Im Prozess gegen einen Physiotherapeuten aus Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis), dem vorgeworfen wurde, eine Frau sexuell missbraucht zu haben, ist nun das Urteil gefallen: Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung. Zusätzlich wurde ihm auferlegt, 6.000 Euro an die Opferhilfsorganisation "Weißer Ring" zu zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Urteil: Keine Vergewaltigung im strafrechtlichen Sinne
Der 54-Jährige war angeklagt, während einer Behandlung im März 2022 eine 34-jährige Patientin ohne deren Einwilligung sexuell berührt zu haben. Das Landgericht Ellwangen (Ostalbkreis) sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte die Geschädigte im Rahmen einer Massage plötzlich und unerwartet an sensiblen Körperstellen berührte. Dabei soll er laut Gericht mit seinen Fingern in die Vagina der Frau eingedrungen und ihre Klitoris mit der Zunge berührt haben.
Das Gericht bewertete die Handlungen zwar als sexuellen Missbrauch, lehnte jedoch die Einordnung als Vergewaltigung ab. Zur Begründung führte die Kammer aus, dass der Angeklagte nicht mit Zwang, sondern mit der Absicht gehandelt habe, die Geschädigte "als willkommene Nebenleistung zu erregen".
Die Frau hatte sich wiederum bei ihrer Schwägerin in einem Chat offenbart, der dem Gericht als Beweismittel vorlag und als besonders glaubwürdig bewertet wurde. Sie trat als Nebenklägerin auf und sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Auch Ehemann und Schwägerin bestätigten ihre Ausführungen.
Mann aus Bad Mergentheim werden sexuelle Übergriffe vorgeworfen Physiotherapeut erneut vor Gericht: Angeklagter beteuert Unschuld
Ein Physiotherapeut aus Bad Mergentheim steht bereits zum zweiten Mal wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht. Zum Prozessauftakt bestritt der 54-Jährige die Vorwürfe.
Physiotherapeut wegen weiterer Fälle vor Gericht
Der 54-Jährige beteuerte bis zuletzt seine Unschuld. Seine Verteidigerin hatte deshalb auf Freispruch plädiert. Er ist nach eigenen Angaben vor allem als Kindertherapeut tätig gewesen - mit Erwachsenen habe er nur selten zu tun, erklärte er.
Bereits im vergangenen Jahr war der Physiotherapeut in einem ähnlichen Fall vor dem Amtsgericht Bad Mergentheim zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zudem gibt es laut Staatsanwaltschaft weitere Frauen, die Vorwürfe gegen den Mann erhoben haben. Die Ermittlungen dazu dauern an.