das Trinkgeld zu hundert Prozent bei den Mitarbeitenden im Verkauf an. Das Unternehmen habe die digitale Trinkgeldkasse eingeführt, da immer mehr bargeldlos bezahlt werde. "Es handelt sich um eine freiwillige Geste, die dennoch für manche Gäste ungewohnt sein kann". Man befinde sich aktuell in einer unbefristeten Testphase, teilte das Unternehmen mit.

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